Geschlechterrollen und Strukturen schaden Männergesundheit
Studien diskutieren Männlichkeitsnormen als Ursache für schlechtere Männergesundheit und fordern, sie gesundheitspolitisch stärker zu beachten
Lebenserwartung von Männern ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich niedriger als jene von Frauen
Forschende sehen einige Limitationen der Studien, begrüßen den Fokus auf Männergesundheit und fordern, soziale Aspekte stärker in Überlegungen zu Gesundheit zu integrieren
Männer sterben weltweit im Durchschnitt deutlich früher als Frauen – und dafür sind problematische Männlichkeitsnormen mitverantwortlich. Das schreibt ein internationales Team von Forschenden in drei zusammenhängenden Publikationen, die im Fachblatt „The Lancet“ erschienen sind (siehe Primärquellen) – pünktlich zum Start des Monats für Männergesundheit. Um die Gesundheit von Männern zu verbessern, fordern sie daher, problematische Männlichkeitsnormen aktiv in die Gesundheitskommunikation und -politik einzubeziehen.
In einer ersten Publikation diskutieren die Forschenden zunächst den theoretischen Rahmen, mit dem sie Männergesundheit analysieren. Statt nur individuelles Gesundheitsverhalten und biologische Ursachen zu betrachten, sollten ihnen zufolge auch strukturelle gesellschaftliche Bedingungen und intersektionale Verschränkungen analysiert werden. Erst so ließe sich individuelles Gesundheitsverhalten verstehen. Anhand von Beispielen diskutieren sie, wie Männlichkeitsnormen gesundheitliche Probleme mitverursachen könnten – laut einem Beispiel etwa, weil sie dazu führten, dass Arbeitslosigkeit bei Männern in der „Versorgerrolle“ stärkeren Stress auslöse.
Assistenzprofessor, Institut für Diversität in der Medizin, Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Einordnung in den Forschungsstand
„Es ist bereits bekannt, dass die Aufrechterhaltung einer privilegierten Position sowohl mit Vor- als auch mit Nachteilen verbunden ist, also auch ‚Kosten‘ mit sich bringt. Neben den genannten Variablen, dem ‚able white male body’ und Faktoren wie ‚race‘, Ethnie, Gender, ‚sex‘, Klasse oder Behinderungen, sind aus meiner Sicht auch das Alter sowie die Region, in der die Forschung durchgeführt wird, wichtige Faktoren.“
„Es ist ebenfalls bekannt, dass männliche Säugetiere, einschließlich des Menschen, im Durchschnitt eine niedrigere Lebenserwartung haben als weibliche. Gleichzeitig beinhalten bestimmte Männlichkeitsideologien Verhaltensweisen, die gesundheitsschädlich sein können. Daher kann angenommen werden, dass sowohl biologische als auch psychosoziale Aspekte von Geschlecht eine Rolle spielen.“
„Ich würde weniger argumentieren, dass Forschung an Männern grundsätzlich ‚undertheorised, neglected, and inadequately funded’ war. Vielmehr wurde der spezifische Bedarf an einer Männergesundheitsforschung lange nicht als solcher erkannt. Die historische Ausgrenzung von Frauen aus der medizinischen Forschung hatte zur Folge, dass Männer eines bestimmten Alters, aus bestimmten Regionen sowie mit bestimmten Körperformen und körperlichen Fähigkeiten häufig als vermeintlich allgemeingültiger Referenzpunkt betrachtet wurden. Dadurch fehlte vielfach ein systematischer vergleichender Ansatz zwischen Geschlechtern, sodass geschlechtsspezifische Unterschiede und die ihnen zugrunde liegenden biologischen, psychologischen und sozialen Mechanismen nicht ausreichend untersucht wurden.“
Männer- und Frauengesundheit zusammen betrachten
„Aus meiner Sicht ist es daher wichtig zu betonen, dass Männergesundheit nicht losgelöst von Frauengesundheit betrachtet werden kann. Ich würde vielmehr argumentieren, dass geschlechtersensible Medizin – Gendermedizin – als Querschnittsperspektive berücksichtigt werden sollte. Dabei sollte es nicht um eine rein zweigeschlechtliche Trennung in ‚Männer’ und ‚Frauen’ gehen, sondern um Personen und geschlechtsassoziierte Merkmale, die bei einzelnen Menschen in unterschiedlichen Graden und Ausprägungen vorhanden sein können.“
„Dabei sollten auch gesellschaftliche Vorteile und Kosten bestimmter psychosozialer geschlechtlicher Ausprägungen sowie soziale Gruppendynamiken berücksichtigt werden, etwa Bevorzugung und Benachteiligung, Inklusion und Exklusion, Zugehörigkeit sowie die geschlechtsspezifische Verteilung und Teilung von Arbeit und Verantwortung.“
„Insgesamt sind die Studienergebnisse nicht überraschend. Nach meinem Eindruck erfolgt die Betrachtung jedoch etwas einseitig mit einer starken Betonung auf Männergesundheit. Zielführender wäre aus meiner Sicht eine geschlechtersensible Gendermedizin mit stärker vergleichenden und erklärungsorientierten Ansätzen. Im Mittelpunkt sollten geschlechterbezogene biologische, soziale und psychologische Aspekte stehen und weniger die Frage, ob Männer- oder Frauengesundheit jeweils mehr oder weniger Aufmerksamkeit benötigt.“
„Der im Artikel betonte Anspruch, keine Zero-Sum-Perspektive zwischen Männer- und Frauengesundheit zu verfolgen, ist aus meiner Sicht wichtig. Gerade eine stärker vergleichende und geschlechtersensible Perspektive würde diesen Anspruch noch deutlicher unterstützen. Fortschritte in der Männergesundheit können auch Frauen zugutekommen, genauso wie Fortschritte in der Frauengesundheit Männern zugutekommen können.“
„Einerseits können geschlechterbezogene biologische Unterschiede hinsichtlich ihrer Wirkungen und zugrunde liegenden Mechanismen besser verstanden und berücksichtigt werden. Ebenso wichtig ist es jedoch, Gemeinsamkeiten wissenschaftlich fundiert zu untersuchen und zu dokumentieren. In vielen Bereichen überwiegen Gemeinsamkeiten. Sie wurden in der Vergangenheit jedoch nicht immer unter vergleichbaren und methodisch gleich strengen Bedingungen empirisch überprüft. Forschung wurde häufig überwiegend oder ausschließlich an Männern durchgeführt, und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen wurden anschließend auch auf Frauen übertragen. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass tatsächlich keine relevanten Unterschiede bestehen oder dass die angenommenen Gemeinsamkeiten in gleichem Ausmaß wissenschaftlich abgesichert sind. Beobachtungen unter Alltagsbedingungen können Hinweise darauf geben, dass Ergebnisse zwischen den Geschlechtern vergleichbar sind. Sie ersetzen jedoch nicht kontrollierte und medizinisch eng begleitete Untersuchungen, wie sie etwa in klinischen Studien durchgeführt werden. Insbesondere wenn Aussagen zu Wirksamkeit, Sicherheit, Dosierung oder möglichen geschlechterbezogenen Unterschieden getroffen werden sollen, sollten Gemeinsamkeiten ebenso systematisch und methodisch sorgfältig geprüft werden wie Unterschiede.“
