El-Niño-Prognose und Ozeantemperaturen
NOAA-Prognose hält El Niño-Eintritt im Zeitraum Mai bis Juli für sehr wahrscheinlich
ENSO (El Niño–Southern Oscillation) ist ein Ozean-Atmosphäre-Phänomen im tropischen Pazifik, das sich in warmen (El Niño), kalten (La Niña) oder neutralen Phasen äußert; es hat Auswirkungen auf Wetter und Extremereignisse
Expertinnen und Experten sehen eindeutige Hinweise auf eine Entwicklung in Richtung eines El-Niño-Ereignisses; Zeitpunkt, Stärke und konkrete Auswirkungen bleiben jedoch weiterhin unsicher
Laut der Nationalen Ozean und Atmosphärenbehörde der Vereinigten Staaten (NOAA) wird ein El-Niño-Ereignis in diesem Jahr wahrscheinlicher. Dies geht aus dem monatlichen Statusbericht des Klimaprognosezentrums hervor, der am 14.05.2026 veröffentlicht wurde (siehe Primärquelle). Demnach ist die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño im Zeitraum Mai bis Juli 2026 eintritt, auf 82 Prozent gestiegen (Grafik 7, Primärquelle). Laut der aktuellen Prognosen wird das El-Niño-Ereignis über den Nordwinter 2026/27 im Zeitraum Dezember bis Februar weiterbestehen. Bereits im Vormonatsbericht [I] deuteten steigende Meeresoberflächentemperaturen im östlichen und zentralen äquatorialen Pazifik auf einen Umschwung der derzeit herrschenden neutralen Bedingungen hin.
Laut Daten des Klimaprognosezentrums stieg der Wärmegehalt der oberen 300 Meter des äquatorialen Pazifiks im Bereich zwischen 180 Grad und 100 Grad westlicher Länge sowie 5 Grad südlicher und 5 Grad nördlicher Breite den sechsten Monat in Folge an (Grafik 3, Primärquelle). In der sogenannten Niño 3.4 Region [II] lag der wöchentliche Indexwert, das heißt die Abweichung der Meeresoberflächentemperatur vom langjährigen Durchschnitt, bei plus 0,4 Grad (Grafik 2, Primärquelle). Auch in anderen Regionen der Welt herrschen derzeit ungewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperaturen [III]. Während die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines El-Niño-Ereignisses zugenommen hat, besteht hinsichtlich der Stärke des Ereignisses und des möglichen Auftretens eines sehr starken „Super-El Niño“ weiterhin erhebliche Unsicherheit. Derzeit übersteigt keine Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Stärkekategorie („moderat“ bis „sehr stark“) den Wert von 37 Prozent (Grafik 8, Primärquelle).
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Atmosphärische Strahlung, Institut für Meteorologie, Universität Leipzig
Meeresoberflächentemperaturen
„Tatsächlich rütteln die Meeresoberflächentemperaturen seit Mitte März am Rekord von 2024. Insbesondere der subäquatoriale Nordostpazifik, westlich von Mexiko, ist sehr warm. Der tropische Ostpazifik (Niño-1.2-Region) ist mittlerweile bereits substanziell durch den kommenden El Niño erwärmt. Etwas weniger im Vergleich zu 1997 oder 2023, jedoch mit einer ähnlichen Dynamik. In der Niño-3.4-Region liegen die Werte dagegen zumindest über denen von 2023.“
„Die anderen Ozeanbecken zeigen Variabilität im Bereich normaler Zirkulationsmuster mit niedriger Frequenz – natürlich insgesamt erwärmt auf 2026er Level. Der Nordatlantik ist nach den wind-getriebenen Spitzenwerten wieder auf ‚normalem‘ Niveau unterwegs. Wind-getrieben meint hier, dass die Winde in den Jahren 2023 und 2024 deutlich geringer als normal gewesen sind, was wegen fehlender Durchmischung zu zusätzlicher Erwärmung führt.“
Unsicherheiten in den Frühjahrsprognosen
„Am Ende entscheiden die Passatwinde beziehungsweise die Stärke der sogenannten (sub-) tropischen Walker-Zirkulation (Windsystem über dem äquatorialen Pazifik; Anm. d. Red.), wie stark ein El Niño werden kann. Das ist über den Winter hochvariabel, sodass man erst im Frühjahr das ‚Ergebnis‘ sieht und entsprechend das Potenzial für das verbleibende Jahr abschätzen kann. Ablesen kann man es vor allem an der sogenannten equatorial upper-ocean heat anomaly. Das ist der Wärmegehalt der oberen 300 Meter im Bereich zwischen 180 Grad und 100 Grad westlicher Länge sowie 5 Grad südlicher und 5 Grad nördlicher Breite. Diese Werte haben mittlerweile den Rekord von 1997 fast erreicht, weswegen davon ausgegangen wird, dass wir jetzt nach 2015 einen weiteren Super-El Niño [IV] erleben könnten.“
