Gentherapien: Ansätze, Nutzen und Risikoprofile
Gentherapien können schwerwiegende Erbkrankheiten durch eine gezielte Änderung im Erbgut heilen. Dafür muss eine sogenannte Genschere in die Zielzellen eingebracht werden, die zum Beispiel eine krankheitsauslösende Mutation erkennt und „repariert“. Es gibt bereits zugelassene Gentherapien, wie beispielsweise gegen Hämophilie A und B, die Sichelzellkrankheit [I] oder Spinale Muskelatrophie. Etliche weitere befinden sich in der klinischen Erprobung. Neue Varianten der Geneditierung wie das Base Editing oder Prime Editing können das Erbgut zunehmend präziser und mit geringeren unerwünschten Änderungen korrigieren.
Um die Gentherapie in die Zielzellen einzuschleusen, werden als Genfähren häufig Adeno-assoziierte Viren (AAV) verwendet. Sie können in menschliche Zellen eindringen, lösen aber keine bekannten Krankheiten aus. Dennoch sind einige sicherheitsrelevante Nebenwirkungen bei der Verwendung von AAV bereits bekannt. Einige Menschen haben im Laufe ihres Lebens bereits Antikörper gegen natürlich vorkommende AAV-Typen gebildet, weshalb es zu ungewollten Immunreaktionen kommen kann. Außerdem sind Fälle berichtet, bei denen zu hohe Dosen von AAV-Vektoren zu Leberversagen führten [II]. Darüber hinaus wurden Einzelfälle berichtet, bei denen es zur Schädigung von Nervenzellen oder des Herzens kam [III] [IV]. Auch die Bildung eines Tumors wird in einem Fall berichtet [V].
On our Youtube channel you can watch the video in the Speaker view or Gallery view watch.
„Ich bin Mitglied des Komitees für Genom-Editierung der American Society of Gene & Cell Therapy (ASGCT) und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gen- und Zelltherapie (DGGZT). Ich bin Miterfinder bei Patentanmeldungen, die vom Massachusetts General Hospital und der Technischen Universität München (TUM) zu verschiedenen Technologien im Bereich der Genom-Editierung und Zelltherapie eingereicht und von denen einige bereits lizenziert wurden. Ich war als bezahlter Berater für Poseida Therapeutics (kürzlich von der Roche Holding übernommen) tätig, ein Unternehmen, das verschiedene Gen- und Zelltherapien entwickelt, und hatte bis vor kurzem finanzielle Beteiligungen an diesem Unternehmen.“
„Ich habe keine Interessenkonflikte.“
All others: No information received
References cited by the SMC
[I] Science Media Center (16.11.2023): Erste CRISPR-Gentherapie zugelassen. Statements.
[II] Leon-Astudillo C et al. (2026): Sirolimus for the treatment of steroid-refractory hepatotoxicity following AAV gene therapy in patients with Duchenne muscular dystrophy. Journal of Neuromuscular Disease. DOI: 10.1177/22143602261424971.
[III] Wang JH et al. (2024): Adeno-associated virus as a delivery vector for gene therapy of human diseases. Signal Transduction and Targeted Therapy. DOI: 10.1038/s41392-024-01780-w.
[IV] Samelson‑Jones BJ et al. (2026). Cardiotoxic Effects and Microdystrophin Expression after Gene Therapy for DMD. New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMc2518477.
[V] Ahrens-Nicklas RC et al. (2026): Neuroepithelial Tumor with AAV Integration after Intracisternal Magna Vector Delivery. New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMoa2601608.
[VI] Borrel B et al. (23.07.2026): A fatal reaction. Science. DOI: 10.1126/science.zbr2v4d.
[VII] ClinicalTrials.gov: Clinical Trial of the Dual Vector Base Editor for the Treatment of the CHD3-R1025W Mutation.
[VIII] Musunuru K et al. (2025): Patient-Specific In Vivo Gene Editing to Treat a Rare Genetic Disease. New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMoa2504747.
[IX] Science Media Center (15.05.2025): Neue Gentherapie bei Kind mit seltener Stoffwechselkrankheit. Statements.
Prof. Dr. Boris Fehse
Klinikdirektor (Forschung), Interdisziplinäre Klinik und Poliklinik für Stammzelltransplantation, Zentrum für Onkologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Prof. Dr. Julian Grünewald
Assistant Professor für Gene Editing, Technische Universität München (TUM)
Information on possible conflicts of interest
„Ich bin Mitglied des Komitees für Genom-Editierung der American Society of Gene & Cell Therapy (ASGCT) und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gen- und Zelltherapie (DGGZT). Ich bin Miterfinder bei Patentanmeldungen, die vom Massachusetts General Hospital und der Technischen Universität München (TUM) zu verschiedenen Technologien im Bereich der Genom-Editierung und Zelltherapie eingereicht und von denen einige bereits lizenziert wurden. Ich war als bezahlter Berater für Poseida Therapeutics (kürzlich von der Roche Holding übernommen) tätig, ein Unternehmen, das verschiedene Gen- und Zelltherapien entwickelt, und hatte bis vor kurzem finanzielle Beteiligungen an diesem Unternehmen.“
Prof. Dr. Regine Heilbronn
Gastprofessorin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und CEO von EpiBlok Therapeutics, Bayer Co.Lab Berlin
Information on possible conflicts of interest
„Ich habe keine Interessenkonflikte.“