„Entscheidend ist daher, Forschungsmethoden anzuwenden, mit denen sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten systematisch untersucht werden können. Beide sollten mit vergleichbarer methodischer Sorgfalt, ausreichender statistischer Aussagekraft und einem vergleichbaren Detaillierungsgrad geprüft und berichtet werden. Geschlechtersensible Forschung sollte somit weder primär nach Unterschieden suchen noch von Gleichheit ausgehen, sondern beides empirisch überprüfen.“
„Andererseits können durch eine solche Perspektive auch Privilegierungen und die damit verbundenen möglichen Kosten ebenso wie Benachteiligungen und Ausgrenzung unter psychosozialen Geschlechteraspekten differenzierter untersucht werden. Dabei geht es nicht nur darum, Unterschiede zwischen Männern und Frauen festzustellen, sondern auch darum zu verstehen, wie geschlechterbezogene soziale Positionierungen, Normen, Erwartungen und Ressourcen Gesundheit beeinflussen. Eine solche Perspektive sollte aus meiner Sicht zugleich das Ziel einer stärkeren Gleichstellung der Geschlechter verfolgen.“
Psychologische Aspekte fehlen in Lancet-Studien
„Aus meiner Sicht fehlen in der Studiendefinition von Männergesundheit, wonach ‘biological factors, social positioning, and the distribution of power and resources shape patterns of health, illness, and mortality among men’, zudem psychologische Aspekte. Dazu gehören beispielsweise Motivation und Emotionen wie Freude, Wohlbefinden und Zufriedenheit, aber auch Ängste, Vorurteile und Stereotype sowie soziale Zugehörigkeit, Anerkennung und Gruppendynamiken. Gerade diese Faktoren können wesentlich dazu beitragen, gesundheitsbezogenes Verhalten, Risiken und Ressourcen zu erklären.“
Zur intersektionalen Perspektive der Studien
„Die Studie fokussiert auf ‚sex differences’, also auf biologische Aspekte von Geschlecht, kombiniert diesen Ansatz jedoch mit einer intersektionalen Perspektive. Gleichzeitig thematisiert sie Männlichkeit und Privilegien sowie Verhaltensweisen, die mit bestimmten Vorstellungen und Praktiken von Männlichkeit verbunden sind, die Gesundheit gefährden können, aber potenziell vermeidbar wären. In diesem Zusammenhang spricht man von ‚vermeidbaren Risikofaktoren’.“
„Diese vermeidbaren Risikofaktoren haben jedoch nicht unmittelbar mit biologischen Aspekten von Geschlecht zu tun. Psychosoziale Aspekte von Geschlecht werden nicht durch das biologische Geschlecht oder durch biologische Geschlechtsmerkmale bestimmt beziehungsweise determiniert. Problematisch wäre daher eine Argumentation, die psychosoziale Dynamiken unmittelbar aus vermeintlich biologischen Eigenschaften ableitet. Ein solcher Ansatz würde in Richtung eines biologischen Determinismus gehen.“
„Auch eine intersektionale Perspektive bezieht sich nicht auf biologische Unterschiede, sondern auf das Zusammenspiel und die spezifischen Konstellationen sozialer Positionierungen, Privilegierungen und Benachteiligungen anhand mehrerer Merkmale. Diese können sich gegenseitig beeinflussen und in ihrer Kombination andere soziale Erfahrungen und gesundheitliche Folgen hervorbringen als jedes Merkmal für sich allein. Beispielsweise können sich psychosoziale Aspekte von Geschlecht, also Gender, etwa Geschlechterideologien, und sexuelle Orientierung in ihrer Wirkung auf gesellschaftliche Positionierung, Privilegierung oder Benachteiligung gegenseitig beeinflussen. Ein heterosexueller Mann kann dadurch gesellschaftlich anders positioniert und privilegiert oder benachteiligt sein als eine heterosexuelle Frau oder eine heterosexuelle Person eines anderen Geschlechts, aber auch anders als ein homosexueller Mann, eine homosexuelle Frau oder eine homosexuelle Person eines anderen Geschlechts. Entsprechendes gilt für Personen mit anderen sexuellen Orientierungen. Gerade diese unterschiedlichen Kombinationen von Geschlecht, sexueller Orientierung und weiteren sozialen Merkmalen stehen im Mittelpunkt einer intersektionalen Betrachtung.“
Biologische und soziale Faktoren klarer trennen
„Vor diesem Hintergrund erscheint mir die Verbindung von intersektionalen Ungleichheiten und biologischer Vulnerabilität erklärungsbedürftig (Etwa im Satz ‚stark intersectional inequalities in men’s health, shaped by individual-level, community-level, institutional-level, and policy-level determinants that affect chronic stressors and biological vulnerability’. Ausgrenzung, Benachteiligung und Privilegierung sind zunächst soziale Prozesse und keine biologischen Eigenschaften. Sie können allerdings über chronischen Stress, Lebensbedingungen oder den Zugang zu Ressourcen biologische Folgen haben. Wichtig wäre deshalb, klar zwischen biologischen Geschlechtsmerkmalen einerseits und den biologischen Folgen psychosozialer und gesellschaftlicher Bedingungen andererseits zu unterscheiden.“
„Auch die Darstellung der Studien, dass Männer stärker von partnerschaftlichen Beziehungen profitieren würden als Frauen, sollte aus meiner Sicht stärker kontextualisiert werden. Eine mögliche Erklärung für diesen Unterschied liegt jedoch gerade in den gesellschaftlichen Bedingungen heterosexueller Beziehungen. Rollenverteilung, relativer sozialer Status, die Verteilung von Sorge- und Hausarbeit sowie der Zugang zu anderen Ressourcen begünstigen im Durchschnitt häufig Männer. Männer könnten deshalb stärker von heterosexuellen Partnerschaften profitieren, weil sie innerhalb dieser Beziehungen im Durchschnitt über eine günstigere soziale Position und mehr Ressourcen verfügen. Der Unterschied wäre dann nicht lediglich Ausdruck unspezifischer ‚complexities and nuances of the influence of gender on health’, sondern könnte zumindest teilweise durch konkrete geschlechtsspezifische Macht-, Rollen- und Ressourcenverteilungen erklärt werden.“
Einseitige Darstellung von Geschlechterunterschieden bei Herz-Kreislauf- und Krebserkankungen
„Schließlich erscheint mir auch die Darstellung der Todesursachen beziehungsweise der DALYs etwas missverständlich. Hervorgehoben wird beispielsweise, dass kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebserkrankungen wesentlich zu den Unterschieden zwischen Männern und Frauen beitragen.“
„Die Darstellung der Todesfälle und DALYs lenkt aus meiner Sicht etwas davon ab, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen auch bei Frauen zu den häufigsten Ursachen von Krankheit und Tod gehören. Wenn hervorgehoben wird, dass bei Männern in absoluten Zahlen mehr Erkrankungen diagnostiziert beziehungsweise mehr Todesfälle registriert werden, sollte zudem berücksichtigt werden, dass solche Zahlen auch vom Zugang zur Gesundheitsversorgung und von der Inanspruchnahme medizinischer Einrichtungen abhängen. Ebenso spielt eine Rolle, ob eine Erkrankung dort erkannt, korrekt diagnostiziert und entsprechend dokumentiert wird. Die Zahl diagnostizierter oder registrierter Fälle bildet daher nicht ausschließlich die tatsächliche Häufigkeit einer Erkrankung ab, sondern wird auch durch geschlechterspezifisches Wissen über die Erkrankung und ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen, durch Vorannahmen und Bias sowie durch Strukturen und Prozesse der Gesundheitsversorgung beeinflusst. Jedenfalls sollte betont werden, dass diese Erkrankungen keineswegs primär ‚Männerkrankheiten’ sind.“
„Gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen ist es wichtig, sowohl biologische Geschlechtsaspekte – etwa Unterschiede in Testosteron- und Östrogenkonzentrationen – als auch Risikoverhalten und andere psychosoziale Aspekte von Geschlecht zu berücksichtigen. Diese Faktoren können bei der Entstehung der Erkrankungen und bei ihren tödlichen Folgen eine Rolle spielen und sind deshalb auch für Prävention, Behandlung und Rehabilitation relevant.“
„Die starke Betonung darauf, dass bei Männern zahlenmäßig mehr Erkrankungen beziehungsweise Todesfälle erfasst werden, kann daher ein etwas einseitiges Bild erzeugen, wenn nicht gleichzeitig dargestellt wird, dass dieselben Erkrankungen auch für Frauen eine zentrale gesundheitliche Bedeutung haben.“
Forschungsstand zu Männlichkeitsnormen als Ursache
„In vielen Studien werden keine kausalen Aussagen getroffen, sondern zunächst Zusammenhänge beschrieben. Männlichkeitsideologien an sich sind auch nicht grundsätzlich problematisch oder gesundheitsschädlich. Entscheidend sind vielmehr die jeweiligen Umstände und die Art und Weise, wie ein bestimmtes Ideal ausgeführt wird. Ein Verhalten, das in einem bestimmten sozialen Kontext Anerkennung oder Vorteile mit sich bringt, kann in einem anderen Kontext mit Risiken oder gesundheitlichen Nachteilen verbunden sein.“
„Hinzu kommt, dass verschiedene Männlichkeitsideologien teilweise nicht widerspruchsfrei miteinander vereinbar sind. So kann beispielsweise einerseits ein gesunder, leistungsfähiger oder trainierter Körper als Ideal gelten, während andererseits die aktive Sorge um den eigenen Körper oder die eigene Gesundheit als weniger vereinbar mit bestimmten Vorstellungen von Männlichkeit angesehen wird. Auch ein ‚Mehr ist besser’-Prinzip kann problematisch werden: Wenn Eigenschaften wie Stärke, Leistungsfähigkeit, Risikobereitschaft, Durchsetzungsfähigkeit oder körperliches Training möglichst stark ausgeprägt sein sollen, kann die unrealistische oder übermäßige Verfolgung solcher Ideale selbst gesundheitsschädlich werden. Problematisch ist dann nicht notwendigerweise das Ideal an sich, sondern seine rigide oder übersteigerte Umsetzung.“
„Dabei ist wichtig festzuhalten, dass Männlichkeitsideale grundsätzlich von allen Menschen ausgeführt werden können, also nicht nur von Personen, die sich als Männer identifizieren. Die Ausführung bestimmter männlich konnotierter Verhaltensweisen kann je nach Person und sozialem Kontext mit unterschiedlichen Vor- oder Nachteilen verbunden sein. Personen, die gesellschaftlich nicht als Männer wahrgenommen werden, können beispielsweise trotz der Ausführung einer dominanten Männlichkeitsnorm stärkere soziale Nachteile oder Ablehnung erfahren. So kann etwa ein dominanter oder stark durchsetzungsorientierter Führungsstil bei einer Frau negativer bewertet werden als derselbe Führungsstil bei einem Mann.“
„Wichtig ist zugleich, dass bestimmte Männlichkeitsideologien auch in einer Weise ausgeführt werden können, die die Sicherheit, körperliche Unversehrtheit, Autonomie oder Rechte anderer Personen gefährdet. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn Ideale wie Aggressivität, Durchsetzungsfähigkeit oder Dominanz durch interpersonelle Gewalt, Einschüchterung oder die Einschränkung der Autonomie anderer Personen umgesetzt werden. Problematisch ist dann nicht nur die mögliche gesundheitliche Gefährdung der handelnden Person selbst, sondern auch die Gefährdung, Einschränkung und Benachteiligung anderer.“
„Problematisch kann insbesondere das situationsunabhängige Festhalten an solchen Idealen sein. Das ist etwa dann der Fall, wenn bestimmte Verhaltensweisen auch dort ausgeführt werden, wo sie keinen Vorteil bringen, nicht erforderlich sind oder die eigene Gesundheit beziehungsweise soziale Position sogar gefährden können. Nicht das männlich konnotierte Verhalten an sich ist damit zwangsläufig problematisch, sondern dessen rigide und vom jeweiligen Kontext unabhängige Ausführung.“
„Ein weiterer Risikofaktor kann entstehen, wenn eine Person ein Verhalten zeigt, das sie selbst eigentlich nicht zeigen möchte, um einer bestimmten Geschlechternorm oder einem bestimmten Ideal zu entsprechen und dadurch Anerkennung zu erhalten oder soziale Nachteile zu vermeiden. Der Druck, einem Ideal entsprechen zu müssen, kann somit selbst gesundheitlich relevant werden.“
Nicht Normen an sich, sondern rigider Zwang und Druck schädlich
„Im Kern sind daher nicht Männlichkeits- oder Weiblichkeitsideale an sich gesundheitsschädlich. Problematisch ist vielmehr, dass Personen aufgrund ihres zugeschriebenen Geschlechts oder ihrer Geschlechtsidentität bestimmte Verhaltensweisen und Ideale zugeschrieben werden und nur bestimmte Formen von Männlichkeit, Weiblichkeit oder geschlechtlichem Ausdruck als akzeptabel gelten. Gleichzeitig kann die Einhaltung oder Ausführung bestimmter Ideale mit Anerkennung, Belohnung und Privilegierung verbunden sein, während Abweichungen davon mit Ablehnung oder Benachteiligung einhergehen können.“
„Es geht deshalb aus meiner Sicht nicht darum, ‚Männlichkeit’ oder den in den Medien häufig verwendeten Begriff ‚toxische Männlichkeit’ grundsätzlich zu kritisieren oder abzuschaffen. Vielmehr geht es darum, ungerechtfertigte Bevorzugungen bestimmter Personengruppen und Benachteiligungen anderer abzubauen, die auf zugeschriebenem Geschlecht, Geschlechtsidentität oder darauf beruhen können, welche Formen von Männlichkeit, Weiblichkeit oder geschlechtlichem Ausdruck eine Person lebt oder ausführt. Ebenso sollte der gesellschaftliche Druck reduziert werden, bestimmte geschlechtlich konnotierte Verhaltensweisen zu zeigen oder gesundheitliche Risiken einzugehen, um Anerkennung, soziale Vorteile oder Privilegierung zu erhalten beziehungsweise Benachteiligung zu vermeiden. Eine stärkere gesellschaftliche Gleichstellung der Geschlechter könnte dazu beitragen, solche Zwänge und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken zu verringern.“
Ergebnisse für Deutschland, Österreich und die Schweiz
„Die Aussagen und Schlussfolgerungen lassen sich grundsätzlich auch auf den DACH-Raum übertragen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass hierzu für den DACH-Raum weniger Forschung vorliegt. Zudem sind Geschlechterideologien vom jeweiligen gesellschaftlichen und regionalen Kontext abhängig und unterliegen einem zeitlichen Wandel. Aktuelle Trends und extreme Formen der Ausführung bestimmter Männlichkeitsideologien können hierfür ein Beispiel sein. Dazu zählt etwa die im dritten Artikel angesprochene ‚Manosphere’, die einen solchen zeitlichen Wandel widerspiegelt und deren Reichweite und gesellschaftliche Bedeutung je nach Land unterschiedlich ausgeprägt sein kann.“
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Wiesbaden
Zur Methodik
„Generell ist jeder Versuch, das Thema Männergesundheit auf die Tagesordnung zu bringen und besser zu erschließen, sehr zu begrüßen. Die drei neuen Studien sind ein willkommener Beitrag in diese Richtung. Der Fokus der Studien liegt hierbei vor allem auf gesellschaftlichen Bedingungen und Geschlechternormen. Das theoretische Framework der Studien erscheint mir – bedingt durch diesen Fokus – allerdings etwas zu einseitig. Biologische Einflussfaktoren bleiben dabei erstaunlicherweise überwiegend unberücksichtigt.“
„Die international vielbeachtete Klosterstudie von Marc Luy wurde hier beispielsweise nicht berücksichtigt . Sie zeigt, dass sich der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen unter vergleichbaren Lebensbedingungen deutlich verringert, aber nicht komplett verschwindet. Diese Studie legt nahe, dass circa 20 bis 25 Prozent des Unterschieds in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen biologisch bedingt sind, während der restliche Anteil auf Unterschiede bei Gesundheitsverhalten und Lebensbedingungen zurückzuführen ist. Auch andere ältere und neuere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei Gesundheit und Lebenserwartung sowohl auf biologische als auch nicht-biologische Faktoren zurückzuführen sind, wenngleich die Anteile variieren. Soziale und verhaltensbezogene Faktoren spielen also zweifelsfrei eine wichtige Rolle. Dennoch sind diese Faktoren nicht unabhängig von biologischen Einflüssen zu betrachten: Hormone, genetische Dispositionen und neurobiologische Prozesse können Verhalten und Gesundheit mitbeeinflussen und stehen in Wechselwirkung mit sozialen und kulturellen Faktoren.“
„Dass diese biologischen Wechselwirkungen in den hier diskutierten Studien nicht systematisch berücksichtigt werden, halte ich für eine relevante Einschränkung. Immerhin wird in der zweiten Studie ein Zusammenhang zwischen erhöhtem Testosteronspiegel, Risikobereitschaft und ungünstigem Gesundheitsverhalten angesprochen. Solche Zusammenhänge verdienen eine tiefergehende, differenzierte Betrachtung, auch wenn die empirische Evidenz zu einzelnen Verhaltensweisen nicht einheitlich ist.“
„Während die zweite Studie empirisch orientiert ist und auf soliden gängigen Methoden basiert, versucht die dritte auf Basis des – etwas einseitig – ausgearbeiteten Forschungsstands und der empirischen Basis der zweiten Studie politische Handlungsempfehlungen abzuleiten, welche nach meiner Einschätzung überwiegend plausibel, aber zum Teil etwas zu normativ und spekulativ und zu wenig durch klare empirische Befunde gestützt sind.“
Forschungsstand zu Männlichkeitsnormen als Ursache
„Die Forschung zeigt Zusammenhänge zwischen bestimmten Männlichkeitsnormen und gesundheitsschädlichem Verhalten, wobei die kausale Evidenz insgesamt begrenzt ist, da viele Studien auf Querschnittsdaten und Selbstberichten beruhen. Ob gewisse Normen gesundheitsschädliches Verhalten verursachen oder begünstigen, lässt sich aufgrund möglicher Störfaktoren oder umgekehrter Kausalität häufig nicht eindeutig bestimmen. Zudem hängen die Wirkungen von Normen vom sozialen Kontext, ihrer Starrheit und den Konsequenzen ab, die bei Abweichung drohen. Die Befundlage rechtfertigt daher keine pauschale Beurteilung, sondern verlangt eine differenzierte Analyse konkreter Normen und ihrer Wechselwirkungen mit biologischen, individuellen und gesellschaftlichen Faktoren.“
Forschungsstand zur Bedeutung von biologischen Unterschieden
„Dass biologische Faktoren zu den Unterschieden zwischen Männern und Frauen beitragen, ist in der Forschung unumstritten. Nur das Ausmaß wird diskutiert. Bei Vorstellungen zu Geschlechternormen ist die Lage wesentlich komplizierter, weil liberalere Vorstellungen sich vor allem in wohlhabenden, christlich geprägten Industrienationen entwickelt haben. Diese unterscheiden sich nicht nur in sozialen, religiös-kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten von Ländern mit traditionelleren Normen, sondern auch in anderen Aspekten wie Klima, Ernährung, Bewegung, Alkoholkonsum und Rauchverhalten. Da würde es mehr Sinn ergeben, innerhalb von Gesellschaften verschiedene hinsichtlich ihrer Geschlechternormen abweichende Gruppen zu vergleichen. Mehrere Studien haben das versucht, aber die untersuchten Gruppen waren auch in anderen entscheidenden Merkmalen zu unterschiedlich, als dass man den Effekt genau messen könnte.“
Relevanz der Frage nach den Ursachen für Gesundheitsunterschiede
„Die Frage nach den Ursachen für bestehende Nachteile von Männern bei Gesundheit und Lebenserwartung ist selbstverständlich von hoher Relevanz, um erfolgversprechende Interventionen abwägen zu können. Wenn Männer beispielsweise seltener Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, können dafür rigide Selbstständigkeitsideale, schlechte Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem, berufliche Zeitrestriktionen oder andere Gründe verantwortlich sein. Je nach Ursache helfen andere Maßnahmen. Wenn beispielsweise die Angst, als schwach zu gelten, Männer nachweislich davon abhält, Depressionen behandeln zu lassen, können Interventionen, die Hilfesuche mit Selbstverantwortung und Handlungsfähigkeit verbinden, besonders sinnvoll sein.“
„Aber allgemeine Interventionen sind ebenfalls wichtig: Maßnahmen gegen Rauchen, riskanten Alkoholkonsum, gesündere Ernährung, mehr körperliche Bewegung, verspätete Arztbesuche und psychische Belastungen können unmittelbar an gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen ansetzen, ohne diese als Ausdruck problematischer Männlichkeit interpretieren zu müssen. Auch hier ist Forschung über die Ursachen wichtig: In einer Region mag ein hohes Ausmaß vermeidbarer Sterbefälle auf Rauchen zurückzuführen sein, in einer anderen auf gesteigerten Alkoholkonsum. Eine Anti-Rauch-Kampagne wird das Niveau nicht erfolgreich reduzieren können, wenn das tatsächliche Problem der Alkoholkonsum ist.“
Bedeutung sozioökonomischer Faktoren bei Männern
„Gerade bei Männern ist zudem der sozioökonomische Aspekt von besonderer Relevanz. Bei Männern unterscheidet sich das Niveau in Gesundheit und Lebenserwartung je nach sozioökonomischem Stand, also im Hinblick auf Bildung, Einkommen und Berufstätigkeit stärker als bei Frauen. Bei Männern ist der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen sozioökonomischen Gruppen teilweise größer als die Differenz zwischen Männern und Frauen. Gerade in Regionen mit ungünstiger wirtschaftlicher Perspektive und schlechten Beschäftigungs- und Verdienstchancen verzeichnen wir eine vergleichsweise niedrige Lebenserwartung von Männern und eine besonders große Differenz zu Frauen. Die ungünstigen Bedingungen führen bei Männern in stärkerer Weise zu ungesundem Verhalten wie Rauchen, Alkoholmissbrauch, mangelnder Bewegung und ungesunder Ernährung. Signifikante Fortschritte bei der im Grundgesetz angestrebten Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse haben daher das Potenzial, die Lebenserwartung in abgehängten Regionen langfristig merklich zu erhöhen und die Differenz zwischen Männern und Frauen zu reduzieren.“
Bedeutung des gesellschaftlichen Kontextes für die Auswirkungen von Geschlechternormen
„Natürlich ist der jeweilige gesellschaftliche Kontext wichtig. Der Kontext kann mitunter den Ausschlag geben, ob gewisse Geschlechternormen positiv oder negativ auf Gesundheit wirken.“
Auf die Frage, welche Faktoren etwa erklären könnten, dass manche scheinbar traditionellere Länder wie Jordanien einen geringeren Unterschied der Geschlechter in der in DALYs gemessenen Krankheitslast aufweisen:
„Dass etwa Jordanien eine geringere Differenz zwischen Männern und Frauen bei der Lebenserwartung hat, liegt nicht an einer vergleichsweise hohen Männergesundheit. Man muss dazu wissen, dass die Lebenserwartung in Jordanien im Vergleich zu europäischen Ländern deutlich niedriger ist. Der geringe Geschlechterunterschied liegt viel mehr daran, dass die Gesundheit beider Geschlechter durch Faktoren beeinträchtigt wird, denen beide ausgesetzt sind, und vermutlich zusätzlich an besonders ungünstigen Lebensbedingungen für Frauen. Im späten 19. Jahrhundert war die Differenz zwischen Männern und Frauen in Deutschland ähnlich niedrig wie jetzt in Jordanien. Das lag aber insbesondere an der damals hohen Müttersterblichkeit.“
Ergebnisse für Deutschland, Österreich und die Schweiz
„Genau genommen liefert nur die zweite Studie empirische Befunde, während die erste und dritte theoretischer Natur sind. Die Befunde der zweiten Studie sind für mich nicht überraschend, aber natürlich relevant als globaler Überblick. Für den DACH-Raum sind die Befunde weniger relevant, weil regionale Unterschiede, Entwicklungen über die Zeit sowie gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische und kulturelle Bedingungen bei diesem groben Überblick natürlich keine Berücksichtigung finden können.“
„Zu den Faktoren, die im DACH-Raum Männergesundheit beeinträchtigen gehören unter anderem das individuelle Risikoverhalten, Arbeitsbedingungen, die variierende Effizienz von medizinischer Versorgung und Prävention, und soziale Ungleichheit. Körperlich belastende Arbeit, Schichtarbeit, Unfallrisiken und geringe Kontrolle über die Arbeitsbedingungen betreffen viele Männer in Industrie, Bau, Transport und Handwerk. Berufsgruppen, die diesen Risiken nicht ausgesetzt sind, weisen eine deutlich höhere durchschnittliche Lebenserwartung auf.“
„Während die Schweiz zu den Oasen der Langlebigkeit in Europa gehört, liegt die Lebenserwartung in Deutschland bei Männern rund drei Jahre darunter. Selbst im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet ist die Lebenserwartung von Männern auf der deutschen Seite knapp über zwei Jahre niedriger als auf der schweizerischen. Der deutsche Rückstand kommt insbesondere durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab dem 50. Lebensjahr zustande. Bluthochdruck, Rauchen, ungünstige Ernährung, mangelnde Bewegung und Alkoholkonsum tragen zu vermeidbaren Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen bei.“
Gesellschaftliche und politische Implikationen der Studien
„Bislang wurde die Perspektive, Männergesundheit im Zusammenhang mit verbreiteten Geschlechternormen zu betrachten, meines Erachtens nicht ausreichend berücksichtigt. Insofern sind die drei neuen Studien eine relevante und nützliche Ergänzung der wissenschaftlichen Literatur – trotz der genannten Einschränkungen.“
„In der DACH-Region bestehen zahlreiche Angebote zur Vorsorge, Prävention und Gesundheitsförderung. Bestimmte Angebote werden von Männern jedoch seltener in Anspruch genommen als von Frauen. Den Zusammenhang zwischen Männlichkeitsnormen und Gesundheit systematisch zu untersuchen und die Ergebnisse bei der Ausgestaltung gesundheitspolitischer Maßnahmen zu berücksichtigen, halte ich daher für sinnvoll. Ein Ansatzpunkt ist das Bildungssystem: Jungen sollten frühzeitig und unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lebenslagen und Geschlechternormen unterstützt werden, etwa beim Bildungserfolg, beim Umgang mit Belastungen und bei der Bereitschaft, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der schulische Erfolg kann langfristige Chancen auf Beschäftigung, Einkommen und gesellschaftliche Teilhabe beeinflussen.“
„Für Deutschland erscheint mir daneben die Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen besonders wichtig – vor allem in strukturschwachen Regionen. Beschäftigungssicherheit, Einkommen und gute Arbeitsbedingungen können über mehrere Mechanismen zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheiten beitragen. Beide Ansätze ergänzen sich: Strukturelle Verbesserungen können Gesundheitsrisiken verringern, während geschlechtersensible Maßnahmen dabei helfen können, Prävention und Versorgung besser an den Bedürfnissen unterschiedlicher Jungen und Männer auszurichten.“
Professor für Psychotherapie und Psychotherapieforschung (Verhaltenstherapie) und stellvertretender Leiter des Zentrums für Psychotherapie, Universität Graz, Österreich
Relevanz und Methodik der Studien
