Szenarien mit sehr hohen Emissionen in Klimamodellen nicht mehr berücksichtigt
Szenarien mit besonders hohen oder niedrigen Treibhausgasemissionen dienen in der Klimamodellierung künftig nicht mehr als Standardreferenzen
Hochemissionsszenarien wegen technischer, ökonomischer und politischer Entwicklungen nicht mehr plausibel, Niedrigemissionszenarien wegen aktueller Emissionstrends; heute findet im Bundestag auch eine Aktuelle Stunde zum Wegfall des Hochemissionsszenarios und den Konsequenzen für die Klimapolitik der Bundesregierung statt
befragte Forschende: Anpassung von Szenarien an Entwicklungen gängige wissenschaftliche Praxis
Die neuste Generation der Klimamodelle soll künftig ohne die bisher genutzten Szenarien mit besonders hohen Treibhausgasemissionen arbeiten. Bereits Anfang April wurden bei der Vorstellung der Coupled Model Intercomparison Project Phase 7 (CMIP7) ein Set neuer Emissionsszenarien vorgestellt, die künftig die Grundlage für Modellrechnungen liefern [I]. Diese reichen vom ‚Low-to-Negative emission scenario‘ bis zum ‚High emission scenario‘, das hinter den bisherigen Projektionen der Szenarien mit besonders hohen Treibhausgasemissionen zurückbleibt. Darin heißt es: „For the 21st century, this range will be smaller than assessed before: on the high-end of the range, the CMIP6 high emission levels (quantified by SSP5-8.5) have become implausible.”. Gleichzeitig wird betont, dass ebenso Szenarien mit sehr geringen Emissionen auf Grund aktueller Trends nicht mehr wahrscheinlich sind.
Am vergangenen Sonntag (17.05.2026) postete US-Präsident Donald Trump dann auf X über den offiziellen Account des Weißen Hauses, dass die bisher genutzten Szenarien wissentlich falsch gewesen wären. Damit argumentierte er ähnlich wie vereinzelte Medienberichte, die nach der Veröffentlichung des CMIP7-Rahmenwerkes erschienen, und mit Überschriften wie „Horrorszenario gestrichen” oder „Klimawandel doch kein Weltuntergang“ publiziert wurden. Auf Antrag der Bundestagsfraktion der AfD gibt es heute um 16:25 Uhr im Deutschen Bundestag eine Aktuelle Stunde mit dem Titel „Extremes Szenario zur Erderwärmung laut Forschern des IPCC weggefallen – Konsequenzen für die Klimapolitik der Bundesregierung “.
Mitbegründer, New Climate Institute, Köln
„Klimaschutz hat gewirkt. Die erneuerbaren Energien sind jetzt so stark, dass ein unendliches Wachstum der fossilen Energien ausgeschlossen werden kann. Früher war das tatsächlich wahrscheinlich, weil es keine Alternativen zu den fossilen Energien gab. Die Wissenschaft lag also nicht falsch oder hätte gar Hysterie verbreitet. Die Wissenschaft hat mögliche zukünftige Entwicklungen an die geänderte Realität angepasst.“
„Die Abschaffung des Worst-Case-Szenarios ist aber keineswegs Entwarnung. Die Wissenschaft geht heute von sehr viel gravierenden Auswirkungen für ein bestimmtes Temperaturniveau aus als noch vor zehn Jahren. Insbesondere die Wahrscheinlichkeit von Kipppunkten ist heute erheblich höher. Damit sind die Auswirkungen des aktuellen Szenarios mit den höchsten Emissionen in etwa so gravierend, wie es vor zehn Jahren vom Worst-Case-Szenario erwartet wurde.“
„Es ist aus meiner Sicht unverantwortlich und auch durchschaubar, wie Klimaskeptiker, Rechts-außen-Medien und auch die Trump-Regierung diese Lage für ihre eigenen Zwecke missbrauchen. Zu behaupten, die Klimawissenschaft hätte falsch gelegen und Klimawandel würde uns nicht umbringen, basiert nicht auf Fakten. Ganz besonders besorgniserregend ist die Aussicht auf ein durch den Klimawandel verstärktes, mögliches Super-El Nino-Ereignis 2026/27, dass nach aktuellen Prognosen sicherlich zu einer erheblichen Anzahl von Toten durch Stürme, Dürren und Nahrungsmittelknappheit führen wird. Wenn die Trump Regierung wirklich an Fakten interessiert wäre, würde sie nicht massenweise Stellen in der Wissenschaft streichen."