„Allerdings bleibt die genaue Vorhersage auch jetzt noch schwierig, da die Stärke letztlich ebenfalls wieder von der atmosphärischen Zirkulation abhängt. Es braucht tropische Wirbelstürme, um sogenannte West-Wind-Bursts auszulösen, die wiederum ozeanische Schwerewellen (Kelvinwellen) auslösen, welche das kalte Tiefenwasser im Ostpazifik effektiv nach ‚unten drücken’ und damit den Weg für das Wärmereservoir der oberen 300 Meter an die Oberfläche frei machen. Erst dadurch steigen die Meeresoberflächentemperaturen auf Rekordniveau. Ob und wie viele tropischen Wirbelstürme entstehen, lässt sich erst ein bis zwei Wochen im Voraus vorhersagen. Daher bleibt Stand jetzt offen, ob es zum Super-El Niño reicht oder nicht.“
Auswirkungen auf die globale Durchschnittstemperatur
„Sollte es nach 2015/16 zu einem weiteren Super-El Niño kommen, wäre es ein Indiz für die Auswirkungen des Klimawandels. Durch etwas stärkere Passatwinde haben wir längere La-Niña-Phasen, wodurch mehr Wärme im tropischen Pazifik verbleibt, die sich mit jedem zwangsläufig folgenden El Niño umso stärker an der Oberfläche auswirken. Selbst ohne längere La-Niña-Phasen ist jedoch mehr Wärme im System, weswegen stärkere El Niños zu erwarten sind – nur eben nicht häufiger.“
„Auch wenn die Globaltemperaturen 2027 – egal ob nur normaler El Niño oder Super-El Niño – in Richtung 1,6 bis 1,8 Grad im Vergleich zu den vorindustriellen Werten gehen sollten – und es ist ziemlich sicher, dass sie es tun werden – dann entspricht das den Erwartungen der Klimamodelle beziehungsweise unserem Verständnis vom Klimasystem. Die Abnahme insbesondere der chinesischen Aerosolemissionen, sowie unsere unverminderten CO2- und Methan-Emissionen steigern den Strahlungsantrieb kontinuierlich. Die Extremwetterereignisse werden dennoch mit jedem Zehntel Grad häufiger, gefährlicher und teurer. Erst recht, wenn El Niño einen zusätzlichen Boost gibt.“
Auswirkungen auf regionale Witterungsmuster und die Witterung in Europa
„Je nachdem, ob es eher ein Eastern- oder Central-Pacific-El-Niño wird (Eastern-Pacific-El-Niño bezeichnet eine Erwärmung des Oberflächenwassers im östlichen tropischen Pazifik vor der Küste Südamerikas; Central-Pacific-El-Niño hingegen eine Erwärmung im zentralen äquatorialen Pazifik; Anm. d. Red. [V]) – derzeit sieht es so aus, als könnte es sich zum Central-Pacific-El-Niño entwickeln –, hat man globale Telekonnektionsmuster (Fernwirkungen durch Kopplungen zwischen Luftdruck-, Temperatur- oder Zirkulationsmustern in verschiedenen Weltregionen; Anm. d. Red.), die verheerende Dürren und massive Überschwemmungen auslösen. Auf Europa hat El Niño wenig Einfluss, außer dass die Temperaturen im Laufe der ersten sechs bis acht Monate in der Nordhemisphäre höher als normal ausfallen. Sie hinken dem El-Niño-Peak um einige Monate hinterher. Aber das bedeutet nicht, dass der Sommer 2027 besonders heiß ausfallen muss. Die Globaltemperaturen werden wiederum, wie schon erwähnt, in 2027 fast sicher einen neuen Rekord aufstellen.“
Leiterin der Forschungsgruppe Klimamodellierung, Institut für Meereskunde, Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN), Universität Hamburg
Meeresoberflächentemperaturen
„Die globalen Meeresoberflächentemperaturen lagen im April 2026 erneut auf außergewöhnlich hohem Niveau. Für den Bereich zwischen 60 Grad Süd und 60 Grad Nord wurde mit durchschnittlich 21,00 Grad Celsius der zweithöchste je gemessene Aprilwert registriert – nur knapp unter den 21,04 Grad Celsius des Jahres 2024.“ „Im April 2024 fielen die Messungen von 21,04 °C mit dem damals auslaufenden El- Niño-Ereignis zusammen. Im April 2026 zeigt sich hingegen im äquatorialen Pazifik der Übergang in Richtung eines El-Niño-Ereignisses inzwischen deutlich: Bereiche mit noch vor wenigen Wochen durchschnittlichen oder leicht unterdurchschnittlichen Meeresoberflächentemperaturen zeigen nun weitgehend überdurchschnittlich warme Temperaturen. Damit erscheint es möglich, dass die Meeresoberflächentemperaturen im weiteren Jahresverlauf über die Werte von 2024 steigen.“ „Die ungewöhnlich warmen Meeresoberflächentemperaturen beschränken sich dabei nicht nur auf den tropischen Pazifik. Auch viele andere Meeresregionen weltweit verzeichnen deutlich überdurchschnittliche Temperaturen, unter anderem der nordwestliche Nordpazifik, Teile des östlichen Nordpazifiks, der westliche Nordatlantik sowie rund um Europa das Mittelmeer und das Europäische Nordmeer.“
Unsicherheit in der Prognose
„Ein El-Niño-Ereignis entsteht durch das Zusammenspiel von Atmosphäre und Ozean. Der Zustand des Ozeans weist derzeit sehr deutlich in Richtung eines aufkommenden El-Niño-Ereignisses. Die Frage ist daher weniger, ob sich ein El-Niño-Ereignis entwickelt, sondern eher, wann ein solches Ereignis einsetzt und wie stark es ausfallen wird.“ „Die stärksten El-Niño-Ereignisse entstehen dann, wenn sich Atmosphären- und Ozeanzustand gegenseitig verstärken. Entscheidend wird die Entwicklung dieses Zusammenspiels im Sommer sein. Während sich die Entwicklung des Ozeans bereits jetzt vergleichsweise gut vorhersagen lässt, ist es für belastbare Aussagen zur Atmosphäre noch zu früh. Denn gerade die atmosphärischen Prozesse sind nur begrenzt vorhersagbar. Deshalb bleiben Unsicherheiten bestehen – insbesondere bei der Frage, wann ein solches El-Niño-Ereignis genau einsetzt und wie stark es ausfallen wird.“
„Super-El Niño“
„Die Jahre 2014 bis 2016 haben gezeigt, dass El-Niño-Bedingungen über einen langen Zeitraum bestehen können, bevor sich schließlich ein starkes El-Niño-Ereignis entwickelt. Auch im Mai 2014 wurde bereits ein ‚Super-El Niño‘ vorhergesagt. Ein sehr starkes El-Niño-Ereignis entwickelte sich dann tatsächlich erst 2015/2016.“ „Ein starkes El-Niño-Ereignis bedeutet nicht automatisch auch besonders starke Auswirkungen. Allerdings macht ein solches Ereignis bestimmte Auswirkungen wahrscheinlicher. Auch ein schwaches El-Niño-Ereignis kann typischerweise weitreichende Folgen haben – sowohl in den direkt an den Pazifik angrenzenden Küstenregionen als auch in vielen anderen Teilen der Welt.“ „Ein El-Niño-Ereignis selbst ist ein natürliches Klimaphänomen. Inwiefern sich dessen Stärke oder Häufigkeit durch den fortschreitenden Klimawandel verändern, lässt sich aufgrund der großen Variabilität von El-Niño- und La-Niña-Ereignissen bislang noch nicht eindeutig sagen (Verweis auf weiterführendes SMC-Angebot; Anm. d. Red.).“
„Super-El Niño“ in der Berichterstattung
„Wie bei der Diskussion vieler Klimaereignisse besteht auch hier die Gefahr, die außergewöhnlich warmen Temperaturen im tropischen Pazifik vorschnell als Zeichen eines unmittelbar bevorstehenden ‚Super-El Niño‘ zu interpretieren. Während der Zustand des Ozeans klar in Richtung eines El-Niño-Ereignisses weist, ist für ein starkes Ereignis zudem entscheidend, wie sich die Atmosphäre entwickelt. Gerade diese atmosphärischen Prozesse lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt schlichtweg nicht verlässlich vorhersagen.“ „Mit dem Begriff ‚Super-El Niño‘ wäre ich aus zweierlei Gründen vorsichtig: Einerseits kann er missverstanden werden, weil er automatisch mit besonders dramatischen Auswirkungen verbunden wird. Andererseits ist derzeit keineswegs sicher, ob sich tatsächlich ein außergewöhnlich starkes Ereignis entwickelt.“ „Die derzeitigen und vergangenen Klimaentwicklungen zeigen bereits deutlich genug, wie stark der Mensch das Klimasystem verändert hat. Umso wichtiger bleibt es, dort, wo es Unsicherheiten gibt, diese auch transparent zu kommunizieren. In diesem Fall heißt das: Es gibt klare Hinweise auf eine Entwicklung in Richtung eines El-Niño-Ereignisses. Zeitpunkt, Stärke und konkrete Auswirkungen bleiben jedoch weiterhin unsicher.“
Auswirkungen auf die Witterung in Europa
„Für Europa bleibt ein El-Niño-Ereignis allerdings nur ein Einflussfaktor unter vielen. Mögliche Mechanismen sind insbesondere für den Winter untersucht worden. Für die Entwicklung der Sommertemperaturen über Europa sind die ungewöhnlich hohen Temperaturen im Nordatlantik zunächst von potenziell größerer Relevanz. Die sich dort derzeit ausbildenden Muster ähneln teilweise bekannten Vorläufermustern von Hitzewellen.“ „Und auch wenn ein einzelnes El-Niño-Ereignis nicht unmittelbar auf den Klimawandel zurückgeführt werden kann, dürften sich die ungewöhnlich warmen Ozeantemperaturen des äquatorialen Pazifiks in der global gemittelten Temperatur im Jahr 2026 bemerkbar machen. Zusammen mit der fortschreitenden globalen Erwärmung dürfte sich dies in einem insgesamt sehr warmen Jahresmittel 2026 und möglicherweise auch 2027 zeigen.“ „Insgesamt zeigt sich damit erneut: Der menschengemachte Klimawandel mit seinen konkreten Auswirkungen ist längst Realität. Der Klimawandel ist gekommen, um zu bleiben. Kurzfristig müssen wir dieser Realität ins Auge sehen. Langfristig macht es einen entscheidenden Unterschied, was wir jetzt tun.“
Professor an der School of Earth, Atmosphere and Environment, Faculty of Science, Monash University, Melbourne, Australien
Meeresoberflächentemperaturen
„Die akutellen Bedingungen im tropischen Pazifik deuten klar auf eine Entwicklung hin zu einem El-Niño-Ereignis zum Ende des Jahres. Dies ist vor allem auf die starke Erwärmung des tropischen Pazifiks unterhalb der Meeresoberfläche zurückzuführen [1]. Es deute sich auch schon an der Oberfläche an das sich ein El-Niño-Ereignis entwickelt. Die globalen Meeresoberflächentemperaturen allgemein sind im langzeitlichen Vergleich sehr warm, was durch die globale Erwärmung verursacht ist. Der Nordatlantik ist im Vergleich zu 2023/24 eher relativ kühl.“
Unsicherheit in der Vorhersage
„El Niño entwickelt sich in den Monaten von Mai bis Oktober, meist gut vorhersagbar aufgrund von starken Wechselwirkungen zwischen den Meeresoberflächentemperaturen, den Winden und der Schichtung des oberen äquatorialen, pazifischen Ozeans. In den Monaten davor (Februar bis April) sind diese Wechselwirkungen viel schwächer, was zu eher chaotischen, unvorhersehbaren Entwicklungen führt.“
„In den vergangenen Jahrzehnten habe Modellvorhersagen meist El-Niño-Ereignisse überschätzt – sie haben El-Niño-Ereignisse von unterschiedlichen Stärken vorhergesagt, die sich meist schwächer und gar nicht entwickelt haben. Es ist auch diesmal möglich das die Modelle die Stärke des kommenden El-Niño-Ereignis überschätzen und es schwächer ausfällt.“
„Super-El Niño“
„‚Super-El Niño‘-Ereignisse lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich vorhersagen. Das wird sich erst in der späteren Hälfte des Jahres zeigen. Wie sich die El-Niño-Variabilität in der Zukunft verändern wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt äußerst unsicher.“
ENSO-Variabilität
„Ein wichtiger Aspekt, der in diesem Zusammenhang erwähnt werden sollte, ist der beobachte Trend des tropischen Pazifiks in den vergangenen Jahrzehnten. Hier wurde ein ungewöhnlicher Trend mit einer relativ geringen Erwärmung im äquatorialen Ostpazifik beobachtet, der nicht mit den Modellvorhersagen übereinstimmt, die eine El Niño-artige Erwärmung vorhersagen [2]. Es gibt einige Studien, die nahelegen, dass sich dieser Trend sehr bald umkehren könnte, und wir deutlich häufiger El-Niño-Bedingungen haben werden. Dies hätte massive Auswirkungen auf die globalen Regen- und Dürre-Muster und würde die globale Erwärmung deutlich beschleunigen. Es gibt aber auch Studien, die dem Widersprechen und davon ausgehen, dass der beobachte La Niña-ähnliche Trend noch Jahrzehnte anhalten wird.“
Auswirkungen auf regionale Witterungsmuster
„Bei dem El-Niño-Ereignis zum Ende dieses Jahres muss mit den typischen Auswirkungen zurechnen sein – beispielsweise ein schwacher indischer Monsun, mehr Regen in der Pazifikregion Südamerikas und trockenere Bedingungen in Australien. Wenn es gar ein sehr starkes ‚Super-El Niño‘-Ereignis wird, dann könnten die langfristigen Auswirkungen im Jahr 2027 und darüber hinaus sehr deutlich werden, mit einer Beschleunigung der Erderwärmung, und einer Trendumkehr in tropischen Pazifik, die die Trends in den Regenmustern in den tropischen und subtropischen Gebieten stark beeinflussen würden.“
Professor für Meteorologie, Leiter der Arbeitsgruppe Tropische Meteorologie, Institut für Meteorologie und Klimaforschung, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Karlsruhe
Meeresoberflächentemperaturen
„Im zentralen tropischen Pazifik liegen die Anomalien der Meeresoberflächentemperaturen gemittelt über die vergangenen Wochen bei etwa plus 0,5 Grad, nahe der südamerikanischen Küste bei circa plus 1,0 Grad. Diese aktuellen Werte gelten (noch) nicht als Rekordwerte. Global gesehen sind die Meeresoberflächentemperaturen aber im Bereich des Rekordjahres 2024. Im Atlantik werden derzeit allerdings keine Rekordtemperaturen gemessen, zu den hohen Werten tragen andere Ozeanbecken wie der Nordpazifik bei.“
Unsicherheit in der Vorhersage
„Die Genauigkeit der Vorhersage verbessert sich typischerweise nach dem späten Frühling. Einerseits wird dann im Westpazifik das Erwärmungssignal von El Niño in Tiefen von etwa 100 bis 200 Meter schon deutlich sichtbar. Dieses Erwärmungssignal wandert durch gut vorhersagbare Phänomene in den obersten Schichten des Ozeans in ein bis zwei Monaten bis vor die Küste nach Südamerika, wo die Erwärmung dann auch die Meeresoberfläche erreicht, was wir derzeit beobachten. Unter anderem dadurch ist nach dem April die Koppelung zwischen Ozean und Atmosphäre über dem Pazifik stärker und von den Modellen daher auch besser vorhersagbar. Daher ist ziemlich sicher – mehr als 82 Prozent –, dass wir bald El-Niño-Bedingungen haben werden. Bezüglich der Stärke gibt es aber noch große Unsicherheiten, keine Stärke-Kategorie hat eine Wahrscheinlichkeit von über 37 Prozent. Dies liegt einfach an vielen, derzeit nicht oder kaum vorhersagbaren Einflussfaktoren, die im kommenden Sommer auf das anlaufende Ereignis im Pazifik einwirken. Hierzu gehört beispielsweise die Gewittertätigkeit über dem tropischen Westpazifik.“
ENSO-Variabilität
„Ich würde die Abfolge definitiv noch im Rahmen einer natürlichen Variabilität sehen. In den vergangenen 35 Jahren gab es sogar einen leichten Überschuss an La Niña Phasen, also der ‚kalten Schwester‘ von El Niño. Leider sind die Aussagen über die zukünftige Häufigkeit und Intensität von El-Niño- und La-Niña-Ereignissen noch nicht hinreichend abgesichert, was aber auch bedeutet, dass ein positiver Trend, wie es einige Studien zeigen, nicht ausgeschlossen werden darf. Was gesagt werden kann: Es wird in Zukunft weiter eine Abfolge von El-Niño- und La-Niña Ereignissen unterschiedlicher Intensität geben, deren Fernwirkungen aber in einer wärmeren und feuchteren Atmosphäre verstärkt werden. Forschungen, an denen das KIT beteiligt ist, weisen beispielsweise darauf hin, dass der Überschuss an La Niña-Phasen in einer bereits durch menschliche Aktivitäten erwärmten Atmosphäre maßgeblich an den Dürren der vergangenen beiden Jahrzehnte in Ostafrika beteiligt ist.“ ‘
„Super-El Niño“ in der Berichterstattung
„Medien sollten Wahrscheinlichkeiten – beispielsweise 82 Prozent für das Auftreten, 96 Prozent für die Fortdauer – klar benennen, aber gleichzeitig betonen, dass die Stärke noch ungewiss ist, um Über- beziehungsweise Untertreibungen zu vermeiden. Ich sehe auch den Begriff ‚Super-El Niño‘ kritisch. Wir sprechen von einem starken beziehungsweise sehr starkem Ereignis. Selbst wenn dieses Ende dieses Jahres auftreten würde, sind nicht unbedingt die Fernwirkungen auch stark. Bekanntes Beispiel ist der starke El Niño 1997/1998, bei dem eine erwartete starke Dürre im südlichen Afrika ausblieb. Insgesamt ist die Kommunikation von Unsicherheiten aber ein schwieriges Problem, wenn nicht konkrete Beispiele aus der Lebenserfahrung der Menschen benannt werden können.“
Auswirkungen auf die Witterung in Europa und die globale Durchschnittstemperatur
„Für die Witterung in Europa lassen sich keine belastbaren Aussagen treffen. Das Ereignis ist dafür viel zu weit entfernt und das Signal wird durch zufällige, nicht vorhersagbare Witterungsschwankungen über dem extratropischen Atlantik zu stark überlagert. Es gibt war Studien, die einen Zusammenhang mit einem mildem Winter in Nordeuropa oder mehr Niederschlägen in Südeuropa im Frühjahr diskutieren, aber die Stärke der gefundenen Wechselbeziehungen ist so schwach, dass hier in meinen Augen gegenüber der Öffentlichkeit kommuniziert werden muss, dass wir keine belastbaren Auswirkungen angeben können.“
„Die globale Mitteltemperatur wird durch ein El-Niño-Ereignis um etwa 0,1 bis 0,2 Grad erhöht, weil weniger Wärme im tropischen Pazifik gespeichert wird. Da wir in den zurückliegenden Monaten die dritt- oder viertwärmsten globalen bodennahen Temperaturen beobachtet haben, erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit, dass wir 2026, besonders aber 2027 den bisherigen Rekordwert von 2024 einstellen könnten. Eine konkrete Wahrscheinlichkeit dafür kann ich derzeit nicht angeben.“
Arbeitsgruppenleiter, Abteilung Klimadynamik, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven
Meeresoberflächentemperaturen
„Die Entwicklung erinnert an die Situation im Frühjahr 2023, als die globalen Meerestemperaturen begannen, die Höchstwerte früherer Jahre mit immer größerem Abstand zu übertreffen. Aktuell sind die Temperaturen bereits spürbar oberhalb der Werte von 2023 und gleich auf mit den bisherigen Rekorden von 2024, welche mit dem El-Niño-Ereignis von 2023/24 einhergingen. Wie im Frühjahr 2023 dürfte das beginnende El-Niño-Ereignis aktuell aber noch keinen klaren Einfluss auf die globalen Temperaturen haben. Die aktuelle Entwicklung ähnelt also der Situation von 2023, mit dem Unterschied, dass die globale Erwärmung in den vergangenen drei Jahren weiter vorangeschritten ist. Die räumlichen Muster der Temperaturanomalien sind jedoch etwas anders. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass diesmal der Nordpazifik deutlich stärker betroffen ist, wohingegen der Nordatlantik keine außergewöhnlichen Wärmeanomalien zeigt. Das war 2023 anders, als schwache Passatwinde im Nordatlantik dort zu fehlender Verdunstungskühlung und Durchmischung des Ozeans führten. Diesmal ist der pazifische Ozean vor der Küste Kaliforniens und Mexikos besonders stark aufgeheizt.“
Unsicherheit in der Vorhersage
„El-Niño- und La-Niña-Bedingungen richten sich typischerweise im Nordsommer ein und intensivieren sich dann im Verlauf von Herbst und Winter. In der zweiten Jahreshälfte beeinflussen sich die Windsysteme und die Muster der Meerestemperaturen besonders stark und tendieren dazu, sich gegenseitig zu verstärken. Im Nordfrühling hingegen lässt diese Kopplung nach und der Zustand des Atmosphäre-Ozean-Systems wird chaotischer. In dieser Zeit können also Zufallsschwankungen beispielsweise der Winde oder der Gewitterbildung im Bereich des äquatorialen Pazifiks besonders leicht neu auswürfeln, ob sich die Muster in Richtung El Niño oder La Niña verschieben. Warum eine solche Saisonalität überhaupt vorliegt, ist sehr kompliziert und hat mit Wechselwirkungen zwischen der jahreszeitlichen Verschiebung der Sonneneinstrahlung und damit von Wind- und Temperaturverteilungen sowie mit der asymmetrischen Verteilung der Kontinente zwischen Nord- und Südhalbkugel zu tun.“
„Trotz der Unsicherheiten, die aktuell noch durch zufällige Störungen den ENSO-Zustand spürbar beeinflussen können, sind die Vorhersagen sich bereits sehr einig darüber, dass sich ein El-Niño-Ereignis entwickeln dürfte. Aktuell besonders auffällig und ein klares Anzeichen für ein beginnendes El-Niño-Ereignis ist ungewöhnlich warmes Wasser unter der Meeresoberfläche im äquatornahen Pazifik. Während ein El-Niño-Ereignis also bereits sehr wahrscheinlich ist, gibt es noch Unsicherheiten, was dessen Stärke angeht. Nach den Vorhersagen, die dem NOAA-Bericht zugrunde liegen, liegt die Wahrscheinlichkeit für ein ‚sehr starkes‘ Ereignis – man könnte dann von ‚Super-El Niño‘ sprechen – derzeit bei etwa einem Drittel; jeweils etwa ein weiteres Drittel Wahrscheinlichkeit entfallen auf ein ‚starkes‘ beziehungsweise ein ‚schwaches bis moderates‘ Ereignis.
ENSO-Variabilität und „Super-El Niño“
„Das womöglich gehäufte Auftreten vergleichsweise starker Ereignisse in den Jahren 2015/16, 2023/24 und möglicherweise 2026/27 ist durchaus noch konsistent mit einer ‚normalen‘, zufälligen Abfolge von ENSO-Zuständen. Gleichzeitig bekommt die Frage, ob beziehungsweise wie der Klimawandel den Charakter der ENSO-Schwankungen beeinflusst, jüngst wieder mehr Aufmerksamkeit in der Klimaforschung (Verweis auf weiterführendes SMC-Angebot; Anm. d. Red.). Das liegt nach meinem Eindruck weniger an Beobachtungen möglicher Änderungen, sondern eher daran, dass neuere rechenintensive Klimasimulationen mit besonders feinen Rechengittern zum Teil eine auffällige Entwicklung der ENSO-Schwankungen zeigen. In solchen Simulationen treten El-Niño-Ereignisse mit fortschreitender globaler Erwärmung zunehmend regelmäßig und intensiv auf, wobei auch die Auswirkungen auf andere Regionen deutlich stärker werden [3]. Sollte eine solche Entwicklung Realität werden, könnte El Niño in Zukunft noch dominanter werden für Klimaschwankungen in fast allen Regionen der Erde, einschließlich Europa. Das ist aber längst noch nicht klar.“
„Super-El Niño“ in der Berichterstattung
„Ich sehe hierbei im Grunde keine besonderen Schwierigkeiten, die über das hinausgehen würden, was wir von kurzfristigen Wettervorhersagen kennen. Wenn sich beispielsweise ein Hurrikan in den Vorhersagen abzeichnet, jedoch nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, tut sich auch niemand einen Gefallen, zu sagen, ein Hurrikan sei definitiv vorhergesagt.“
„Sagt man hingegen, dass sich mit etwa 30-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Hurrikan bilden wird, der dann möglicherweise Florida treffen könnte, kann jeder etwas damit anfangen und sollte umgekehrt nicht überrascht sein, wenn der Hurrikan ausbleibt. So ähnlich ist es mit der aktuellen El-Niño-Prognose, nach der die Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes ‚Super-Ereignis‘ bei 30 bis 40 Prozent liegt. Und auch hier ist dann wiederum noch nicht klar, in welchen Regionen genau welche Auswirkungen eintreten werden. Ich glaube, dass die meisten Menschen mit solchen Aussagen durchaus umgehen können.“
„Vermieden werden sollten zu stark vereinfachende bis falsche Aussagen, die tatsächlich falsche Erwartungen wecken könnten. Es sollte zum Beispiel nicht der Eindruck entstehen, dass allerorts durch El Niño mit regional zusätzlich erhöhten Temperaturen zu rechnen sei, nur weil El Niño die globale Mitteltemperatur kurzfristig in die Höhe treibt. Die räumlichen Muster der Temperatur- und Niederschlagsänderungen sind komplex, und der Effekt auf die globale Mitteltemperatur liegt vor allem an den erhöhten Temperaturen im tropischen Pazifik, weniger an den Temperaturen an Land, geschweige denn in Europa.“
Auswirkungen auf die Witterung in Europa und die globale Durchschnittstemperatur
„Sollte sich tatsächlich ein möglicherweise starkes El-Niño-Ereignis entwickeln, ist es wahrscheinlich, dass der globale Temperaturrekord von 2024 nach nur drei Jahren im Jahr 2027 übertroffen wird. Derzeit sieht es tatsächlich ganz danach aus, wenngleich die Stärke des kommenden Ereignisses noch unsicher ist.“