„Die drei Publikationen der aktuellen Lancet-Serie zur Männergesundheit stellen aus meiner Sicht einen außerordentlich wichtigen und wissenschaftlich überzeugenden Beitrag zur Weiterentwicklung dieses Forschungsfeldes dar. Den Autorinnen und Autoren gelingt es hervorragend, die gesundheitlichen Nachteile von Männern theoretisch fundiert aufzuarbeiten, mit umfangreichen epidemiologischen Daten zu untermauern und daraus konkrete gesundheitspolitische Handlungsempfehlungen abzuleiten. Besonders begrüßenswert ist dabei der intersektionale Ansatz, der Männergesundheit nicht ausschließlich auf individuelles Risikoverhalten oder traditionelle Männlichkeitsnormen reduziert, sondern biologische, psychologische, soziale und strukturelle Einflussfaktoren gemeinsam berücksichtigt.“
Aussagekraft der epidemiologischen Analyse und Bedeutung biologischer Unterschiede
„Die epidemiologische Analyse auf Grundlage der Global-Burden-of-Disease-Daten von 1990 bis 2023 verdeutlicht eindrücklich, dass Männer weltweit eine höhere vorzeitige Mortalität und Krankheitslast aufweisen. Methodisch handelt es sich um eine umfassende und wertvolle deskriptive Analyse, die jedoch keine eindeutigen kausalen Schlussfolgerungen über die Ursachen dieser Unterschiede erlaubt. Insbesondere lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht zuverlässig quantifizieren, welcher Anteil der gesundheitlichen Nachteile auf biologische Unterschiede und welcher auf gesellschaftliche Geschlechternormen zurückzuführen ist. Beide Faktoren stehen in komplexen Wechselwirkungen miteinander.“
Forschungsstand zu Männlichkeitsnormen als Ursache
„Aus der Forschung zur psychischen Gesundheit von Männern wissen wir allerdings, dass bestimmte traditionelle Männlichkeitsnormen mit gesundheitlich ungünstigen Verhaltensweisen zusammenhängen. Besonders problematisch können Vorstellungen sein, nach denen Männer jederzeit stark, emotional kontrolliert, unabhängig und leistungsfähig sein müssen und das Eingestehen psychischer Belastungen als Schwäche gilt. Solche Überzeugungen können die Wahrnehmung psychischer Beschwerden, das Hilfesuchverhalten und die Bereitschaft zur Inanspruchnahme psychotherapeutischer Unterstützung beeinträchtigen.“
„Allerdings sind nicht sämtliche traditionelle Männlichkeitsnormen grundsätzlich gesundheitsschädlich. Entscheidend ist vielmehr, wie rigide diese Normen vertreten werden, in welchem sozialen Kontext sie wirken und welche individuellen Ressourcen zur Verfügung stehen. Die kausale Evidenz ist dabei deutlich weniger umfassend als die Vielzahl korrelativer Befunde.“
„Nicht Männlichkeit an sich macht Männer krank, sondern insbesondere starre Vorstellungen davon, wie ein Mann zu sein hat. Diese können unter ungünstigen gesellschaftlichen Bedingungen zu einem erheblichen Gesundheitsrisiko werden.“
Ergebnisse für Deutschland, Österreich und die Schweiz
„Gerade für Deutschland, Österreich und die Schweiz sind die Ergebnisse hochrelevant. Obwohl diese Länder über vergleichsweise gut ausgebaute Gesundheitssysteme verfügen, bestehen weiterhin erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiede, insbesondere bei Suiziden, Substanzkonsumstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Inanspruchnahme psychotherapeutischer Versorgung. Besonders relevant sind dabei Männer in sozial benachteiligten Lebenssituationen, mit geringerem Bildungsniveau, prekären Beschäftigungsverhältnissen oder eingeschränkten sozialen Unterstützungsnetzwerken. Die Ergebnisse unterstreichen deshalb, dass Männer keine homogene Bevölkerungsgruppe darstellen und gesundheitliche Präventionsmaßnahmen stärker auf unterschiedliche Lebensrealitäten zugeschnitten werden müssen.“
Konsequenz für die psychische Gesundheitsversorgung
„Aus meiner Perspektive als Psychotherapieforscher ist insbesondere die Konsequenz für die psychische Gesundheitsversorgung zentral: Wir müssen besser verstehen, weshalb bestimmte Männer trotz erheblicher psychischer Belastungen professionelle Hilfe erst spät oder überhaupt nicht in Anspruch nehmen. Gleichzeitig müssen wir psychotherapeutische Angebote entwickeln und wissenschaftlich überprüfen, die unterschiedliche männliche Lebensrealitäten, Belastungsmuster und Vorstellungen von psychischer Gesundheit berücksichtigen.“
„Es reicht nicht aus, Männern zu sagen, dass sie sich mehr Hilfe suchen sollen. Wir müssen auch sicherstellen, dass unsere Präventionsangebote und psychotherapeutischen Behandlungen Männer tatsächlich erreichen und ihren Bedürfnissen gerecht werden.“
„Die Lancet-Serie liefert hierfür eine wichtige wissenschaftliche Grundlage. Ihre besondere Stärke besteht darin, Männergesundheit nicht als Konkurrenz zur Frauengesundheit zu verstehen, sondern als integralen Bestandteil einer geschlechtergerechten Gesundheitsversorgung. Die Verbesserung der Männergesundheit ist deshalb nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe, die evidenzbasierte Prävention, geschlechtersensible Versorgung und strukturelle Veränderungen gleichermaßen erfordert.“
Leiterin der Arbeitsgruppe Qualitative Sozialforschung, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II, Universitätsklinikum Ulm
Zur Methodik
„Das theoretische Framework überzeugt mich vor allem durch die machtkritische Perspektive, die theoretische Ansätze und empirische Befunde zu Männergesundheit zusammenführt. Damit zeigt es, wie gesellschaftliche Ungleichheiten, Männlichkeitsnormen und individuelle Handlungsoptionen zusammenwirken und bildet so eine wichtige Grundlage für weitere Forschungen. Sowohl die theoretische Positionierung – Machtkritik – wie auch das methodische Vorgehen bei der Entwicklung – systematische Literaturrecherche theoretischer und empirischer Arbeiten – werden transparent und nachvollziehbar vorgestellt. Besonders gelungen sind aus meiner Sicht auch die vier Fallstudien, die das Framework anhand konkreter Gesundheitsprobleme und Kontexte veranschaulichen.“
„In der zweiten Lancet-Publikation wenden die Autor:innen das theoretische Framework für eine Betrachtung der weltweiten Todesursachenstatistik an. Die seit Langem zu beobachtenden Unterschiede in der Sterblichkeit zwischen Männern und Frauen werden anhand ausgewählter Todesursachen beziehungsweise Erkrankungen aus einer intersektionalen Perspektive diskutiert. Dabei greifen die Autor:innen sowohl auf empirische Befunde wie auch soziologische Erklärungsmodelle zurückgreifen. Die beiden für mich wichtigsten Botschaften: Erstens verdeckt die schlichte Gegenüberstellung von Männern und Frauen die gravierenden gesundheitlichen Ungleichheiten in der Gruppe der Männer. Zweitens greift es zu kurz, Todesursachen vorschnell als biologisch oder nicht-biologisch bedingt zu interpretieren.“