Senior Researcher, RFF-CMCC European Institute on Economics and the Environment (EIEE), Mailand, Italien
„Die RCPs sind nun mehr als ein Jahrzehnt alt, und seitdem hat sich einiges verändert. Auf politischer Ebene hat sich seit dem Pariser Klimaabkommen viel getan und global scheinen die Emissionen nun in der Tat einen Höchststand erreicht zu haben, anstatt entsprechend dem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum weiter anzusteigen, wie vor allem im RCP8.5 angenommen. Daneben sind im technologischen Bereich die Kosten viel schneller gesunken als angenommen, vor allem bei den erneuerbaren Energien und in der Elektromobilität. Zusammengenommen haben sich daher die Treibhausgasemissionen stabilisiert und werden in naher Zukunft (zumindest leicht) sinken. Von daher sind die Emissionsprofile, die im RCP8.5 angenommen wurden, nicht mehr realistisch, was seit einigen Jahren bekannt ist. Es macht daher durchaus Sinn, die realistischsten Szenarien zu verwenden. Zudem gab es bei den originalen RCPs vier Szenarien und das dem RCP8.5-nächste (RCP6.0) benötigt schon einiges an CO2-Vermeidung. Im CMIP6 wurde das durch den neuen Pfad SSP3-RCP7.0 ergänzt, der noch realistisch ist.“
Bisherige häufige Nutzung von RCP8.5
„Dass der RCP8.5 noch weit verbreitet ist, liegt auch daran, dass es häufig um die Frage geht, was im schlimmsten Fall passieren könnte, dem sogenannten Worst-Case-Szenario. Für politisch relevante Szenarien ergibt es jedoch absolut Sinn, sich auf statistisch gesehen realistischere Szenarien zu konzentrieren.“
„Daraus abzuleiten, dass die Klimawissenschaft sich selbst widerlegt hat, ist jedoch eindeutig falsch. Vielmehr hat sich im vergangenen Jahrzehnt dank politischem Momentum, technologischem Fortschritt und ökonomischen Anreizen schon einiges bewegt, um zumindest dieses Worst-Case-Szenario zunehmend unrealistisch erscheinen zu lassen. Also eine gute Nachricht zunächst einmal, auch wenn es noch ein weiter Weg ist.“
Plausibilität von Szenarien mit sehr geringen Emissionen
„Da wir mittlerweile im Mittel – je nach Berechnung – fast bei 1,5 Grad Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter angekommen sind und immer noch bei über 40 Gigatonnen CO2-Äquivalenten Treibhausgasemissionen pro Jahr liegen, ist der 1,9-Watt-pro-Quadratmeter-Pfad nunmehr auch unrealistisch. Genau hier setzt das neue Szenario-Protokoll an und bringt die Bedeutung des Overshoot (1,5-Grad-Limit wird zunächst überschritten, jedoch bis 2100 durch Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre erreicht; Anm. d. Red.) in die Diskussion ein. Denn wenn das 1,5-Grad-Ziel für das Ende des Jahrhunderts – wie im RCP1.9 – noch realistisch sein sollen, brauchen wir Szenarien mit dezidierten Annahmen zu Overshoot und negativen Emissionen, da diese Grenze über den ganzen Zeitraum mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überschritten werden wird.“
Leiterin der Abteilung Regionaler und Lokaler Klimawandel, Climate Service Center Germany – Helmholtz-Zentrum Hereon, Hamburg
„Zukunftsszenarien sind keine Vorhersagen für die Zukunft. Sie stellen mögliche zukünftige Entwicklungen dar – jeweils basierend auf dem aktuellen Stand des Wissens zum Zeitpunkt ihrer Erstellung. Eine mathematische Wahrscheinlichkeit wird ihnen nicht zugeordnet, vielmehr können interdisziplinäre Expertenteams ihre Plausibiliät bewerten.“
„Anfang April 2026 wurden Zukunftsszenarien zur Beschreibung zukünftig möglicher Treibhausgasemissionen und Landnutzungen als Basis für das ‚Coupled Model Intercomparison Project‘ Phase 7 (CMIP7) veröffentlicht [I] und weisen explizit darauf hin, dass das SSP5-8.5 Szenario angesichts der gesunkenen Kosten für erneuerbare Energien, der zunehmenden Bedeutung der Klimapolitik und der jüngsten Emissionsentwicklung als nicht mehr plausibel gilt.“
„Daraus lässt sich meiner Ansicht nach eine großartige Nachricht ableiten: Die technologischen, ökonomischen und politischen Errungenschaften der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass das Worst-Case-Szenario, das vor mehr als 15 Jahren aufgestellt wurde, nicht mehr plausibel ist! Das heißt allerdings nicht, dass es physikalisch unmöglich ist. Die für dieses Szenario durchgeführten Klimasimulationen liefern weiterhin wichtige Grundlagen, um die Auswirkungen sehr hoher Emissionen im Klimasystem zu verstehen und um Hochrisikoanalysen und Stresstests durchzuführen. Dies umfasst etwa die Untersuchung extremer Klimaänderungen, die Bewertung der Robustheit kritischer Infrastrukturen sowie die Analyse der Grenzen von Anpassung. Nicht zuletzt sind diese Forschungsarbeiten eine wichtige Grundlage, unsere Erfolge bei der Vermeidung von Emissionen zu quantifizieren – sie zeigen uns, was wir durch die Minderung von Treibhausgasemissionen vermeiden. Und die sich weltweit beschleunigende Nutzung von erneuerbaren Energien zeigt uns, dass wir gemeinsam etwas bewirken. Das sollte uns Mut machen, nun schnell, wirksam, weltweit Emissionen zu vermeiden und eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.“
