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Wissen von Journalisten
für Journalisten
16.09.2021

SMC Corona Report

Dieser wöchentliche Report des Science Media Center Germany (SMC) fasst das aktuelle Corona-Geschehen anhand relevanter Kennzahlen zusammen und bietet neue Blickwinkel auf die verfügbaren Daten.

Das SMC verschafft Ihnen damit einen raschen Überblick über den Verlauf der gegenwärtigen Pandemie in Deutschland. Wir liefern nicht nur die nackten Zahlen, sondern ordnen die Statistiken und ihre zeitliche Entwicklung auch ein. So können Sie mit einem Blick die sich dynamisch verändernde aktuelle Situation erfassen.

Überblick

  • Die aktuelle Lage
  • Fallzahlen in Deutschland und den Bundesländern
  • Fallzahlen auf den Intensivstationen
  • Fallzahlen in den Altersgruppen
  • Fälle nach Meldedatum
  • Auffällige Kreise
  • Die Datenbasis
  • Corona Zeitreihen – die SMC Apps

Die aktuelle Lage

  • In der bundesweite Impfwoche steigt die Zahl der durchgeführten Impfungen, nicht aber der Erstimpfungen.
  • Inzidenzen bei den unter 55-Jährigen sinken wieder bei steigender Testzahl.
  • ControlCOVID-Strategie schlägt neue Grenzwerte für den Herbst vor.

Mit der bundesweiten Impfwoche soll die Zahl der durchgeführten Impfungen wieder steigen. Vergleicht man die Zahl der gemeldeten Impfungen mit denen der Vorwoche, sieht man aktuell einen Anstieg um etwa 10 000 Impfungen pro Tag. Dies relativiert sich leider, wenn nur die gemeldeten Erstimpfungen betrachtet werden. Hier liegen die Zahlen auf dem Niveau der Vorwoche. Dieser Schluss ist allerdings noch vorläufig, da sich die Zahlen durch Nachmeldungen noch verändern können.

Mit Ausnahme der 0-4-Jährigen sinkt die Inzidenz in allen unteren Altersgruppen. Erst bei den Altersgruppen ab 55 Jahren steigen die Inzidenzen noch, hier hat sich die Geschwindigkeit des Anstiegs aber verlangsamt.

Das RKI hat die ControlCOVID-Strategie für Herbst/Winter 2021/22 veröffentlicht. Sie beinhaltet als Empfehlung das aktualisierte Stufenkonzept, bestehend aus einer Basisstufe und der Stufe 1 und 2 als Verschärfung bei entsprechender epidemiologischer Lage. Als Entscheidungskriterium werden die drei Maßzahlen 7-Tagesinzidenz, 7-Tages-Hospitalisierungsinzidenz und prozentualer Anteil an COVID-Fällen auf den Intensivstationen an allen verfügbaren Betten verwendet. Höhere Stufen sollen ausgelöst werden, wenn zwei der drei Maßzahlen ihre jeweiligen Grenzwerte für die Stufe drei Tage in Folge überschreiten. Bei der Fallinzidenz liegen die Grenzwerte bei 35 bzw. 100 für die Stufen 1 und 2, bei den Hospitalisierungen bei 1,5 und 5 und bei den Intensivbetten bei 3 und 12 Prozent.

Die nachfolgende Tabelle enthält die tagesaktuellen Werte für die beschriebenen Maßzahlen. Tendenziell ist zu sehen, dass bei den vom RKI empfohlenen Grenzwerten die Inzidenz in der Regel als erstes den Grenzwert für eine neue Stufe erreicht, gefolgt von der Intensivbettenbelegung. Die Grenzwerte für die Hospitalisierung werden meist erst erreicht, wenn schon die anderen beiden Maßzahlen ausgeschlagen haben und die jeweilige Stufe erreicht ist. Aktuell ist damit die Hospitalisierungsinzidenz nicht der ausschlaggebende Faktor. Trotzdem kann es sinnvoll sein auch diesen Wert im Auge zu behalten, denn verschiebt sich durch Immunität (Impfung oder Infektion) oder durch Virusvarianten das Verhältnis dieser Maßzahlen zueinander – sinkt also zum Beispiel der Anteil der intensivpflichtigen Fälle – kann es sein, dass die Grenzwerte für die Hospitalisierung früher erreicht werden als die für die Intensivstationen. Eine geänderte Teststrategie hätte wiederum starken Einfluss auf die Inzidenz.

In den Stadtstaaten Hamburg und Bremen ist außerdem zu sehen, dass die grobe Tendenz der Maßzahlen nicht immer stimmen muss, insbesondere wenn das Bundesland klein und damit die Zahl der verfügbaren Krankenhausbetten niedrig ist. In Bremen liegt die Hospitalisierungsinzidenz nur knapp unter der Grenze für die zweite Stufe, während die Intensivstationen noch weit von der Grenze entfernt sind. In Hamburg liegt die Maßzahl für die Intensivstationen nahe der Grenze für die zweite Stufe und könnte sogar früher erreicht werden als die Grenze bei der Inzidenz.

Bundesland Inzidenz Hospitalisierungs-inzidenz Anteil COVID-19-Fälle an ITS
Baden-Württemberg 92.9 2.2 8.6
Bayern 84.3 2.3 8.4
Berlin 85.8 1.3 7.5
Brandenburg 44.2 0.9 2.5
Bremen 112.8 4.8 8.1
Hamburg 65.5 0.7 10.0
Hessen 90.9 2.5 8.2
Mecklenburg-Vorpommern 36.2 0.6 2.5
Niedersachsen 65.6 1.8 7.0
Nordrhein-Westfalen 87.9 2.1 8.0
Rheinland-Pfalz 82.4 2.2 8.0
Saarland 66.1 1.2 7.2
Sachsen 38.0 0.9 2.4
Sachsen-Anhalt 33.1 0.5 0.8
Schleswig-Holstein 40.2 1.2 2.6
Thüringen 49.1 1.2 2.1

Das RKI schlägt die Nutzung der tagesaktuellen Werte der Indikatoren vor, um zu monitoren, wann ein Grenzwert überschritten wird. In diese fließen nachträglich noch Nachmeldungen ein. Dies trifft sowohl die Fall-Inzidenz und in besonders starkem Maße die Hospitalisierungsinzidenz. Wie im Report der vergangenen Woche beschrieben, ist letzterer Wert an das Meldedatum geknüpft – die Hospitalisierungsinzidenz liegt somit tagesaktuell niedriger als real. Das RKI wird diese Grenzwerte also auf der Basis der Werte ohne Nachmeldungen und damit eher niedrig gewählt haben müssen, damit der Indikator die Situation adäquat anzeigen könnte. Sollte es in den Bundesländern unterschiedlich starken Meldeverzug geben, müssen die Grenzwerte für das jeweilige Bundesland entsprechend angepasst werden. Einige Bundesländer nutzen für ihre Regeln Daten aus anderen Quellen, um die tagesaktuelle Situation genauer zu schätzen. Beim Vergleich der Grenzwerte in den verschiedenen Bundesländern muss darauf geachtet werden, dass die Grenzwerte, je nach Datenquelle, unterschiedlich hoch ausfallen können und trotzdem qualitativ das gleiche Infektionsgeschehen beschreiben können: Werden Krankenhauseinweisungen beispielsweise schnell erfasst und regional tagesaktuell abgebildet, spiegelt ein relativ zum RKI-Wert höherer Grenzwert eventuell die gleiche Grenze wieder.

Fallzahlen in Deutschland und den Bundesländern

Die Grafik zeigt die Inzidenzen einmal für alle Altersgruppen und einmal ab 60 Jahren. Die Inzidenzen sinken trotz steigender Zahl durchgeführter Tests. In der Altersgruppen ab 60 Jahren sinkt die Inzidenz noch nicht, das Wachstum hat sich aber verlangsamt.

2021-09-16_Inzidenzen_deutschland.png

Die Grafik zeigt für jeden Tag das prozentuale Wachstum der geglätteten Fallzahlen im Vergleich zur Vorwoche. Dabei werden einmal alle gemeldeten Fälle berücksichtigt und einmal nur Fälle mit einem Alter von mindestens 60 Jahren. Das wöchentliche Wachstum ist negativ und der Rückgang beschleunigt sich aktuell.

2021-09-16_wachstum_fallzahlen.png

Im Folgenden wird das Wachstum der Inzidenz vom 11.09.2021 im Vergleich zur Vorwoche betrachtet. In sieben Bundesländern sinken die Inzidenzen aktuell. Auch in den Bundesländern mit wachsenden Inzidenzen ist zum Teil ein Rückgang des Wachstums ersichtlich.

2021-09-16_wachstum_bundeslaender.png

2021-09-16_fallzahlen_bundeslaender.png

Fallzahlen auf den Intensivstationen

Die Zahl der COVID-19-Fälle auf den Intensivstationen steigt weiter.

2021-09-16_ICU_fallzahlen.png

Einen besseren Eindruck von der aktuell beschleunigten Dynamik bekommt man – wie immer bei exponentiellem Wachstum –, wenn man auf das prozentuale Wachstum schaut. In der folgenden Grafik ist das prozentuale Wachstum der mit COVID-19-Fällen belegten Intensivbetten im Vergleich zur Vorwoche abgetragen. Zusätzlich ist auch das um eine Woche verschobene Wachstum der gemeldeten Fallzahlen der Altersgruppen ab 60 Jahren dargestellt. Da gemeldete Fälle in der Regel erst nach einigen Tagen intensivmedizinisch behandelt werden müssen – sofern sie diese Behandlung benötigen, sind durch diese Verschiebung die Wachstumsraten besser zu vergleichen.

Das Wachstum bei den mit COVID-19-Fällen belegten Betten auf den Intensivstationen hat sich verlangsamt.

2021-09-16_wachstum_ICU.png

Fallzahlen in den Altersgruppen

Die Grafik zeigt die Inzidenzen in den Altersgruppen nach Kalenderwoche.

Die Inzidenz in den Altersgruppen zwischen 5 und 55 Jahren is zuletzt gesunken. In den Altersgruppen ab 55 Jahren steigen die Inzidenzen noch, wenn auch langsamer als in den Vorwochen.

2021-09-16_altersgruppen_abs.png

2021-09-16_altersgruppen_rel_vorwoche.png

Fälle nach Meldedatum

Da die Zahl der neu bestätigten Infektionsfälle (blaue Balken) im Wochenrhythmus schwankt, wird an dieser Stelle auch ein Mittelwert der jeweils vergangenen sieben Tage angegeben (blaue Linie). Da die vergangenen sieben Tage betrachtet werden, läuft dieser Wert den Meldezahlen immer etwas nach.

2021-09-16_fallzahlen_deutschland.png

Auffällige Kreise

Die Tatsache, dass die Kreise in Deutschland sehr unterschiedliche Einwohnerzahlen haben, macht die Vergleichbarkeit schwer. Relative Maßzahlen können bei kleinen Kreisen dazu führen, dass Zufallsschwankungen großen Einfluss haben, große Kreise haben bei gleicher relativer Anzahl viel mehr Fälle, sodass sie bei absoluten Maßzahlen eher auffallen.

Die folgenden beiden Tabellen enthalten vier verschiedene Maßzahlen. Für den 13.09.2021 werden jeweils die für sieben Tage geglätteten Fallzahlen pro Tag und die Inzidenz angegeben. Darüber hinaus wird jeweils die Differenz der Maßzahl zu dem Wert vom 6.09.2021 angegeben, um eine Veränderung zur Vorwoche zu betrachten.

Die erste Tabelle zeigt die zehn Kreise mit den höchsten Differenzen der Fallzahlen zur Vorwoche, in der zweiten Tabelle werden die Kreise mit den höchsten Differenzen der Inzidenz zur Vorwoche angegeben. Während auf Grund der absoluten Maßzahl in der ersten Tabelle eher große Kreise enthalten sind, werden in der zweiten Tabelle tendenziell kleinere Kreise aufgezählt. Beide Tabellen geben keine Aussage darüber, ob hier steigende Fallzahlen im gesamten Kreis oder nur in einigen Einrichtungen vorliegen.

Landkreis Differenz Fälle pro Tag Fallzahlen pro Tag Differenz Inzidenz Inzidenz
LK Lippe 31.0 83.0 62.5 167.2
LK Traunstein 28.3 53.7 111.6 212.0
SK Berlin Spandau 21.6 52.4 61.6 149.7
SK Bonn 16.9 70.0 35.8 148.6
LK Schwarzwald-Baar-Kreis 14.1 42.1 46.6 138.8
LK Berchtesgadener Land 13.3 35.1 87.8 232.2
LK Ravensburg 13.3 45.3 32.6 111.1
Region Hannover 12.7 178.9 7.7 108.2
SK Dresden 10.6 50.3 13.3 63.2
LK Oberallgäu 10.0 26.0 44.9 116.7
Landkreis Differenz Fälle pro Tag Fallzahlen pro Tag Differenz Inzidenz Inzidenz
SK Hof 8.0 10.4 122.2 159.3
LK Traunstein 28.3 53.7 111.6 212.0
SK Neustadt a.d.Weinstraße 7.0 18.7 91.9 245.9
LK Berchtesgadener Land 13.3 35.1 87.8 232.2
SK Brandenburg a.d.Havel 8.6 11.3 83.1 109.4
SK Aschaffenburg 6.7 14.4 66.1 142.2
LK Lippe 31.0 83.0 62.5 167.2
SK Berlin Spandau 21.6 52.4 61.6 149.7
SK Pirmasens 3.3 6.0 57.2 104.4
LK Coburg 6.7 10.1 54.1 81.8

Die Datenbasis

Diesem Report liegen die Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zu Grunde, die auf GitHub zur Verfügung gestellt werden. Da ein Teil der Daten erst Tage nach dem offiziellen Meldedatum vom RKI erfasst werden, können sich diese auch nachträglich ändern. Insbesondere die jüngsten Daten unterliegen in der Regel noch starken Veränderungen und werden in diesem Report deswegen grau hinterlegt. Der Datensatz ist nach den Landkreisen und kreisfreien Städten, Berlin zusätzlich in die Bezirke aufgeteilt. Die Zahl der nicht diagnostizierten Fälle ist unbekannt und daher nicht enthalten.

Weitere Datenquellen sind die SurvStat-Datenbank des RKI und das DIVI-Intensivregister. Bevölkerungsdaten stammen aus der Genesis-Datenbank des statistischen Bundesamts beziehungsweise des Landesamts Berlin-Brandenburg.

Der in diesem Bericht verwendete Begriff Inzidenz ist allgemein als die Häufigkeit der in einer Zeitspanne neu auftretenden Fälle einer Erkrankung innerhalb einer Population definiert. Hier sind damit immer die in den vergangenen sieben Tagen gemeldeten Fälle pro 100 000 Personen gemeint.

Corona Zeitreihen – die SMC Apps

Seit Beginn des Jahres 2020 und verstärkt in Zeiten der Corona-Pandemie verfolgt und bewertet die Redaktion und das SMC Lab täglich alle zugänglichen Daten und Meldezahlen zu COVID-19. Doch Zahlen, Fakten und Grafiken reichen für sich allein nicht aus, das komplexe Geschehen angemessen zu beschreiben und zu verstehen, was relevant ist.

Für informierte Diskussionen hatte das SMC Lab, seine Programmierer, Software-Experten und unser Statistiker bereits zu Jahresbeginn Tools zur Verfügung gestellt, damit die Redaktion interaktiv Daten zu COVID-19 verfolgen, diese visuell leicht erfassbar darzustellen und um wichtige Maßzahlen in Zeitreihen beobachten zu können - für Deutschland, die Bundesländer, die Kreise und kreisfreien Städte sowie International.

Diese Tools stellen wir nun schrittweise in interaktiven Apps zur Verfügung, damit Nutzerinnen und Nutzer dort Daten anschauen und downloaden können, die für Sie relevant sind.

Die Meldezahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Corona-Epidemie in Deutschland finden Sie unter diesem Link.

Die internationalen Meldezahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO finden Sie unter diesem Link.

Ihre Ansprechpartner in Redaktion und SMC Lab

Wenn Sie Fragen zu diesen Daten haben oder Auswertungen für weitere Länder erhalten wollen, das SMC Lab kann Auswertungen erzeugen.

Lars Koppers, Gastwissenschaftler am SMC Lab

Heinz Greuling, Leiter Innovation Digitale Medien

Marleen Halbach, Redaktionsleiterin

Telefon: +49 221 8888 25-0
E-Mail: