Tiefseebergbau: Zwischen Rohstoffbedarf, Wissenschaft und internationaler Regulierung
Verhandlungen über internationale Regeln für einen möglichen kommerziellen Tiefseebergbau gehen in weitere Runde
während internationale Regulierung weiter aussteht, treiben die USA nationale Genehmigungsverfahren voran; gleichzeitig liefern neue Studien wichtige Erkenntnisse zu Umweltfolgen des Tiefseebergbaus
Fachleute kritisieren, dass Berichterstattung und Debatten über Tiefseebergbau häufig einseitig geführt werden, selten aus einer Betrachtung der Gesamtsituation zu Rohstoffen, Umwelt und Politik
Am 31.07.2026 geht in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston die 31. Jahrestagung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) zu Ende. Im Zentrum der Sitzung steht nach wie vor die Frage, ob und wie der kommerzielle Tiefseebergbau unter Auflagen auszugestalten ist (siehe Hintergrundinformationen). Im vergangenen Jahr gelang die Verabschiedung eines solchen „Mining Code“ nicht [I]; auch der erste Teil der diesjährigen Verhandlungen [II] verschob wesentliche Gespräche und Entscheidungen auf den nun stattfindenden zweiten Teil der Jahressitzung. Die Verhandlungen des maßgeblichen ISA-Rates sind bereits am vergangenen Freitag zu Ende gegangen.
Ungeachtet eines verbindlichen Regelwerks für den Tiefseebergbau verfolgen die Vereinigten Staaten einen nationalen Sonderweg. Der US-amerikanische Ableger des Unternehmens The Metals Company (TMC) berichtete im Juni 2026 von regulatorischen Fortschritten. In der Mitteilung heißt es, dass die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde der Vereinigten Staaten (NOAA) festgestellt hat, dass der Antrag für eine kommerzielle Nutzung im Gebiet „USA-A“ in der Clarion-Clipperton-Zone (CCZ) im Zentralpazifik vollständig eingereicht wurde. Bereits im April 2025 hatte Präsident Donald Trump eine Executive Order unterschrieben [III], mit der Genehmigungsverfahren für Tiefseebergbau nach US-Recht beschleunigt werden sollen.
Senior Researcher im Forschungsbereich Produkte & Stoffströme, Öko-Institut e.V., Freiburg
Rohstoffpotenzial
„Selbst, wenn es zu einem Abbau polymetallischer Knollen kommen würde, könnte dies keine umfassende Rohstoffversorgung für Industrie und Energiewende sicherstellen. Denn die Knollen enthalten zwar eine Vielzahl an Metallen und Spurenelementen, die Gewinnung aus den Knollen wäre aber nur für wenige Stoffe technisch möglich und wirtschaftlich darstellbar. Eigentlich sprechen wir nur von Kupfer, Nickel und Kobalt, die zusammen nicht mehr als drei Prozent der Knollenmasse ausmachen. Selbst für Mangan – das Metall mit der höchsten Konzentration in den Knollen – ist die Wirtschaftlichkeit fragwürdig. Der Großteil der Knollenmasse, einschließlich der in Spuren enthaltenen Seltenen Erden, Edelmetalle und Lithium, würde als Reststoff anfallen und müsste entsorgt werden. Beispielsweise als Kiesersatz im Straßenbau.“
Wissenschaftler im Forschungsbereich Marine Biogeochemie, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR), und Koordinator des Europäischen Forschungsprojekts Mining Impact
Wissensstand zu Tiefseeökosystemen und Umweltauswirkungen
„Gut dokumentiert ist die hohe räumliche Variabilität auf lokalen (hunderte Meter) und regionalen (hunderte bis tausende Kilometer) Skalen. Erste Daten zeigen jetzt auch eine zeitliche Variabilität von Faunenabundanzen (Anzahl Organismen pro Fläche) in der Clarion-Clipperton-Zone über mehrere Jahre – vermutlich gekoppelt an starke ENSO (El Niño) Ereignisse im Pazifik.“
„Die ersten Daten zu Umweltauswirkungen von Knollenkollektortests in der Clarion-Clipperton-Zone unterstützen die vorangegangenen Studien und Modellierungen, dass die Auswirkungen in den Abbaugebieten für die Prozesse im Meeresboden langfristig, das heißt für Jahrhunderte bis Jahrtausende, und für das spezifische Manganknollenhabitat permanent sein werden.“