„Zu den klarsten Auswirkungen von El Niño zählen Trockenheit und erhöhtes Risiko für Feuer im Westpazifik um Indonesien und Nordaustralien sowie im südlichen Afrika, aber auch erhöhte Starkregengefahr an der Westküste Südamerikas um Ecuador und in Ostafrika. Auch ein feuchterer Winter im Süden der USA und ein schwächerer Monsun in Indien sowie eine Abschwächung von Hurrikanen im Nordatlantik können mit El Niño einhergehen.“
„Die Auswirkungen von El Niño auf Europa sind meist schwach ausgeprägt und werden von unabhängigem ‚Wetterrauschen‘ stark überlagert. Es gibt eine gewisse Tendenz dazu, dass die sogenannte Nordatlantik-Oszillation im Winter während El Niño eher negativ ausfällt und zu eher feuchten Bedingungen in Südeuropa und eher trockenen Bedingungen in Nordeuropa führt. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass solche Telekonnektionen (Fernwirkungen durch Kopplungen zwischen Luftdruck-, Temperatur- oder Zirkulationsmustern in verschiedenen Weltregionen; Anm. d. Red.) sich mit fortschreitendem Klimawandel verstärken könnten. Möglicherweise könnten El-Niño-Vorhersagen in Zukunft also auch unmittelbar für uns in Europa an Bedeutung gewinnen.“
Professor für Klima und Umweltphysik, Universität Bern, Schweiz
Meeresoberflächentemperaturen
„Die globalen Meeresoberflächentemperaturen liegen derzeit weiterhin auf außergewöhnlich hohem Niveau und nur knapp unter den Rekordwerten von 2024. Besonders stark tragen aktuell der tropische Pazifik, insbesondere vor der Küste Perus und Baja Californias (mexikanischer Bundestaat im Nordwesten des Landes; Anm. d. Red.), sowie mehrere marine Hitzewellen in anderen Ozeanbecken zu den globalen Temperaturanomalien bei.“
ENSO-Variabilität
„Während 2024 stark durch El Niño geprägt war, befinden wir uns derzeit noch in einer neutralen Phase der ENSO-Zirkulation, allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines neuen El Niño in den kommenden Monaten. Da der Ozean durch den menschengemachten Klimawandel bereits stark erwärmt ist, wird ein El Niño die globale Erwärmung zusätzlich verstärken und die Wahrscheinlichkeit neuer Temperaturrekorde sowie intensiver mariner Hitzewellen deutlich erhöhen.“
Auswirkungen auf die Witterung in Europa und die globale Durchschnittstemperatur
„Welche Auswirkungen dies auf Europa hat, bleibt jedoch unklar, da El Niño vor allem das Klima und die Wetterextreme in den Tropen beeinflusst und der Einfluss auf Europa vergleichsweise schwach und indirekt ist. Laut des Weltklimarates bleibt zudem unsicher, ob El-Niño-Ereignisse künftig häufiger oder stärker werden. Es gilt jedoch als sehr wahrscheinlich, dass die damit verbundenen Klima- und Niederschlagsextreme in einer wärmeren Welt intensiver ausfallen werden.“
Research Scientist, Forschungsabteilung Klimavariabilität, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg
Meeresoberflächentemperaturen
„Zurzeit weisen große Teile der Weltmeere deutlich erhöhte Temperaturen auf. Besonders betroffen ist der Nordpazifik, in dem in den vergangenen Jahren großflächige marine Hitzewellen auftraten. Der sogenannte ‚Warm-Blob‘, der seit 2013 im Nordpazifik beobachtet wird, wird sowohl mit natürlichen Klimaschwankungen als auch mit der globalen Erwärmung in Verbindung gebracht. Auch im tropischen Nordpazifik sowie entlang der südamerikanischen Küste werden derzeit außergewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperaturen gemessen. Im Gegensatz dazu zeigt der subpolare Nordatlantik eine ausgeprägte Abkühlung.“
Unsicherheit in der Prognose
„Die Vorhersagbarkeit von ENSO ist heutzutage zwar hoch, wird jedoch durch die chaotische Dynamik des Klimasystems, die sogenannte saisonale Vorhersagebarriere sowie Wechselwirkungen mit anderen Klimaphänomen begrenzt. Vorhersagen, die zwischen Januar und Mai erstellt werden, sind daher häufig mit größeren Unsicherheiten behaftet. Zuverlässige Aussagen über die genaue Stärke und Dauer eines ENSO-Ereignisses sind meist erst ab dem Spätsommer möglich.“
ENSO-Variabilität
„Die Auswirkungen des Klimawandels auf Häufigkeit und Intensität von ENSO sind bislang nicht eindeutig geklärt. Selbst moderne gekoppelte Klimamodelle haben Schwierigkeiten, die beobachteten Klimaschwankungen und langfristigen Trends im tropischen Pazifik realistisch nachzubilden. Insbesondere der beobachtete Abkühlungstrend im Ostpazifik sowie die Verstärkung der Walker-Zirkulation (Windsystem über dem äquatorialen Pazifik; Anm. d. Red.) in den vergangenen Jahrzehnten werden bislang nur von Klimamodellen mit sehr hoher räumlicher Auflösung simuliert.“ „Die Auswirkungen eines El-Niño-Ereignisses sind komplex und hängen stark vom jeweiligen Klimagrundzustand zum Zeitpunkt seiner Entstehung ab, etwa von einem Abkühlungstrend im östlichen Pazifik oder ungewöhnlich warmem Wasser im zentralen Nordpazifik.“
„Super-El Niño“
„Als ‚Super-El Niño‘ werden besonders starke Ereignisse bezeichnet, bei denen die Anomalien der Meeresoberflächentemperatur über längere Zeit mehr als zwei Grad betragen. Dieser Schwellenwert besitzt jedoch keine besondere physikalische Bedeutung. Ein sehr starkes El-Niño-Ereignis führt nicht zwangsläufig zu stärkeren Auswirkungen, sondern erhöht vor allem die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens.“
Auswirkungen auf die Witterung in Europa
„Der Einfluss von El Niño auf Europa ist komplexer und deutlich weniger direkt als in der Pazifikregion. Im Winterhalbjahr, insbesondere ab Januar, kann El Niño den Polarwirbel beeinflussen und dadurch die Wahrscheinlichkeit häufiger starker Kaltlufteinbrüche in Nord- und Mitteleuropa deutlich erhöhen. Starke und langanhaltende El-Niño-Ereignisse könnten zudem im darauffolgenden Frühjahr und Sommer zu einer verstärkten Erwärmung des tropischen Nordatlantiks sowie zu häufigeren und intensiveren Hitzewellen in Südeuropa beitragen.“
„Ein prognostiziertes starkes El-Niño-Ereignis ist daher kein Anlass für Katastrophenszenarien, kann jedoch helfen, mögliche Auswirkungen in Europa frühzeitiger einzuschätzen und entsprechende Vorbereitungen zu treffen.“
„Ich sehe keine Interessenkonflikte.“
„Ich erkläre hiermit, dass keine Interessenkonflikte bestehen.“
„Es liegen keine Interessenkonflikte vor.“
Alle anderen: Keine Angaben erhalten
Primärquelle
Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA): El Niño / Southern oscillation (ENSO) diagnostic dicussion. 14.05.2026.
Weiterführende Recherchequellen
Science Media Center (2022): Wie entwickeln sich La Niña und El Niño im Klimawandel? Statements. Stand: 14.10.2022.
Literaturstellen, die von den Expert:innen zitiert wurden
[1] Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA): Equatorial Temperature Anomaly.
[2] Watanabe M et al. (2024): Possible shift in controls of the tropical Pacific surface warming pattern. Nature. DOI: 10.1038/s41586-024-07452-7.
[3] Stuecker M et al. (2025): Global climate mode resonance due to rapidly intensifying El Niño-Southern Oscillation. Nature communications. DOI: 10.1038/s41467-025-64619-0.
Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden
[I] Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA): El Niño / Southern oscillation (ENSO) diagnostic dicussion. 09.04.2026.
[II] Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA)/ Nationaler Wetter Dienst: ENSO Indices.
[III] Climate Reanalyzer (2026): Daily Sea Surface Temperature. Climate Change Institute, Universität Maine, Vereinigte Staaten von Amerika.
[IV] NASA Jet Propulsion Laboratory: ENSO Index: 1993-Present. Website. 18.05.2025.
[V] Geng T et al. (2022): Emergence of changing Central-Pacific and Eastern-Pacific El Niño-Southern Oscillation in a warming climate. Nature communications. DOI: 10.1038/s41467-022-33930-5.
Dr. Karsten Haustein
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Atmosphärische Strahlung, Institut für Meteorologie, Universität Leipzig
Prof. Dr. Johanna Baehr
Leiterin der Forschungsgruppe Klimamodellierung, Institut für Meereskunde, Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN), Universität Hamburg
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich sehe keine Interessenkonflikte.“
Prof. Dr. Dietmar Dommenget
Professor an der School of Earth, Atmosphere and Environment, Faculty of Science, Monash University, Melbourne, Australien
Prof. Dr. Andreas Fink
Professor für Meteorologie, Leiter der Arbeitsgruppe Tropische Meteorologie, Institut für Meteorologie und Klimaforschung, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Karlsruhe
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich erkläre hiermit, dass keine Interessenkonflikte bestehen.“
Dr. Helge Gößling
Arbeitsgruppenleiter, Abteilung Klimadynamik, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Es liegen keine Interessenkonflikte vor.“
Prof. Dr. Thomas Frölicher
Professor für Klima und Umweltphysik, Universität Bern, Schweiz
Dr. Daniela Matei
Research Scientist, Forschungsabteilung Klimavariabilität, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg