Gekoppelte Naturgefahren: Welche Risiken bestehen in den Alpen?
Eis- und Felsabbruch haben eine Sturzflut im Himalaya ausgelöst
auch in den europäischen Alpen können sich verschiedene Naturgefahren zu vergleichbaren komplexen Gefahrenkaskaden entwickeln
Experten beobachten in der jüngeren Vergangenheit eine Zunahme großer Sturzereignisse; zum möglichen Beitrag des Klimawandels zum Ereignis im Himalaya lasse sich derzeit keine belastbare Aussage treffen
Die verheerende Sturzflut im Himalaya vom 26.08.2026 ist nach aktuellen Einschätzungen durch einen Eis- und Felsabbruch im Hochgebirge ausgelöst worden. Ein zunächst vermutetes Erdbeben gilt nach Einschätzung des Geologischen Dienstes der Vereinigten Staaten inzwischen als Folge des Kollapses und nicht als dessen Ursache. Durch den Eis- und Felsabbruch hat sich nahe der Grenze zwischen Nepal und China ein See hinter den abgestürzten Schuttmassen gebildet. Die chinesischen Behörden haben die Rettungsarbeiten wieder aufgenommen, nachdem die Lage am See bewertet worden war (Stand: 28.08.2026).
Die Ereignisse werfen auch die Frage auf, inwiefern vergleichbare Prozesskaskaden in europäischen Hochgebirgen möglich sind. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen im Alpenraum seit Jahren das Zusammenspiel von Gletscherrückgang, dem Auftauen des Permafrosts sowie Fels- und Eisstürzen. Solche Naturgefahren können miteinander verbundene Prozesse umfassen, die sich zu komplexen Gefahrenkaskaden entwickeln können [I].
Professor mit Schwerpunkt Hochalpine Kryosphäre, Universität Innsbruck, Österreich
Einordnung der Lage im Himalaya
„Auf die Ursachen und Auslöser des Ereignisses, die Prozesskaskade sowie die außergewöhnliche Größenordnung und Schadenswirkung geht Professor Christian Huggel von der Universität Zürich in diesem LinkedIn-Post ein (Stand: 27.08.2026.). Darin wird der derzeitige Stand der internationalen Expertengruppe ‚Gefahren durch Gletscher und Permafrost in den Bergen (GAPHAZ)‘ zusammengefasst. Wir sind alle nicht vor Ort, das heißt, die Fakten basieren auf Daten, Berichten und Analysen aus der Ferne.“
Sind Prozesskaskaden im Himalaya…
„Die beschriebenen Prozesse können prinzipiell in allen hochalpinen, das heißt vergletscherten Bergregionen auftreten. Neu ist in der jüngeren Vergangenheit eine starke Zunahme der wirklich großen Ereignisse, so beispielsweise 2025 in Blatten (Schweiz) und jetzt in Langtang (Nepal/Tibet). Die Hindukush-Himalaya-Region (HKH) ist die größte und höchste Gebirgsregion weltweit. Insofern gibt es dort mehr Gipfel und mehr Täler. Die Täler sind länger und tiefer als in den Alpen, und die Region liegt in einer komplett anderen Klimazone. International sind die meisten Gebiete als Entwicklungsländer eingestuft, und somit sind Infrastruktur, Services, Fähigkeiten und Ausbildung der Bevölkerung nicht mit den Alpen zu vergleichen.“
… auch in den europäischen Alpen möglich?
„Alle alpinen Täler, die eine entsprechend steile Topographie besitzen und in denen sich mehrere Komponenten befinden, die zu einer Prozesskaskade führen können, sind prinzipiell möglich. Es stimmt sicher nicht, wie teilweise in den Medien und auch von Experten verbreitet, dass eine Region oder sogar ein ganzes Land in den europäischen Alpen nicht potenziell gefährdet ist. Trotzdem gibt es bekannte und entsprechend gemanagte Hotspots. In speziellen Fällen gibt es in Europa Online-Überwachungssysteme, die sofort und automatisiert, oft auch mit human-in-the-loop – also einem Entscheidungsträger beziehungsweise Experten – Sperren ausführen, warnen oder sogar eine Evakuation initialisieren – aktuell in Randa, Schweiz wegen eines potenziellen Gletscherabbruchs. Dazu gibt es flächendeckende Überwachung mit Berichten und Beobachtungen, in-situ Sensordaten sowie Luft- oder Raumfahrt basierte Fernerkundung.“
Vorwarnzeit bei großen Sturzereignissen
„Die Frage der Vorhersehbarkeit muss man differenziert betrachten. Wenn es eine lokale Instrumentierung mit beispielsweise Bewegungssensoren gibt, kann man punktgenaue Prognosen geben und gegebenenfalls im Bereich von Stunden und Tagen agieren, das heißt sperren und evakuieren. Das Problem ist, dass es nicht möglich ist, flächendeckend zu erfassen und zu berechnen, wo und vor allem wann eine Vorwarnung notwendig sein wird. In Blatten hat man alle Sensorsysteme nach der ersten dramatischen Beobachtung eines Experten aus der Region installiert und in Gang gesetzt. Der Erfolg, dies innerhalb von Stunden und Tagen zu bewerkstelligen und dabei auch Methoden erfolgreich einzusetzen, die erst vor zehn Jahren in der Forschung entwickelt wurden, um Leben zu retten, ist einzigartig. Viele dieser Methoden und Praktiken zur Gefahrenprävention, die in den Alpen entwickelt werden, haben großes Potenzial, auch in Schwellen- und Entwicklungsländern Fuß zu fassen. Aber es ist noch ein weiter Weg.“
Rolle des Klimawandels
„Wegen des Klimawandels bricht kein Felsen auseinander und entsteht kein Felssturz. Entscheidend sind vielmehr die Struktur und Materialeigenschaften des Gesteins sowie die Schwerkraft. Mehrere vergleichbare Ereignisse haben ihre Ursache in der Geologie. Das Abbruchgebiet liegt in einer Zone von warmem und diskontinuierlichem Permafrost. Der allgemein beobachtete Rückzug der alpinen Kryosphäre, also weniger Eis, weniger Schnee, höhere Temperaturen, mehr flüssiger Niederschlag sind alles Faktoren, die hier einen Einfluss haben. Auch ist aus Literatur und Studien bekannt, dass auftauender Fels, vor allem in Zusammenhang mit starker warmer Flüssig-Wasserinfiltration, signifikant an Stabilität verliert. Aber es gibt derzeit, zwei Tage nach den Ereignissen noch keine Analyse.“
„Es ist möglich, dass der Klimawandel hier in Nepal eine Rolle spielt, aber es gibt derzeit noch keine belastbare Aussage.“
Professor für Geohazards, Leiter der Arbeitsgruppe Naturgefahren, Universität Potsdam
Einordnung der Lage im Himalaya
„Parallel zu den Rettungsarbeiten nach der Sturzflut in Nepal sind weltweit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bemüht, die Ursachen und Prozesse, die zu dieser Katastrophe geführt haben, im Detail zu rekonstruieren. Satellitenbilder zeigen, dass am Morgen des 26.08.2026 eine teils von Gletscher bedeckte Bergflanke des über 6700 Meter hohen Tsangbu Ri im Langtang-Massiv des Nepal Himalaya plötzlich kollabierte und über mehr als 2000 Höhenmeter zu Tal fuhr. Die Bewegung und Erschütterung dieser plötzlich losgelösten Gesteins- und Eismassen haben örtlich ein Erdbeben der Stärke 5 ausgelöst. Die hohe Reibungswärme der sich zunehmend zertrümmernden Masse hat das mitgeführte Eis vermutlich rasch aufgeschmolzen und den Berg- beziehungsweise Gletschersturz zusehends in eine murenartige Flutwelle verwandelt, die für die weitläufigen Zerstörungen verantwortlich war. Videos zeigen, dass noch 20 Kilometer flussabwärts Talböden binnen weniger Minuten unter vielen Metern Schutt begraben wurden.“
Prozesskaskade auch in den europäischen Alpen möglich
„Aus direkten Beobachtungen sowie geologischen Ablagerungen wissen wir, dass solche großen Berg- und Gletscherstürze in Gebirgen weltweit, auch den Alpen, vielfach vorgekommen sind, und auch in Zukunft nicht ausbleiben werden. Im Vergleich zu den Alpen sind die Höhenunterschiede im Himalaya extremer. Dies ermöglicht höhere Fallhöhen und Reichweiten mit Folgen für die gesamte Prozesskaskade vom initialen Abbruch bis hin zur Sturzflut.“
„Solche gekoppelten Großereignisse stehen leider noch zu selten im Fokus von Gefahrenkarten oder Risikobewertungen, die sich hauptsächlich mit häufigeren, und entsprechend kleineren, Hanginstabilitäten oder Überflutungsszenarien befassen.“
Vorwarnzeit bei großen Sturzereignissen
„Im Alpenraum sind ähnliche, mit Bergstürzen verbundene Sturzfluten teils historisch belegt. Oft entscheidend für eine effektive Frühwarnung sind das Erkennen und die systematische Überwachung einer verdächtigen Felshang- oder Gletscherbewegung.“
„Das Beispiel Blatten in der Schweiz verdeutlicht, wie dank solcher Beobachtungen die lokale Bevölkerung rechtzeitig aus dem Auslaufbereich eines Berg-/Gletschersturzes im Mai 2025 evakuiert werden konnte. Dennoch wurde der Ort Blatten aufgrund der Zerstörungen durch die Ablagerungen sowie den kurz danach aufgestauten See praktisch unbewohnbar. Nur detaillierte und lokal an Verdachtsflächen durchgeführte Messungen bieten derzeit praktikable Vorhersagen. Anderweitig bleiben großflächige Vorhersagen sowie Warnungen schwierig und erfordern ein pragmatisches Risikomanagement.“
Rolle des Klimawandels
„Die Sturzflut vom 26.08.2026 ist kein Einzelfall: Bereits 2012 und 2021 verursachten große Berg-/Gletscherstürze im Annapurna-Massiv und Chamoli Garhwal des Himalaya sehr ähnliche Sturzfluten, wenn auch nicht von der Tragweite der jüngsten Katastrophe in Nepal.“
„Ob sich diese Extremereignisse auffällig häufen, beziehungsweise eindeutig als Folgen des Klimawandels einordnen lassen, ist Aufgabe der Attributionsforschung. Was große Berg-/Gletscherstürze betrifft, steckt diese allerdings noch in den Kinderschuhen. Zudem ist der Himalaya von Natur aus ein sehr aktives Hochgebirge, in dem Erdbeben und starke Monsunregen für sehr hohe natürliche Erosionsraten und entsprechend dynamische Landschaften sorgen.“
„Ungeachtet der möglichen Einflüsse des Klimawandels sind es im Himalaya der hohe Bevölkerungsdruck und die sich rasch ausbreitende Bebauung und Infrastruktur, die die Schäden durch Naturkatastrophen erhöhen.“
Tenure-Track-Professor für Geomorphologie und rezente Morphodynamik, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Einordnung der Lage im Himalaya
„Obwohl wir für belastbare Aussagen nur wenige Tage nach dem Ereignis in Nepal noch auf weitere Daten warten müssen, scheint die Katastrophe in Nepal durch eine große Massenbewegung ausgelöst worden zu sein, die einen aufliegenden Gletscher mit ins Tal gerissen hat. Ähnliche Ereignisse können auch in den Alpen vorkommen. Der Gletscherabbruch von Blatten im Jahr 2025 ist von der Dynamik her vergleichbar. Der entscheidende Unterschied ist hier allerdings die Größe des Ereignisses. Erste Abschätzungen des Ereignisses in Nepal deuten auf ein etwa zehnmal größeres Volumen hin als bei dem Ereignis in Blatten vor einem Jahr. “
Rolle des Klimawandels
„Solche großen Massenbewegungen, wie wir sie gerade in Nepal gesehen haben, sind komplexe Ereignisse, deren Auslösung sich nicht auf einen Faktor reduzieren lassen. Ganz entscheidend ist die Stabilität des Ausgangsgesteins, die durch die Verwitterung mit der Zeit reduziert wird. Daneben spielen aber auch die Niederschlags- und Temperaturverhältnisse, die Schneeschmelze sowie die Veränderung von Gletschern und Permafrost eine wichtige Rolle.“
„Im Hinblick auf den Einfluss des Klimawandels lässt sich dennoch sagen, dass wir in den vergangenen Jahren in verschiedenen Hochgebirgen der Erde eine Häufung großer Massenbewegungen beobachten können, die oftmals in Höhenlagen ausgelöst wurden, in denen Permafrost vorkommt. Ein Einfluss der steigenden Temperaturen auf das Ereignis in Nepal ist daher wahrscheinlich, wir werden allerdings auf weitere Daten warten müssen, um im konkreten Fall belastbare Aussagen machen zu können.“
Leiter Forschungsgruppe Risiko und Resilienz, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), Davos Dorf, Schweiz
Prozesskaskade auch in den europäischen Alpen möglich
„Die Kombination von großen Fels- und Gletscherabbrüchen und sich daraus ergebenden Folgeereignissen sind damit auch aus den Alpen bekannt (siehe Liste am Ende des Statements; Anm. d. Red.), allerdings sind diese meist deutlich (bis zu Größenordnungen) kleiner als die katastrophalen Ereignisse aus dem Himalaya und anderen Gebirgsregionen. Die deutlich größeren Höhenunterschiede im Himalaya und entsprechend größeren Volumina bedeuten wesentlich höhere Energien und damit auch ein deutlich höheres Zerstörungspotenzial.“
„In den Alpen treten große Kaskadenereignisse glücklicherweise bislang eher selten auf. Eine Abschätzung der Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse ist äußerst schwierig bis nicht möglich; daher sind konkrete Risikoabschätzung nicht seriös möglich.“
Vorwarnzeit bei großen Sturzereignissen
„Frühwarnsysteme werden dort installiert, wo die Gefahrenquellen bekannt sind und das Schadenpotenzial entsprechend groß ist. Eine generelle Aussage über Frühwarnzeiten kann nicht gemacht werden, das hängt vom Einzelfall ab. Im Fall von Blatten wurden die Anzeichen eines bevorstehenden Ereignisses durch den Naturgefahrenbeobachter rechtzeitig erkannt, weshalb eine frühzeitige Evakuierung des Dorfes möglich war. Für operationelle Warnsysteme wie beispielsweise für Murgänge im Illgraben (Kanton Wallis) beträgt die Vorwarnzeit ab der eindeutigen Erkennung eines Murganges im Gerinne nur wenige Minuten.“
„Durch den Einsatz von Seismik lassen sich erste Anzeichen entstehender Massenbewegungen bereits einige Zehner-Minuten vorher erkennen. Mittels regelmäßiger strukturierter Beobachtungen sind sich anbahnende heikle Situationen Tage bis Wochen vorher bekannt. Eine flächendeckende Überwachung mit Satellitendaten gewinnt in der Zukunft zunehmend an Bedeutung, stößt aber wegen der zeitlichen und teils auch räumlichen Auflösung an Grenzen. Generell ist die Interpretation von Satellitendaten aus Hochgebirgen sehr anspruchsvoll, da wegen Abschattungseffekten oftmals gar nicht alle Gebiete sichtbar sind.“
Rolle des Klimawandels
„Wir wissen gesichert, dass die höheren Temperaturen zu einer Degradierung des Permafrosts bis in große Höhen und zu verstärkten Schmelzprozessen im Fels, zum Beispiel Eisverlust in Felsklüften führt. Die Temperatur in der Schweiz ist seit Messbeginn um rund 3,0 Grad Celsius über den vorindustriellen Durchschnitt angestiegen und erwärmt sich damit etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt, was den Effekt in den Alpen beschleunigt. Flüssiges Wasser spielt bei der Auslösung von Eis- und Felsstürzen meist eine bedeutende Rolle, weshalb die Kenntnis von Wasserflüssen von großer Bedeutung ist.“
„Mit verstärkten Schmelzprozessen ist ein größeres Wasserangebot vorhanden. So zeigen Beobachtungen der Ausbruchstelle von Felsstürzen häufig große Wassermengen, wie beispielsweise herausschießendes Wasser aus dem Anriss des Bergsturzes am Piz Scerscen. Mit höheren Temperaturen vor allem in Kombination mit intensiven Niederschlägen in Form von Regen bis in große Höhen steigt die Wahrscheinlichkeit für größere Eis- und Felsstürze und Murgänge. Daher wirken eine starke Zunahme von Temperatur und Niederschlag destabilisierend.“
„Ob im Einzelfall ein Ereignis den sich durch den Klimawandel stark verändernden Faktoren zugeschrieben werden kann, muss spezifisch untersucht werden und hängt zum Beispiel von der Höhenlage ab. Erschwerend kommt hinzu, dass man aus Sicherheitsgründen in der Regel für detaillierte Untersuchungen nicht ins Anrissgebiet gehen kann. In der Regel sind Effekte des Klimawandels demnach bei Extremereignissen mitbeteiligt und beschleunigend, zusammen mit tektonisch-geologischen Grundvoraussetzungen und Faktoren.“
Jüngere Geschichte von Massenbewegungen in den europäischen Alpen
„Aus der jüngeren Vergangenheit gibt es aus den Alpen Beispiele von größeren verketteten Massenbewegungen, die teils zu beträchtlichen Schäden und Todesopfern geführt haben. Am 23.08.2017 lösten sich rund drei Millionen Kubikmeter Gestein aus der Nordflanke des Pizzo Cengalo (Kanton Graubünden, Schweiz), die auf den darunterliegenden Gletscher stürzten, Eis zertrümmerten und schmolzen, was unmittelbar einen Schlammstrom auslöste und innerhalb einer Woche zu weiteren 15 Murgängen führte, die das vier Kilometer entfernte Dorf Bondo erreichten. Acht Menschen kamen als Folge des Bergsturzes auf einem Wanderweg ums Leben, die Schäden beliefen sich auf rund 40 Millionen Franken. Das Vorläufer-Ereignis von 2011, ein kleinerer Bergsturz von etwa 1,5 bis 2 Millionen Kubikmeter Gestein am selben Berg im Dezember 2011 löste seismische Signale aus, die der Erdbebendienst offiziell mit einer Magnitude von 2,7 aufzeichnete.“
„Am 14.04.2024 brachen vom Piz Scerscen (Kanton Graubünden, Wallis, Schweiz) 3,5 Millionen Kubikmeter Fels ab und rissen in der Folge zwei Millionen Kubikmeter Gletschereis sowie Schnee mit. Die Masse bewegte sich sechs Kilometer weit; zum Glück kamen keine Personen im beliebten Wandergebiet zu Schaden. Untersuchungen zeigten, dass nebst der geologischen Situation vor allem auch Wasser eine bedeutende Rolle für die Auslösung gespielt hat. Für den langen Fließweg von sechs Kilometern spielte auch der mitgerissene Schnee eine bedeutende Rolle, wie Simulationen zeigten.“
„Am 28.05.2025 brach der Birchgletscher (Kanton Wallis, Schweiz) unter dem Gewicht von rund 3,5 Millionen Kubikmeter Geröll zusammen, die sich aus laufenden Abstürzen von instabil gewordenen Felspaketen vom Kleinen Nesthorn gebildet hatten. Insgesamt wird das Gesamtvolumen von Fels und Eis auf zehn Millionen Kubikmeter geschätzt. Das Ereignis zerstörte etwa 90 Prozent der Ortschaft Blatten im Lötschental. Eine Person kam außerhalb der Evakuierungszone ums Leben. Das Ereignis erzeugte ein seismisches Signal in der Höhe von 3,1 auf der Richterskala.“
Anm. d. Red.: Herr Bründl ist ehemaliger Leiter des Forschungsprogramms CCAMM – Climate Change Impacts on Alpine Mass Movements . Dazu auch [1] .
Alle: Keine Angaben erhalten.
Literaturstellen, die von den Expert:innen zitiert wurden
[1] Bründl M et al. (2025): WSL-Forschungsprogramm Climate Change Impacts on Alpine Mass Movements - CCAMM: Synthesebericht. DOI: 10.55419/wsl:41978.
Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden
[I] Islam N et al. (2025): A growing threat of multi-hazard cascades highlighted by the Birch Glacier collapse and Blatten landslide in the Swiss Alps. Geology Today. DOI: 10.1111/gto.12526.
[II] Büntgen U et al. (2025): The 2025 Blatten disaster in the Swiss Alps followed exceptional warming and highlights the vulnerability of people and heritage in glaciated landscapes. Communication Earth & Environment. DOI: 10.1038/s43247-025-02994-8.
[III] Science Media Center (2025): Ursachen und Folgen von Naturgefahren in den Alpen. Statements. Stand: 23.05.2025.
Prof. Dr. Jan Beutel
Professor mit Schwerpunkt Hochalpine Kryosphäre, Universität Innsbruck, Österreich
Prof. Oliver Korup, Ph.D
Professor für Geohazards, Leiter der Arbeitsgruppe Naturgefahren, Universität Potsdam
Prof. Dr. Jan Blöthe
Tenure-Track-Professor für Geomorphologie und rezente Morphodynamik, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Dr. Michael Bründl
Leiter Forschungsgruppe Risiko und Resilienz, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), Davos Dorf, Schweiz