„Es ist auch klar, dass es zusätzlich zu Umweltschäden durch die Sedimentwolke (aufgewirbelte Sedimentpartikel, die sich in der Wassersäule ausbreiten können; Anm. d. Red. ) und deren Ablagerung in der nahen Umgebung der Abbaugebiete kommen wird. Die Wiedereinleitung von Sedimentabfall muss auf das Wasser dicht am Meeresboden (weniger als 50 Meter über dem Boden) beschränkt werden, damit das Ökosystem in der Wassersäule nicht zusätzlich geschädigt wird.“
„Die ‚dunkle Produktion von Sauerstoff‘ (dark oxygen production) ist bisher die Beobachtung einer Arbeitsgruppe [VII] und muss noch durch andere Wissenschaftler überprüft, wiederholt und dann verstanden werden.“
Rohstoffpotenzial
„Tiefseebergbau wird den Landbergbau bei der Versorgung mit kritischen Metallrohstoffen nicht ersetzen. Manganknollen können in geringem Umfang zur Deckung des prognostizierten globalen Bedarfs an Kobalt und Nickel beitragen. Bei der Versorgung mit Kupfer wird die Rolle des Tiefseebergbaus vernachlässigbar bleiben. Die Konzentration an Seltenen Erden ist in den Manganknollen zu gering.“
Nationale Alleingänge
„Es bleibt abzuwarten, ob der Genehmigungsweg der USA über ihren nationalen Hard Minerals Act Auswirkungen haben wird. In der ISA wird weiter an der Ausarbeitung des Mining Code gearbeitet. Es ist wichtig, dass dieser internationale Prozess fortgeführt wird. Der Mining Code stellt den Minimum-Standard dar, den die Vertragsstaaten von UNCLOS (Verfassung der Meere der Vereinten Nationen, United Nations Convention of the Law of the Sea) national umsetzen müssen.“
Wichtige Aspekte für die Berichterstattung
„Es wird oft gesagt oder geschrieben, dass wir zu wenig über die Umweltauswirkungen wüssten. Ich denke, wir wissen aufgrund der wissenschaftlichen Untersuchungen in den vergangenen 35 Jahren ganz gut, was die direkten Auswirkungen sind und wie langfristig sie sein werden. Bei der Festlegung von Standards zu Grenzwerten für erlaubte Schädigungen fehlt uns allerdings das notwendige Detailwissen, um hier gesicherte Werte festzulegen. Hierfür gibt es erprobte regulatorische Herangehensweisen. Das Vorsichtsprinzip (precautionary approach) muss hier der Leitfaden sein, damit weitergehende Schädigungen der Umwelt beziehungsweise des Ökosystems beispielsweise durch unsere Wissenslücken zu Arten-Konnektivität und Ökosystemverständnis vermieden werden.“
„Diese Unsicherheiten und die Zeiträume, bis solche Schäden in der Tiefsee feststellbar sein werden, werden unterschätzt, weil wir dabei über Zeiträume von mehreren Menschengenerationen sprechen. Mir fehlt eine umfassende Debatte zu den Möglichkeiten einer nachhaltigeren Nutzung von Rohstoffen im Zusammenhang von Klimaveränderung, Energiewende, Mobilität, Digitalisierung, Tiefseebergbau, Biodiversität und so weiter. Dies ist komplex, aber es hängt miteinander zusammen.“
Professorin für Geowissenschaften, Abteilung für Physik und Erdwissenschaft, Constructor University Bremen, und Marum – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Bremen
Wissensstand zu Tiefseeökosystemen und Umweltauswirkungen
„Es ist mittlerweile bekannt, dass das Ökosystem Tiefsee durch sehr komplexe chemische und biologische Prozesse bestimmt wird, die zwar in ihren Teilaspekten relativ gut verstanden sind, nicht aber in ihrer Gesamtheit und in dem komplizierten Wechselspiel. Mechanische Beeinträchtigungen durch Kollektorfahrzeuge, die die Rohstoffe einsammeln beziehungsweise abbauen, können in Abbautests direkt beobachtet werden. Ebenso direkte Veränderungen der Sedimentstruktur und die direkte Veränderung der Faunenzusammensetzung durch den Eingriff.“
„Jedoch haben wir von der zeitlichen Entwicklung der Veränderungen beziehungsweise Wiederherstellung des Ökosystems nur unvollständige Daten. Das liegt daran, dass man insgesamt von sehr langen Zeiträumen, das heißt hunderte oder tausende von Jahren, ausgehen muss, bis die Ökosysteme von Manganknollenfeldern oder anderen Rohstoffgebieten nach einem Abbau wieder weitgehend einem ursprünglichen Zustand entsprechen. Bis sich Manganknollen oder Manganerzkrusten wieder am Meeresboden in vergleichbarer Größe bilden, benötigt es sogar Millionen von Jahren. Auch die Ausbreitung der Sedimentfahne (aufgewirbelte Sedimentpartikel, die sich in der Wassersäule ausbreiten können; Anm. d. Red.) durch den Abbau von Manganknollen wurde in der Vergangenheit meistens nur modelliert, aber neuere Feldmessungen zeigen hier teils ein anderes und diverseres Bild.“
„Die völlig unerwartete Entdeckung von dunklem Sauerstoff in Anwesenheit von Manganknollen [VII] (Frau Prof. Koschinsky ist eine Co-Autorin der Publikation; Anm. d. Red.) hat uns deutlich gemacht, dass es möglicherweise immer noch grundlegende Prozesse in der Tiefsee gibt, die wir trotz aller intensiver Forschung in den vergangenen Jahrzehnten noch nicht entdeckt oder entschlüsselt haben. Daraus sollten wir schlussfolgern, dass man in einer Entscheidung über einen möglichen Tiefseebergbau Vorsorgemaßnahmen ergreifen sollte, die solche Unwägbarkeiten berücksichtigen.“
Wichtige Aspekte für die Berichterstattung
„Die Berichterstattung und Debatten über Tiefseebergbau werden häufig aus einer einseitigen Perspektive heraus geführt, aber selten aus einer gesamtheitlichen Betrachtung der Situation zu Rohstoffen, Politik und Umwelt. Teils wird stark mit dem Rohstoffaspekt und der Abhängigkeit von wenigen politisch schwierigen Ländern argumentiert und der Notwendigkeit, sich hiervon zu befreien beziehungsweise die Versorgung der Rohstoffe für die eigene Hightech-Industrie sicherzustellen. Dabei gibt es bisher keine eindeutigen Zahlen, die belegen, dass der Tiefseebergbau wirklich wirtschaftlich betrieben werden könnte und dass beispielsweise die Massivsulfidvorkommen wirklich groß genug sind, um einen signifikanten Beitrag zur Versorgung mit Kupfer leisten zu können.“
„Auch das Argument, mit Tiefseebergbau könne man menschenunwürdigen und umweltschädlichen Landbergbau in Ländern wie beispielsweise der Demokratischen Republik Kongo verhindern, wird oft nicht weitergeführt mit der Diskussion, was solche vom Landbergbau abhängigen Länder denn als Alternativen für das Einkommen vieler Menschen hätten. Auch auf der Seite des Umweltschutzes wird oft stark mit Worst-Case-Szenarien von riesigen toten Flächen am Meeresboden und einem negativen Einfluss auf den Kohlenstoffkreislauf und das Klima argumentiert. Allerdings können modernste Abbautechnologien viele negative Umweltfolgen vermeiden oder zumindest minimieren. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass vor allem der Landbergbau mit großflächigem Abholzen von tropischem Regenwald, um an die Nickel-, Kupfer- und Kobalt-reichen Lateritböden (typischer, stark verwitterter Bodentyp der Tropen, dessen auffällige rote Färbung aus der Anreicherung von Eisen- und Aluminiumoxiden resultiert; Anm. d. Red.) zu kommen, zum Fortschreiten des Klimawandels und Verlust von Biodiversität beiträgt.“
„Insgesamt wäre eine weniger emotional geführte, einseitige Argumentation und stattdessen eine sachorientierte, gesamtheitliche Betrachtung der verschiedenen Aspekte und möglichen Chancen und Risiken von Tiefseebergbau wünschenswert, um für Politik und Wirtschaft eine zielgerichtete Orientierung zu bieten.“