„Gleichzeitig liegt aus meiner Sicht in der dezidierten Fokussierung auf marginalisierte Männer ein gewisses Risiko. Zwar wird damit besonders deutlich, wie schwerwiegend sich traditionelle Männlichkeitsnormen gerade auch für Männer selbst auswirken – und nicht nur auf Frauen. Allerdings könnte dabei aus dem Blick geraten, dass auch privilegierte Männer gesundheitsschädlichen Männlichkeitsnormen unterliegen, auch wenn sie zugleich davon profitieren.“
Forschungsstand zu Männlichkeitsnormen als Ursache
„Mittlerweile liegen zahlreiche Einzelstudien und Übersichtsarbeiten zu den gesundheitlichen Auswirkungen traditioneller Männlichkeitsnormen vor. Die Befunde zeigen allerdings überwiegend statistische Zusammenhänge, die keine kausalen Schlussfolgerungen erlauben – also ob Männlichkeitsnormen tatsächlich eine schlechtere Gesundheit bedingen und nicht etwa andere Ursachen dahinterstecken.“
„Die Forschung zeigt aber schon, dass nicht alle Männlichkeitsnormen gleichermaßen mit Gesundheitsrisiken verbunden sind. Studien zeigen, dass etwa Selbständigkeitsnormen, sexuelle Dominanz oder Gewaltaffinität mit psychischen Belastungen assoziiert sein können. Für andere Normen, wie zum Beispiel Arbeitsorientierung wurden keine klaren Zusammenhänge gefunden wurden [2]. Einzelne Längsschnittstudien finden zudem, dass Normen wie Status- oder Wettbewerbsorientierung je nach untersuchtem Gesundheitsindikator auch mit besserer Gesundheit verbunden sein können.“
„Der gesellschaftliche und situative Kontext dürfte dabei entscheidend sein: So könnte eine ausgeprägte Wettbewerbsorientierung im Beruf mit Erfolg verbunden sein, während sie in persönlichen Beziehungen Konflikte begünstigt. Insgesamt lässt sich daher zwar etwas darüber aussagen, welche Männlichkeitsnormen eher mit gesundheitlichen Risiken assoziiert sind, aber noch nicht hinreichend, unter welchen Bedingungen sie tatsächlich gesundheitsschädlich wirken.“
„Auch in unseren eigenen Untersuchungen zu Männern in Depressionsbehandlung kommen wir zu einer differenzierten Betrachtung. Wir konnten unterschiedliche Muster von Männlichkeitsnormen und beruflichen Rollenorientierungen identifizieren, die mit der Schwere psychischer Symptome, stigmatisierenden Einstellungen und der Dauer bis zur Behandlung zusammenhingen. Dabei zeigte sich, dass eine geringere Orientierung an traditionellen Männlichkeitsnormen nicht grundsätzlich mit einer besseren psychischen Gesundheit verbunden war. Entscheidend war vielmehr, wie diese Orientierung mit beruflichen Ansprüchen und der Fähigkeit zur Bewältigung beruflicher Belastungen zusammenhing .“
Gesellschaft versus Biologie
„Der Einfluss gesellschaftlicher Männlichkeitsvorstellungen auf die schlechtere Gesundheit von Männern im Vergleich zu biologischen Geschlechtsunterschieden lässt sich kaum valide messen. Sex und Gender sind zwar analytisch unterscheidbar, wirken bei der Entstehung gesundheitlicher Unterschiede aber vielfach zusammen .“
„Einen wichtigen empirischen Hinweis auf die Bedeutung gesellschaftlicher Faktoren lieferte die berühmte ‚Klosterstudie‘ . Unter vergleichsweise ähnlichen Lebensbedingungen von Nonnen und Mönchen fielen die Unterschiede in der Lebenserwartung wesentlich geringer aus als in der Allgemeinbevölkerung. Das spricht dafür, dass die höhere Sterblichkeit von Männern durch gesellschaftliche beziehungsweise verhaltensbezogene Faktoren mitbedingt ist. Welchen spezifischen Effekt dabei gesellschaftliche Gendervorstellungen haben, lässt sich daraus aber nicht ableiten.“
Relevanz der Frage nach den Ursachen für Gesundheitsunterschiede
„Die Frage ist durchaus praktisch relevant, weil die beiden Erklärungen jeweils unterschiedliche Ansatzpunkte für Prävention und Versorgung nahelegen. Der Blick auf Männlichkeitsnormen lenkt die Aufmerksamkeit insbesondere auf veränderbare Verhaltensweisen und gesellschaftliche Bedingungen.“
„Vieles spricht dafür, Interventionen eher an konkreten gesundheitlichen Risiken oder Verhaltensweisen auszurichten. Eine geschlechtersensible Ansprache kann dennoch sinnvoll und wichtig sein, wenn klassische Präventions- und Versorgungsangebote bestimmte Männergruppen eher schlecht erreichen. Das Dilemma liegt darin, dass eine gezielte Ansprache von Männern auch dazu führen kann, stereotype Vorstellungen von Männlichkeit zu reproduzieren.“
Bedeutung des gesellschaftlichen Kontextes für die Auswirkungen von Geschlechternormen
„Die Autor:innen knüpfen hier an das bereits in den 1980er-Jahren entwickelte ‚Gender Role Strain Paradigm‘ an, demzufolge psychische Belastungen entstehen, wenn Männer gesellschaftliche Männlichkeitserwartungen aufgrund struktureller Bedingungen nicht erfüllen können, zum Beispiel die Rolle des Familienernährers.“
„Gerade in Gesellschaften, in denen männliche Identität stark an Erwerbsarbeit und ökonomische Verantwortung geknüpft ist, könnten also wirtschaftliche Krisen und gesellschaftliche Umbrüche deshalb besondere gesundheitliche Risiken für Männer mit sich bringen.“
„Umgekehrt wäre denkbar, dass solche Rollenkonflikte unter günstigen wirtschaftlichen Bedingungen geringer ausfallen, selbst wenn stärker patriarchale Strukturen herrschen und traditionelle Männlichkeitsnormen weiterhin stark verbreitet sind.“
Auf die Frage, welche Faktoren etwa erklären könnten, dass manche scheinbar traditionellere Länder wie Jordanien einen geringeren Unterschied der Geschlechter in der in DALYs gemessenen Krankheitslast aufweisen:
„Ob dies die geringeren Unterschiede in Jordanien erklärt, ist allerdings offen. Sie könnten auch auf schlechtere Gesundheit von Frauen zurück gehen und sind jedenfalls kein Beleg für gesundheitsförderliche Wirkung patriarchaler Strukturen.“
Ergebnisse für Deutschland, Österreich und die Schweiz
„Die Ergebnisse sind aus meiner Sicht weder grundsätzlich neu noch besonders überraschend. Die höhere Sterblichkeit von Männern sowie die erheblichen gesundheitlichen Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen von Männern sind seit Langem bekannt. Für Deutschland sind sie unter anderem vom Robert Koch-Institut und den mittlerweile fünf vorliegenden Männergesundheitsberichten umfassend belegt. Auch die intersektionale Perspektive gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung.“
„Die Relevanz der Lancet-Serie liegt deshalb weniger in neuen Einzelbefunden als in ihrer systematischen Zusammenführung aus einer machtkritischen und intersektionalen Perspektive. Durch die prominente Veröffentlichung im Lancet bekommt das Thema zudem mehr Aufmerksamkeit und hoffentlich auch mehr Gewicht in der Forschung.“
Gesellschaftliche und politische Implikationen der Studien
„Obwohl die gesundheitsschädlichen Auswirkungen traditioneller Männlichkeitsnormen seit Langem bekannt sind, kommt das Thema Männergesundheit eher schleppend voran. Ein Grund könnte sein, dass der Männergesundheit eine mit der Frauengesundheitsforschung vergleichbare politische Mobilisierung fehlt. Erstere konnte an die Frauenbewegung und deren Kritik an geschlechtsspezifischer Benachteiligung in der Medizin sowie patriarchalen Geschlechterrollen anknüpfen. Hinzu kommt der Widerspruch, dass Männer zwar insgesamt vielfach privilegiert sind, aber zugleich unter traditionellen Männlichkeitsnormen leiden können. Gesellschaftliche Vorstellungen von männlicher Stärke und Unverletzlichkeit erschweren es möglicherweise, gesundheitliche Risiken von Männern als politisches Handlungsfeld wahrzunehmen.“
„Aus meiner Sicht braucht es mehr intersektionale Forschung zum Zusammenspiel von Männlichkeitsnormen, sozialer Lage und strukturellen Bedingungen. Gleichzeitig muss das vorhandene Wissen stärker in die Ausbildung von Ärzt:innen und anderen Gesundheitsfachpersonen und in die Entwicklung geschlechtersensibler Präventions- und Versorgungsangebote einfließen.“
„Wichtig erscheint mir, Männer dabei nicht pauschal zu problematisieren oder Geschlechterstereotype zu reproduzieren. Gerade für die Gesundheitskommunikation finde ich den derzeit populären Begriff der ‚toxischen Männlichkeit‘ problematisch. Einerseits kann er zwar helfen, gesundheitsschädliche Auswirkungen traditioneller, patriarchaler Männlichkeitsnormen sichtbar zu machen und kritisch zu hinterfragen. Andererseits impliziert er ein eindimensionales Verständnis von Männlichkeit, das dem heutigen Forschungsstand kaum gerecht wird.“
„Ich frage mich auch, welche Männer sich damit überhaupt angesprochen fühlen (sollen)? Gerade Männern, die bislang wenig gesundheitliche Probleme haben, bietet er womöglich wenig Anreiz, sich präventiv mit der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen. Das wäre aber empirisch zu untersuchen.“
Anmerkung von Prof. Dr. Krumm zu KI-Nutzung: „Aufgrund der Kürze der Zeit habe ich teilweise ChatGPT bei der Ausformulierung meiner Sätze ausschließlich in editorischer Funktion genutzt. Sämtliche Inhalte wurden eigenständig entwickelt.“
Fachärztin für Innere Medizin, Gendermedizinerin DGesGM® Gendermedizin in der Lehre und klinischer Forschung, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Zur Methodik
„Es ist der Versuch, geschlechtersensible Medizin auf den Mann anzuwenden, ohne sich mit den Inhalten und Methoden dieser jungen Disziplin, der geschlechtersensiblen Forschung, auseinanderzusetzen.“
„Die präsentierten Daten stellen die Nachteile des männlichen Geschlechts gegenüber dem weiblichen Geschlecht mit einfachen Häufigkeitsverteilungen dar. Die Autoren begründen dieses mit der wiederholt gestellten Frage nach dem ‚Warum‘ bezogen auf die unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen, die biologisch begründet ein bis zwei Jahre beträgt. Die Darstellung von epidemiologischen Kennzahlen wie Prävalenz und Mortalität haben nicht das Ziel, der Wahrheit zu Geschlechterunterschieden in der Gesundheitsversorgung näher zu kommen und damit das wissenschaftliche Feld voranzubringen.“
„In der geschlechtersensiblen Medizin sind wir hier bereits weiter. Interessant ist die Letalität und nicht die Mortalität einer Erkrankung: Wie groß ist das Risiko zu versterben, wenn eine Frau und ein Mann mit der gleichen Verdachtsdiagnose in einem Krankenhaus 30 Tage behandelt werden? Die Darstellung der reinen Häufigkeit einer Erkrankung bringt keine neuen Erkenntnisse, da die Datengrundlage limitiert ist, wenn Geschlechterunterschiede in der Symptomausprägung nicht zu der gleichen Diagnose führen. Die Aussage, dass Männer mehr DALYS haben als Frauen, verwundert schon, so zeigen doch die allermeisten Studien, dass Frauen eine schlechtere Lebensqualität im Alter angeben als Männer, zumindest in den meisten westlichen Ländern.“
Soziale Determinanten von Gesundheit sind wichtig, unabhängig vom Geschlecht
„Den Punkt, den die Kollegen in großer Fleißarbeit herausgearbeitet haben, ist der, den wir in der geschlechtersensiblen Medizin als ‚social determinants of health‘ bezeichnen (SDOH). Ja, sozial schlechter gestellte Männer oder solche in Gefängnissen haben eine schlechtere Lebenserwartung und mehr DALYS. Das gilt für jedes Geschlecht. Strategien zu entwickeln, diesen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zum Gesundheitssystem zu ermöglichen ist eine berechtigte Botschaft.“
„Keine Interessenkonflikte.“
„Ich habe keinen Interessenkonflikt.“
Alle anderen: Keine Angaben erhalten
Primärquellen
Studie 1: Tolhurst R et al. (2026): Men’s health: an intersectional and multilevel framework for understanding syndemic patterns of health. The Lancet.
Studie 2: Catto JWF et al. (2026): A global men’s health epidemiology within an intersectional framework. The Lancet.
Studie 3: Hawkes SJ et al. (2026): Charting a course to men’s health and wellbeing: applying a lens of power and politics to improve men’s health outcomes. The Lancet.
Literaturstellen, die von den Expert:innen zitiert wurden
[] Luy M (2003): Causes of Male Excess Mortality: Insights from Cloistered Populations. Population and Development Review. DOI: 10.1111/j.1728-4457.2003.00647.x.
[] Wong YJ et al. (2017): Meta-analyses of the relationship between conformity to masculine norms and mental health-related outcomes.. Journal of Counseling Psychology. DOI: 10.1037/cou0000176.
[] Kilian R et al. (2020): Masculinity norms and occupational role orientations in men treated for depression. PLOS ONE. DOI: 10.1371/journal.pone.0233764.
[] Krieger N (2003): Genders, sexes, and health: what are the connections—and why does it matter? International Journal of Epidemiology. DOI: 10.1093/ije/dyg156.
Dr. Nikola Komlenac
Assistenzprofessor, Institut für Diversität in der Medizin, Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Dr. Michael Mühlichen
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Wiesbaden
Prof. Dr. Andreas Walther
Professor für Psychotherapie und Psychotherapieforschung (Verhaltenstherapie) und stellvertretender Leiter des Zentrums für Psychotherapie, Universität Graz, Österreich
Prof. Dr. Silvia Krumm
Leiterin der Arbeitsgruppe Qualitative Sozialforschung, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II, Universitätsklinikum Ulm
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Keine Interessenkonflikte.“
PD Dr. Ute Seeland
Fachärztin für Innere Medizin, Gendermedizinerin DGesGM® Gendermedizin in der Lehre und klinischer Forschung, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich habe keinen Interessenkonflikt.“