Plausibilität von Szenarien mit sehr geringen Emissionen
„Die Zukunftsszenarien SSP1-1.9 und SSP2-1.9 beschreiben Zukunftspfade, mit denen wir das Ziel des Pariser Abkommens von 2015 einhalten können, die globale Erwärmung unter 2 Grad zu halten, möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Sie sind mit großen gesellschaftlichen Herausforderungen verbunden, aber physikalisch und technisch möglich. Allerdings sind die darin angenommenen Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht im Einklang mit den beobachteten Trends.“
„Dennoch bieten diese Szenarien weiterhin eine wichtige Referenz für 1,5-Grad-kompatible Entwicklungen und können zur Berechnung der Emissionslücken herangezogen werden. Zugleich kommen wir der globalen Erwärmung von 1,5 Grad immer näher. Für CMIP7 wurden nun auch neue Szenarien entwickelt, in denen ein zeitweises Überschreiten einer globalen Erwärmungsrate von 1,5 Grad angenommen wird. Diese Overshoot-Szenarien werden wichtige Grundlagen liefern, um die Auswirkungen im Klimasystem zu berechnen und besser zu verstehen, welche Prozesse sich verstärken und auch nach der Phase mit Overshoot noch weiterwirken. Damit werden essenzielle Grundlagen zur Anpassungsplanung geschaffen.“
Mögliche Missverständnisse
„Wichtig für die Kommunikation ist, zwischen ‚möglich‘ und ‚plausibel‘ zu unterscheiden. Dass die Szenarien RCP8.5 und SSP5-8.5 nicht mehr plausibel sind, heißt nicht, dass sie unmöglich oder gar falsch sind. Sie haben gemeinsam mit den Szenarien RCP2.6 und SSPx-1.9 basierend auf dem jeweils aktuellen Stand des Wissens einen Bereich von Möglichkeiten für die Zukunft aufgespannt. Wenn wir uns nun in die Zukunft bewegen, verändert sich der Ausgangspunkt, und damit verändern sich die möglichen Entwicklungspfade. Deshalb ist es so wichtig, die Zukunftsszenarien entsprechend der aktuellen Entwicklungen regelmäßig zu aktualisieren. Und wenn das bedeutet, das Worst-Case-Szenario ist nicht mehr plausibel, ist es aus meiner Sicht wichtig, das als eine gute Nachricht zu verbreiten. Und vor allem als Ansporn, angesichts der sich beschleunigenden Klimaänderungen, unsere Anstrengungen zum Klimaschutz entsprechend zu beschleunigen. Als eine Nachricht, die uns Mut machen sollte, die uns zeigt, dass wir gemeinsam etwas bewirken können.“
Leiter der Arbeitsgruppe Dynamik des Paläoklimas und des Fachbereichs Klimawissenschaften, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven, und Assoziierter Professor in der Arbeitsgruppe Paläoklimadynamik, Fachbereich Physik des Klimasystems, Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM), Universität Bremen
Bisherige häufige Nutzung von RCP8.5
„Die aktuelle Debatte um RCP8.5 wird politisch instrumentalisiert. Dabei entsteht teilweise der Eindruck, die Klimaforschung hätte ihre Warnungen ‚übertrieben‘ oder müsse ihre Aussagen nun zurücknehmen. Das Gegenteil ist der Fall. RCP8.5 war nie eine Prognose, sondern ein bewusst extremes Hoch-Emissionsszenario. Solche Szenarien werden verwendet, um Risiken und mögliche Schäden abzuschätzen. Dass einzelne Annahmen dieses Szenarios – insbesondere der massive zukünftige Kohleverbrauch – heute als weniger wahrscheinlich gelten, bedeutet nicht, dass die Klimakrise entschärft wäre.“
Szenario und Realität
„Die Realität ist eindeutig: Die Erde hat sich bereits um etwa 1,5 Grad erwärmt. In Deutschland liegt die Erwärmung bereits bei deutlich über 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau, in der Arktis sogar bei mehr als 3 Grad. Gerade die starke Erwärmung der Polarregionen verändert das Meereis, sowie atmosphärische und ozeanische Zirkulationsmuster mit Auswirkungen weit über die Arktis hinaus. Hitzewellen, Dürren, Starkregen, Waldbrände und das Abschmelzen der Eisschilde zeigen, dass der Klimawandel keine abstrakte Zukunftsfrage ist. Viele Entwicklungen verlaufen derzeit sogar schneller als noch vor einigen Jahren erwartet.“
„Gerade aus Sicht der Paläoklimaforschung wissen wir zudem, wie empfindlich das Klimasystem reagiert. Während der jüngsten Warmzeit vor etwa 125.000 Jahren lagen die globalen Temperaturen nur wenig über dem vorindustriellen Niveau, trotzdem war der Meeresspiegel mehrere Meter höher als heute. Das zeigt, dass schon vergleichsweise kleine Temperaturänderungen langfristig massive Auswirkungen auf Eisschilde und Küstenregionen haben können.“
Diskreditierung wissenschaftlicher Erkenntnisse
„Das Erdsystem reagiert nicht-linear. Irreversible Veränderungen sind reale Risiken und keine theoretischen Konstrukte. Wer nun behauptet, aus der Neubewertung von RCP8.5 folge, Klimaschutz sei unnötig oder überzogen gewesen, betreibt politische Irreführung. Besonders alarmierend ist die klimapolitische Richtung, wie sie von Donald Trump oder der AfD vertreten wird. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden relativiert, internationale Kooperationen sabotiert und fossile Energien erneut als Zukunftsmodell propagiert. Das ist nicht nur wissenschaftlich falsch, sondern ökonomisch und gesellschaftlich hochriskant.“
„Die Physik des Klimas lässt sich nicht durch Ideologie außer Kraft setzen. Wer heute den Ausbau erneuerbarer Energien bremst oder den menschengemachten Klimawandel verharmlost, verschärft die Risiken für kommende Generationen bewusst. Die Kosten des Nichthandelns werden am Ende deutlich höher sein als die Kosten konsequenter Klimapolitik.“
„Die wissenschaftliche Aussage bleibt deshalb unverändert klar: Je schneller die globalen Emissionen sinken, desto größer ist die Chance, gefährliche und irreversible Veränderungen des Klimasystems noch zu begrenzen.“
Leiter der Forschungsgruppe Regionales Klima, Professor am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich
Klima-Szenarien
„Klima-Szenarien sind ‚Was-passiert-dann‘-Geschichten. Sie beschreiben, was passieren würde, wenn bestimmte politische und wirtschaftliche Entwicklungen eintreten. Sie sind also keine Vorhersagen, die sicher eintreten werden, sondern Entwicklungen, die eintreten würden, wenn wir uns in einer bestimmten Weise verhielten. Die CMIP7-Initiative hält nun das dramatischste (Worst-Case) dieser Szenarien für unplausibel, weil so viel Kohle, Erdöl und Erdgas verbrannt werden müssten. Jedoch ist es wirtschaftlich mittlerweile viel vernünftiger auf erneuerbare Energien umzusteigen. Auchweil in den vergangenen Jahren international viel in erneuerbare Energien investiert wurde.“
„Jetzt in manchen Zeitungsartikeln zu behaupten, dass der Klimawandel also nicht so schlimm sein wird und deshalb keine Klimaschutzmaßnahmen nötig seien, ist aber ein trauriges Beispiel für das Präventionsparadox: Das Worst-Case-Szenario gilt nicht als unplausibel, weil die Klimaforschung das Klimasystem nicht richtig verstanden hat, sondern weil es nur bei anhaltender großer politischer Dummheit eintreten würde. Anders gesagt: Die Menschheit hat durch Klimaschutz reagiert und das Worst-Case-Szenario dadurch mehr und mehr unplausibel gemacht. Jetzt deshalb Klimaschutzmaßnahmen zurückzufahren, würde den Klimawandel aber wieder beschleunigen.“
Kein Grund zur Entwarnung
„Auch wenn die Menschheit wahrscheinlich nicht langfristig dem alten Worst-Case-Szenario folgen wird, kann auch bei den neuen Szenarien keine Rede von Entwarnung sein: Das neue Worst-Case-Szenario geht noch von 3,5 Grad Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts aus – anstelle von 4,8 Grad im alten. Bezogen ist die Erwärmung im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung. Jetzt Klimaschutzmaßnahmen zurückzunehmen würde uns genau zu diesem Worst-Case führen, mit all den damit verbundenen Folgen.“
„Ist es denn eine sinnvolle Entscheidung, das alte Worst-Case-Szenario von 4,8 Grad Erwärmung durch ein neues zu ersetzen? Das bisherige Worst-Case-Szenario beschreibt eine Zukunft, in der die Politik einem Wachstumsparadigma folgt, in dem es keine Grenzen gibt: Es gibt keine Klimaschutzmaßnahmen, erneuerbare Energien werden bewusst blockiert, langfristig wird auf Verbrenner gesetzt, Heizungen werden mit Erdgas und Erdöl betrieben werden, der Welthandel nimmt immer weiter zu, immer mehr Flugreisen werden getätigt, Autos gekauft, und das überall auf der Welt für die nächsten Jahrzehnte. Die vergangenen Jahre haben eindrucksvoll gezeigt, dass dieses Denken wieder die Politik bestimmt. Gerade vor diesem Hintergrund bezweifle ich, dass ein solches Szenario wirklich ausgeschlossen werden sollte.“
Wie über Klimaszenarien berichtet werden sollte
„Was sich aber tatsächlich ändern sollte ist, wie über diese Szenarien berichtet wird: Dass sie eben keine Vorhersagen sind, sondern ‚Was-passiert-dann‘-Geschichten: Einen Klimawandel von vier Grad – den Worst-Case – gibt es eben nur, wenn das Denken der Trumps und Putins und ihrer europäischen Verehrer für die nächsten Jahrzehnte die Oberhand gewinnt. Einen Klimawandel von weniger als zwei weiteren Grad Erwärmung erreichen wir hingegen auch nur, wenn wir uns als Menschheit anstrengen und weiterhin in Klimaschutz investieren.“
„ Solange die Menschheit mehr Treibhausgase emittiert als von der Natur aufgenommen werden kann, wird sich das Klima weiter erwärmen. Es geht also nicht um die Frage, ob unsere Emissionen um 30, 50 oder 80 Prozent gemindert werden müssen – solche Maßnahmen bremsen den Klimawandel nur mehr oder weniger. Um den menschengemachten Klimawandel langfristig zu stoppen, müssen unsere Emissionen auf null gesenkt werden.“
„Es gibt eventuell dann doch ein Argument, weshalb das bisherige Worst-Case-Szenario tatsächlich unplausibel sein könnte: Kurzfristig können die USA und Deutschland wieder verstärkt auf fossile Technologien setzen. Welche Technologien sich international durchsetzen, wird aber nicht mehr in diesen Ländern entschieden, sondern in China. Die deutsche Bundesregierung sollte sich fragen, ob sie sich dieser Realität verweigern will und in die Geschichtsbücher als die Regierung eingehen möchte, die die deutsche Autoindustrie zu Grabe getragen hat.“
Forschungsgruppenleiter und Senior Research Scholar, Integrierte Forschungsgruppe Klimaauswirkungen, Energie-, Klima- und Umweltprogramm, Internationales Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA), Laxenburg, Österreich, und Leiter der Forschungsgruppe Zeitliche Entwicklung von Anpassungshindernissen und ihre Bedeutung für klimabedingte Verluste und Schäden, Integratives Forschungsinstitut zum Wandel von Mensch-Umwelt-Systemen (IRI THESys), Humboldt-Universität zu Berlin
Referenzszenarien und Klimaziele
„Imaktuellen Synthesebericht von 2023 beschreibt der Weltklimarat (IPCC) Erwärmungsszenarien, die sich aus den Klimazielen der Länder im Rahmen des Pariser Abkommens ergeben. Ohne zusätzliche Anstrengungen würde dies zu einer Erwärmung von etwa 2,8 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau bis zum Jahr 2100 führen. Der Stand der Klimaziele entspricht dabei dem Jahr 2021.“
„Vergleicht man dies mit dem Stand der Ziele im Jahr 2026 [1], ergibt sich eine Erwärmung von rund 2,6 Grad. Die globalen Bemühungen um Emissionsminderungen bleiben somit weiterhin unzureichend, um die Ziele des Pariser Abkommens einzuhalten. Die Einschätzung des Weltklimarates darüber, wohin die aktuellen Klimaziele führen würden, hat daher leider nach wie vor eine gewisse Gültigkeit. Die Veränderungen bei Szenarien, die auf der Fortschreibung umgesetzter Politikinstrumente basieren, sind größer. Global gesehen machen wir also Fortschritte, die Umsetzungslücke zu schließen. In Deutschland ist dies leider nicht der Fall, wie der kürzlich veröffentliche Bericht des Expertenrat für Klimafragen zeigt.“
„Emissionsszenarien, die sich aus den derzeitigen Klimazielen und der politischen Umsetzung in den einzelnen Ländern ergeben, können als Referenz für die aktuell zu erwartenden Klimarisiken herangezogen werden.“
Klimaszenarien in der Erdsystemmodellierung
„Szenarien, die sich aus aktuellen politischen Zielsetzungen ergeben, können eine Orientierung dafür geben, worauf wir möglicherweise zusteuern. Politische Zielsetzungen sind jedoch nicht in Stein gemeißelt. Dies zeigt sich derzeit leider insbesondere – aber nicht nur – in den Vereinigten Staaten. Eine Vielzahl weiterer Klimazukünfte, sowohl im besseren als auch im schlechteren Sinne, ist denkbar und muss ebenfalls untersucht werden, um beispielsweise Wege zur Einhaltung der Pariser Klimaziele, aber auch die Konsequenzen verschleppter Emissionsminderungen aufzuzeigen.“
„Der Szenarien-Prozess in der wissenschaftlichen Klimacommunity zielt daher darauf ab, eine Bandbreite plausibler Zukünfte in Szenarien zu beschreiben – basierend auf unserem heutigen Verständnis möglicher technologischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Entwicklungen. Dies erfolgt durch die umfassende Exploration solcher Szenarien mithilfe energieökonomischer Modelle. Nur eine begrenzte Auswahl dieser Szenarien wird dann ausgewählt, um die klimatischen Konsequenzen in Erdsystemmodellen zu simulieren. Diese Modellsimulationen sind äußerst aufwendig und kostenintensiv. Daher wird großer Wert darauf gelegt, mit dieser Auswahl eine möglichst breite Spanne plausibler Entwicklungen abzudecken.“
„Aufgrund des erheblichen Aufwands, der mit der Erdsystemmodellierung verbunden ist, wird dieses Set von Szenarien nur in größeren Zeitabständen aktualisiert. Die vorherige Generation von Szenarien im Rahmen des Coupled Model Intercomparison Project CMIP6 stammt aus dem Jahr 2016. Die aktualisierte Generation der Szenarien für die neuen Modellläufe CMIP7 wurde kürzlich veröffentlicht [I].“
Neue Generation von Szenarien und der Overshoot
„Verglichen mit der Vorgängergeneration aus dem Jahr 2016 hat sich die Bandbreite plausibler Klimazukünfte verengt. Aufgrund unzureichender Emissionsminderungen in der Vergangenheit müssen wir inzwischen davon ausgehen, dass ein globales Erwärmungsniveau von 1,5 Grad in den nächsten zehn Jahren überschritten wird. Um die Erwärmung langfristig wieder unter 1,5 Grad zu senken, müsste dieses Ziel nach einem temporären Überschreiten auf einem sogenannten Overshoot-Pfad (1,5-Grad-Limit wird zunächst überschritten, jedoch bis 2100 durch Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre erreicht; Anm. d. Red.) verfolgt werden. Um schwerwiegende Klimafolgen zu begrenzen, muss es das Ziel sein, die maximale Erwärmung so niedrig wie möglich und deutlich unter 2 Grad zu halten. Jedes Zehntelgrad zählt.“
„Im Szenarien-Set von CMIP7 wird daher ein deutlich größerer Fokus auf Szenarien gelegt, die solche Overshoot-Pfade beschreiben, um deren Konsequenzen besser zu verstehen.“
Relevanz von Extremszenarien
„Auf der anderen Seite des plausiblen Spektrums der Szenarien zeigen sich ebenfalls Veränderungen. Aufgrund technologischer Fortschritte – insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien sowie der Batterietechnologie – gelten extrem hohe Emissionsszenarien mit stark ansteigenden Emissionen heute als weniger plausibel. Dies betrifft insbesondere das extremste Szenario der CMIP6-Generation, das SSP5-8.5-Szenario, das zu einer mittleren Erwärmung von über 4 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts führen würde. Konnte eine solche Zukunft im Jahr 2016, wenn auch damals schon extrem, noch nicht als unplausibel ausgeschlossen werden, so ist dies nun der Fall.“
„Das ist eine gute Nachricht. Es bedeutet jedoch leider nicht, dass auch die Klimafolgen einer Erwärmung um 4 Grad ausgeschlossen werden können. Aufgrund möglicher stärkerer Rückkopplungsprozesse im Klimasystem könnten ähnlich hohe Erwärmungsniveaus und entsprechende Risiken auch unter niedrigeren Emissionsszenarien erreicht werden. Die wissenschaftliche Untersuchung solcher Extremszenarien bleibt daher weiterhin relevant für die Abschätzung von Klimarisiken.“
Professorin für Klimastatistik und Klimaextreme, Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change, and Society“ (CLICCS), Universität Hamburg, und Leiterin der Arbeitsgruppe Climate and Nature Risk, Center for International Climate Research CICERO, Oslo, Norwegen
Klimaszenarien
„Szenarien sind ein wichtiges Werkzeug, um den Klimawandel zu untersuchen. Sie beschreiben mögliche Entwicklungen für die Zukunft, die den jeweiligen Wissensstand und die Einschätzungen von Experten hinsichtlich gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Entwicklungen widerspiegeln. Vom ersten bis zum aktuell in Arbeit befindlichen siebten Sachstandsbericht des Weltklimarates wurden die verwendeten Szenarien mehrmals überarbeitet und weiterentwickelt. Das man ‚alte Szenarien‘ über Bord wirft und neue Szenarien entwirft, ist also nichts neues, denn die Welt bleibt ja nicht stehen. Wir entwickeln uns weiter, lernen dazu, sind mit unvorhergesehenen Krisen konfrontiert – wie zum Beispiel der COVID-19-Pandemie oder den Auswirkungen von Kriegen. Auch bekommen wir neue Möglichkeiten durch technologische Fortschritte oder gesellschaftlichen Wandel. Dabei soll die Auswahl der Szenarien möglichst einen großen und plausiblen Bereich an Emissions- und Entwicklungspfaden und dadurch ausgelösten Veränderungen im Klima abdecken. So kann man abschätzen, welche Folgen entstehen und welche Maßnahmen zur Anpassung und zum Klimaschutz helfen.“
Relevanz von Extremszenarien
„Szenarien sind aber nie Prognosen, dass das eine oder andere Szenario so eintritt, sondern sie helfen uns vor allem für die Risikoabschätzung unseres Handelns. Das RCP8.5-Szenario wurde nicht umsonst oft als Worst-Case-Szenario verwendet, um zu zeigen, dass hohe Treibhausgasemissionen zu enormen Konsequenzen führen können. Im Sinne einer Risikobewertung also so zu interpretieren, dass wir den ‚Worst Case‘ auf jeden Fall vermeiden wollen. Und das hat ja auch geklappt, denn wie man im Carbon Action Tracker [1] gut veranschaulicht sieht, greifen die heutige internationale Klimapolitik (Paris Abkommen) und die schon beschlossenen Klimaziele der einzelnen Staaten (National Determined Contributions NDC). Die erwartete Erwärmung ist laut den Analysen von Carbon Action Tracker bis zum Ende dieses Jahrhunderts dadurch von rund 3,6 Grad (Stand 2015) auf etwa 2,6 Grad (Stand 2025) gesunken. Immer noch nicht ideal, aber es zeigt, dass durch aktive Klimapolitik und Minderung von Treibhausgasemissionen die globale Erderwärmung verringert beziehungsweise aufgehalten werden kann.“
„Wichtig ist dabei aber auch zu erwähnen, dass selbst unter moderaten Szenarien, zum Beispiel solchen, die eine globale Erwärmung von rund 2 Grad annehmen, die Auswirkungen des Klimawandels sehr groß sein können, wenn man auf bestimmte Regionen und Sektoren schaut, wie wir in einer gerade erst erschienenen Studie in Nature gezeigt haben [2]. Das unterstreicht den Grundsatz der Vorsorge bei der Risikobewertung.“
Plausibilität von Szenarien mit sehr geringen Emissionen
„Auch die Szenarien mit sehr optimistischen Annahmen – dass wir die Pariser Klimaziele vollständig umsetzen – sind bei einer Risikobewertung sehr wichtig, da neben dem ‚Worst Case‘ auch der ‚Best Case‘ in die Entscheidungen einfließen sollte. So wird veranschaulicht, dass unterschiedliche Optionen möglich und plausibel sind, und dass unter bestimmten Voraussetzungen – wenn man sie denn konsequent umgesetzt hätte – die Erderwärmung auch unter 2 Grad gehalten hätte werden können.“
Neue Generation von Szenarien und der Overshoot
„In den neuen CMIP7-Szenarien gibt es auch sogenannte Overshoot-Szenarien. Das heißt, man geht davon aus, dass das 2- (oder 1,5-) Grad-Ziel (kurzzeitig) überschritten wird, aber dass wir Möglichkeiten haben beziehungsweise entwickeln, das Kohlendioxid aus der Atmosphäre wieder herauszuholen und zu speichern, und damit die Erderwärmung wieder zu verringern. Für die Wissenschaft ist es derzeit sehr interessant zu erforschen, wie sich so ein ‚kurzzeitiger‘ Overshoot langfristig auf die Umwelt und Gesellschaft auswirkt, etwa hinsichtlich der Veränderung von Klimaextremen, wie in [3] beschrieben. Darum sollten solche Szenarien mitgedacht werden, obwohl unsere Möglichkeiten für CO₂-Entfernung und -Speicherung noch nicht verlässlich genug sind. Das unterstreicht noch einmal das Vorsorgeprinzip.“
Ergänzung des Statements:
„Wenn jemand sehr stark raucht und sein Arzt ihm erklärt, dass unter diesen Umständen mit hoher Wahrscheinlichkeit schwere gesundheitliche Schäden zu erwarten hat – etwa Lungenkrebs, was durch die Wissenschaft gut belegt ist – und die Person dann vernünftigerweise aufhört oder zumindest weniger raucht, sodass sie nach einigen Jahren wieder zum Arzt geht und dieser feststellt, dass sich ihr Gesundheitszustand verbessert hat: Würde man dann ernsthaft sagen, der Arzt hätte am Anfang völlig falsch gelegen?“
Außerordentlicher Professor in der Forschungsgruppe Klimaphysik, Institut für Atmosphäre und Klima, Departement Umweltsystemwissenschaften, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ), Zürich , Schweiz
„Zuerst möchte ich ein wichtiges Missverständnis ausräumen: Der IPCC erstellt keine Szenarien und es gibt keine IPCC-Szenarien. Diese Szenarien stammen von einer Gruppe innerhalb des World Climate Research Program und werden auf deren Empfehlung von den Klimamodellgruppen verwendet. Der IPCC muss die gesamte begutachtete Literatur evaluieren und betrachtet auch andere Szenarien, sowohl in Arbeitsgruppe 1 und noch viel mehr in Arbeitsgruppe 3. Dort sind es Hunderte von Szenarien.“
„Die Tatsache, dass die Emissionen in RCP8.5 und SSP5-8.5 heute als wenig wahrscheinlich gelten, ist ein gutes Zeichen. Spätestens seit dem Pariser Klimaabkommen wurden große Anstrengungen getätigt, um die Treibhausgasemissionen zu senken. Die Technologien für erneuerbare Energien wurden sehr rasch viel billiger. Deshalb sind die Emissionen weniger schnell angestiegen als in den Jahren zuvor und sind in vielen Ländern Europas bereits gesunken. Das ist ein Präventionsparadox: Die Worst-Case-Szenarien früherer Jahre sind nicht eingetroffen, und zwar nicht weil die Wissenschaft sich geirrt hatte, sondern weil viele Staaten Klimaschutz betreiben.“
„Allerdings war RCP8.5/SSP5-8.5 schon zuvor nie ein wahrscheinliches Szenario. Es war nicht ein Szenario, um die Bevölkerung zu erschrecken, sondern ein ‚Was wäre wenn‘-Szenario für sehr hohe Treibhausgaskonzentrationen, das angesichts der Emissionsreduktionen wenig plausibel wurde. Gleichfalls ist aber auch ein Szenario ohne überschreiten von 1,5 Grad Erwärmung nicht mehr plausibel.“
Bisherige häufige Nutzung von RCP8.5
„Verwendet wurde RCP8.5/SSP5-8.5 sehr oft, um das Klimawandelsignal von den natürlichen Schwankungen zu isolieren. Dabei ist es einfacher ein sehr hohes Szenario zu verwenden. Deshalb werden auch heute noch ‚4xCO2-Experimente‘ durchgeführt (in denen in Klimamodellen die CO2-Konzentration schlagartig vervierfacht wird; Anm. d. Red.). Nicht, weil sie plausibel sind, sondern weil es ein Stresstest für das Klimasystem darstellt und man mit weniger langen Simulationen das Klimawandelsignal isolieren kann.“
„In unserer Forschungsgruppe haben wir in den vergangenen fünf bis zehn Jahren vorwiegend mit globalen Erwärmungsniveaus gearbeitet, um uns von den Szenarien zu lösen. Wir haben also unabhängig vom Emissionsszenario betrachtet, was 2 Grad oder 2,5 Grad globale Erwärmung zum Beispiel für Wetterextreme bedeutet. So haben wir vor kurzem gezeigt, dass auch bei 2 Grad globaler Erwärmung die regionalen Auswirkungen sehr schwerwiegend sein können [2] .“
„In unserer Forschungsgruppe haben wir schon seit fast zehn Jahren keine Simulationen für SSP5-8.5 mehr durchgeführt. Aber viele andere Forschungsgruppen, welche nicht eigene und sehr teure Klimasimulationen durchführen können, mussten sich auf bestehende Simulationen aus älteren Projekten beziehen. Deshalb gab es sogar noch in den vergangenen Jahren Studien, die sich auf diese Emissionsszenarien beziehen.“
Plausibilität von Szenarien mit sehr geringen Emissionen
„Ich finde es wissenschaftlich wünschenswert einen möglichst großen Bereich von denkbaren ‚Was wäre wenn‘-Szenarien abzudecken. Insofern ist es wissenschaftlich spannend, sowohl die allerhöchsten als auch niedrigsten Emissionsszenarien zu untersuchen, auch wenn die beiden Extremszenarien weniger wahrscheinlich eintreffen.“
Mögliche Missverständnisse
„Die Studien waren schon früher ‚Was wäre wenn‘-Szenarien und sind es auch heute noch. Viele Forschungsarbeiten der vergangenen Jahre haben diese hohen Szenarien mithilfe von Erwärmungsniveaus ausgewertet. Die entsprechenden Erwärmungsniveaus werden in einem höheren Szenario einfach früher erreicht als in einem mittleren Emissionsszenario.“
Weiterführende Recherchequellen
IPCC (2026): IPCC News Comment. Webseite des Weltklimarates. Kommentar zur Deabtte um die überarbeiteten Szenarien.
Literaturstellen, die von den Expert:innen zitiert wurden
[1] Climate Action Tracker (2025): Little change in warming outlook for four years; new 2035 climate targets make no difference. Webseite. 13.11.2025.
[2] Bevacqua E et al. (2026): Moderate global warming does not rule out extreme global climate outcomes. Nature. DOI: 10.1038/s41586-026-10237-9.
Dazu auch Science Media Center (2026): Extreme Klimafolgen auch bei Erderwärmung um zwei Grad möglich. Statements. Stand: 25.03.2026.
[3] Alastrué de Asnejo et al. (2025): European heat extremes under net-zero emissions. Environmental Research Letters. DOI: 10.1088/1748-9326/addee4.
Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden
[I] Van Vuuren DP et al. (2026): The Scenario Model Intercomparison Project for CMIP7 (ScenarioMIP-CMIP7). Geoscientific Model Development. DOI: 10.5194/gmd-19-2627-2026.
[II] Van Vuuren DP et al. (2011): The representative concentration pathways: an overview. Climatic Change. DOI: 10.1007/s10584-011-0148-z.
[III] Riahi K et al. (2017): The Shared Socioeconomic Pathways and their energy, land use, and greenhouse gas emissions implications: An overview. Global Environmental Change. DOI: 10.1016/j.gloenvcha.2016.05.009.
Dr. Niklas Höhne
Mitbegründer, New Climate Institute, Köln
Dr. Johannes Emmerling
Senior Researcher, RFF-CMCC European Institute on Economics and the Environment (EIEE), Mailand, Italien
Dr. Diana Rechid
Leiterin der Abteilung Regionaler und Lokaler Klimawandel, Climate Service Center Germany – Helmholtz-Zentrum Hereon, Hamburg
Prof. Dr. Gerrit Lohmann
Leiter der Arbeitsgruppe Dynamik des Paläoklimas und des Fachbereichs Klimawissenschaften, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven, und Assoziierter Professor in der Arbeitsgruppe Paläoklimadynamik, Fachbereich Physik des Klimasystems, Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM), Universität Bremen
Prof. Dr. Douglas Maraun
Leiter der Forschungsgruppe Regionales Klima, Professor am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich
Prof. Dr. Carl-Friedrich Schleussner
Forschungsgruppenleiter und Senior Research Scholar, Integrierte Forschungsgruppe Klimaauswirkungen, Energie-, Klima- und Umweltprogramm, Internationales Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA), Laxenburg, Österreich, und Leiter der Forschungsgruppe Zeitliche Entwicklung von Anpassungshindernissen und ihre Bedeutung für klimabedingte Verluste und Schäden, Integratives Forschungsinstitut zum Wandel von Mensch-Umwelt-Systemen (IRI THESys), Humboldt-Universität zu Berlin
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Disclaimer: Ich bin ein Co-Autor der Publikation, welche die CMIP7-Szenarien beschreibt [I].“
Prof. Dr. Jana Sillmann
Professorin für Klimastatistik und Klimaextreme, Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change, and Society“ (CLICCS), Universität Hamburg, und Leiterin der Arbeitsgruppe Climate and Nature Risk, Center for International Climate Research CICERO, Oslo, Norwegen
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Disclaimer: Ich bin eine Co-Autorin der Publikation, welche die CMIP7-Szenarien beschreibt [I].“
Prof. Dr. Erich Markus Fischer
Außerordentlicher Professor in der Forschungsgruppe Klimaphysik, Institut für Atmosphäre und Klima, Departement Umweltsystemwissenschaften, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ), Zürich , Schweiz