Leiterin der ERC-Forschungsgruppe „Benthische ökologische Biogeochemie“, Universität Bremen, und Marum – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Bremen
Wissensstand zu Tiefseeökosystemen und Umweltauswirkungen
„Innerhalb der vergangenen Jahre wurde deutlich, dass die Sedimentbecken in 4000 bis 5000 Metern Wassertiefe, die sogenannten abyssal plains, zeitlich und räumlich sehr heterogen sind. Zum Beispiel können im Sediment lebende Würmer, einige Krebse und Muscheln (Makrobenthos) in der Anzahl der Tiere pro Quadratmeter innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte schwanken. Dies bedeutet, dass es schwierig ist, die Auswirkungen von Tiefseebergbau von den natürlichen Umweltschwankungen zu unterscheiden.“
„Dennoch haben die Ergebnisse eines ersten Tiefseebergbautests im Jahr 2022 gezeigt, dass innerhalb des Gebiets, wo Manganknollen abgebaut worden sind, fast 40 Prozent der Tiere aus der Makrobenthos-Gruppe zwei Monate nach dem Test verschwunden waren. Wie lange es dauert, bis sich die Tiere in der gleichen Anzahl und Artzusammensetzung wieder in dem Bereich ansiedeln, kann nur geschätzt werden und liegt mindestens im Bereich von Hunderten bis Tausenden von Jahren.“
Wichtige Aspekte für die Berichterstattung
„Im Jahr 2024 gab es einen regelrechten Hype um das Thema ‚dunkler Sauerstoff‘ und um die Frage, ob Manganknollen in der Tiefsee Sauerstoff produzieren könnten. Hierbei wurde häufig nicht erwähnt, dass die besagte Studie zunächst nur über einen nicht zu erklärenden Sauerstoffanstieg in Kammern in der Tiefsee berichtete. In der Publikation wurde dann spekuliert, ob möglicherweise Manganknollen diesen Sauerstoff produzieren könnten. Aber dies ist nur eine Hypothese, die getestet werden muss, und der genaue Prozess ist noch nicht verstanden. Diesen Herbst wird der Erstautor der Studie weitere Messungen machen, um besser einzugrenzen, was genau in der Tiefsee mit dem Sauerstoff passiert und wie der Sauerstoff produziert werden könnte.“
Associate Professorin am Australian National Centre for Ocean Resources and Security (ANCORS), University of Wollongong, Australien
Nationale Alleingänge
„Die Bedenken hinsichtlich eines einseitigen Abbaus von Bodenschätzen auf dem internationalen Meeresboden nach US-Recht sollten im historischen Kontext betrachtet werden. Anfang der 1980er Jahre begannen mehrere Industriestaaten, darunter auch Deutschland, eine Alternative zu dem im Rahmen des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (UNCLOS) ausgehandelten multilateralen Regimes für den Meeresbodenbergbau zu schaffen. Im Rahmen dieses sogenannten Reciprocating State Regimes sollten die Staaten die Abbauansprüche der anderen Staaten gegenseitig anerkennen. Dies änderte sich jedoch mit dem Durchführungsabkommen von 1994, das Teil XI des UNCLOS modifizierte und auf die Bedenken der Industrieländer einging. Alle Staaten, die am Reciprocating State Regime teilgenommen hatten – mit Ausnahme der USA –, ratifizierten schließlich das UNCLOS und traten der Internationalen Meeresbodenbehörde bei.“
„Die Besorgnis über den einseitigen Abbau der USA auf dem internationalen Meeresboden erfordert, dass die ISA-Mitgliedstaaten innerstaatliche Gesetze erlassen, um sicherzustellen, dass ihre Staatsangehörigen – sowohl Einzelpersonen als auch Unternehmen – einen solchen einseitigen Bergbau weder direkt noch indirekt unterstützen (siehe Artikel 137 des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen, UNCLOS). Angesichts der Bedeutung des Rechtsgrundsatzes, wonach der internationale Meeresboden das gemeinsame Erbe der Menschheit ist, sollten die Staaten im Idealfall entschlossen vorgehen und jegliche Versuche verurteilen, das multilaterale System für den Abbau von Ressourcen auf dem Meeresboden zu umgehen.“
Wissenschaftler im Forschungsbereich Dynamik des Ozeanbodens, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR)
Wissensstand zu Tiefseeökosystemen und Umweltauswirkungen
„Aus meiner geologischen Sicht bestehen die größten Lücken weiterhin beim Verständnis der regionalen Prozesse und der größeren räumlichen Zusammenhänge von beispielsweise Nahrungsnetzen. Die bisherigen Untersuchungen erscheinen hier oft lokal begrenzt. Die Auswirkungen eines möglichen Ausbaus von Manganknollen sind, unter anderem durch die in den letzten Jahren von den Kontraktoren durchgeführten Tests, bereits gut verstanden. Bei den derzeit getesteten Abbautechnologien werden die Habitate in den Abbaugebieten permanent geschädigt. Mit dem Verlust des Substrates sowie dem Eintrag von Sedimentwolken durch den Abbau am Meeresboden, aber auch durch das Wiedereinleiten von Sediment nach der Trennung an Bord eines Abbauschiffes werden die Ökosysteme langfristig verändert.“
„Der Prozess der Produktion von ‚dunklem Sauerstoff‘ ist bisher nicht vollständig verstanden. Es sind hier weitere Untersuchungen notwendig, um den Prozess zu verifizieren und seine Bedeutung einschätzen zu können.“
Rohstoffpotenzial
„Die geologischen Ressourcen von Manganknollen sind zunächst einmal als sehr groß einzuschätzen. Die allein für die Clarion-Clipperton-Zone prognostizierten Tonnagen könnten trotz hoher Unsicherheiten einen Teil des steigenden globalen Rohstoffbedarfs, insbesondere für Kobalt und Nickel, abdecken. Die dabei anfallenden Mengen an Kupfer sind für die globale Versorgung vernachlässigbar gering, während es auf der anderen Seite zur Überproduktion von Mangan auf dem Weltmarkt kommen könnte.“
„Die derzeitigen Entwicklungen in der Batterietechnik und die mögliche Abkehr von kobalthaltigen Lithiumbatterien könnten die prognostizierten Bedarfssteigerungen beim Kobalt verhindern. Insgesamt könnte der Tiefseebergbau vor dem Hintergrund einer steigenden Weltbevölkerung und dem weiter zunehmenden Bedarf an Rohstoffen, der nicht durch Recycling abgedeckt werden kann, einen Beitrag zur globalen Versorgungssicherheit mit Rohstoffen leisten.“
Nationale Alleingänge
„Die derzeitigen Bestrebungen der USA, außerhalb der ISA Fakten zu schaffen und das Recht des Stärkeren durchzusetzen, sind abzulehnen. Die internationalen Bestrebungen, Fragen zum ‚Erbe der Menschheit‘ unter dem Dach von UNCLOS (United Nations Convention of the Law of the Sea) regeln zu wollen, sind sehr wichtig. Eine entschiedene Ablehnung der geplanten US-amerikanischen Vorgehensweise durch die ISA ist das richtige Zeichen.“
Wichtige Aspekte für die Berichterstattung
„In den Medien findet sich oft das Argument, dass der Tiefseebergbau den Landbergbau ersetzen kann. Dies ist meines Erachtens nicht der Fall, da aufgrund der steigenden Weltbevölkerung und dem Wechsel zu grünen Energiesystemen über Jahrzehnte hinweg deutlich mehr Rohstoffe als bisher benötigt werden. Der Tiefseebergbau wird also zusätzlich zum Landbergbau erfolgen.“
„Die benötigten Ressourcen werden auf lange Sicht nicht durch Recyclen zu gewinnen sein. Primärer Bergbau wird daher auf Jahrzehnte von Bedeutung sein, auch wenn die Bestrebungen zu einem effizienteren Umgang sehr zu begrüßen sind.“
„Hierzu fehlt mir bei vielen Diskussionen in der Gesellschaft das Bewusstsein, dass unsere Art zu leben Auswirkungen auf unseren Planeten hat. Hier muss gesamtgesellschaftlich mehr diskutiert werden, welche Auswirkungen wir bereit sind zu akzeptieren und wo – Stichwort: ‚not in my own backyard‘.“
„Ein Interessenkonflikt besteht nicht.“
„Interessenkonflikte bestehen auf meiner Seite nicht.“
„Ich bin Beraterin der deutschen Delegation zur Internationalen Meeresbodenbehörde.“
Alle anderen: Keine Angaben erhalten
Im Fokus des Tiefseebergbaus stehen insbesondere polymetallische Knollen – häufig auch als Manganknollen bezeichnet –, die in großen Mengen am Boden bestimmter Tiefseegebiete lagern, meist in mehreren Kilometern Tiefe. Eine besonders rohstoffreiche Region ist die Clarion-Clipperton-Zone im Zentralpazifik. Die Knollen enthalten neben Mangan auch Metalle wie Kupfer, Nickel und Kobalt – wichtige Rohstoffe für Batterien. Die ISA nahm 1994 auf Grundlage des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (UNCLOS) ihre Arbeit auf. Ihre zentrale Aufgabe besteht in der Regulierung und Verwaltung mineralischer Ressourcen auf dem Meeresboden außerhalb nationaler Hoheitsgebiete – einem Gebiet, das als „gemeinsames Erbe der Menschheit“ definiert ist. Der Vollversammlung der ISA gehören 169 Staaten sowie die Europäische Union an.
Weiterführende Recherchequellen
Science Media Center (2023): Tiefseebergbau: Rohstoffquelle für die Energiewende oder unberechenbares Risiko? Press Briefing. Stand: 09.03.2023.
Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden
[I] Science Media Center (2025): Weiter kein „Mining Code“ für den Tiefseebergbau – Rückschritt oder Chance für den Ozeanschutz? Statements. Stand: 25.07.2025.
[II] Earth Negotiations Bulletin (22.03.2026): Summary of the Thirty-first Annual Session of the International Seabed Authority (First Part): 9 – 19.03.2026.
[III] The White House (24.04.2025): Unleashing America's offshore critical minerals and resources. Offizielle Webseite des Weißen Hauses.
Dazu auch: Science Media Center (2025): Trump will Tiefseebergbau zeitnah erlauben. Statements. Stand: 29.04.2025.
[IV] Jones DOB et al. (2025): Long-term impact and biological recovery in a deep-sea mining track. Nature. DOI: 10.1038/s41586-025-08921-3.
[V] Stewart ECD et al. (2025): Impacts of an industrial deep-sea mining trial on macrofaunal biodiversity. Nature Ecology & Evolution. DOI: 10.1038/s41559-025-02911-4.
[VI] Glover AG et al. (2026): The environmental impacts of deep-sea mining. Current Biology. DOI: 10.1016/j.cub.2026.03.014.
[VII] Sweetman AK et al. (2024): Evidence of dark oxygen production at the abyssal seafloor. Nature Geoscience. DOI: 10.1038/s41561-024-01480-8.
Hinweis der Redaktion: Die Veröffentlichung wurde am 08.04.2026 mit einer Editor’s Note versehen, die derzeit überprüft wird.
Andreas Manhart
Senior Researcher im Forschungsbereich Produkte & Stoffströme, Öko-Institut e.V., Freiburg
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ein Interessenkonflikt besteht nicht.“
Dr. Matthias Haeckel
Wissenschaftler im Forschungsbereich Marine Biogeochemie, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR), und Koordinator des Europäischen Forschungsprojekts Mining Impact
Prof. Dr. Andrea Koschinsky
Professorin für Geowissenschaften, Abteilung für Physik und Erdwissenschaft, Constructor University Bremen, und Marum – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Bremen
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Interessenkonflikte bestehen auf meiner Seite nicht.“
Dr. Tanja Stratmann
Leiterin der ERC-Forschungsgruppe „Benthische ökologische Biogeochemie“, Universität Bremen, und Marum – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Bremen
Prof. Aline Jaeckel, Ph.D.
Associate Professorin am Australian National Centre for Ocean Resources and Security (ANCORS), University of Wollongong, Australien
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich bin Beraterin der deutschen Delegation zur Internationalen Meeresbodenbehörde.“
Dr. Sven Petersen
Wissenschaftler im Forschungsbereich Dynamik des Ozeanbodens, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR)