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Wissen von Journalisten
für Journalisten
09.09.2021

SMC Corona Report

Dieser wöchentliche Report des Science Media Center Germany (SMC) fasst das aktuelle Corona-Geschehen anhand relevanter Kennzahlen zusammen und bietet neue Blickwinkel auf die verfügbaren Daten.

Das SMC verschafft Ihnen damit einen raschen Überblick über den Verlauf der gegenwärtigen Pandemie in Deutschland. Wir liefern nicht nur die nackten Zahlen, sondern ordnen die Statistiken und ihre zeitliche Entwicklung auch ein. So können Sie mit einem Blick die sich dynamisch verändernde aktuelle Situation erfassen.

Überblick

  • Die aktuelle Lage
  • Fallzahlen in Deutschland und den Bundesländern
  • Fallzahlen auf den Intensivstationen
  • Fallzahlen in den Altersgruppen
  • Fälle nach Meldedatum
  • Auffällige Kreise
  • Die Datenbasis
  • Corona Zeitreihen – die SMC Apps

Die aktuelle Lage

  • Noch keine Zahlen für die Hospitalisierungsinzidenz verfügbar.
  • Inzidenzen wachsen langsamer.
  • Leichter Rückgang der Inzidenzen bei den 20- bis 29-Jährigen.

Mit der Entscheidung, in Deutschland in Zukunft primär auf die Hospitalisierungsinzidenz zu schauen, müsste auch dieser Report nach der Sommerpause den Schwerpunkt seiner Berichterstattung verändern. Da aktuell aber noch keine zuverlässigen regionalen Daten zu Hospitalisierungen vorliegen, werden in diesem Bericht die etablierten Datenquellen verwendet. Sobald weitere Daten zur Verfügung stehen, werden diese mit einbezogen. Insgesamt gibt es bei den Maßzahlen zur Bewertung der Belastung des Gesundheitssystems ein paar Stolperfallen, auf die bei der Berichterstattung unbedingt geachtet werden muss. Bei der Angabe von Grenzwerten und aktuell belegten Betten oder Inzidenzen ist darauf zu achten, ob die allgemeine Hospitalisierung, also die Einweisung in ein Krankenhaus oder die Einweisung auf die Intensivstation betrachtet wird. Bisher wurden verstärkt die Situation auf den Intensivstationen betrachtet, bei einer allgemeinen Hospitalisierungsinzidenz werden alle Krankenhauseinweisungen mit COVID-19-Diagnose berücksichtigt. Bei der vom RKI veröffentlichten Hospitalisierungsinzidenz wird als Datum das Meldedatum des Falls verwendet, nicht der Zeitpunkt der Krankenhauseinweisung. Dies bedeutet, dass aktuelle Werte noch viel zu niedrig liegen, da die aktuell in ein Krankenhaus eingewiesenen Fälle in der Regel ein älteres Meldedatum des Falls aufweisen.

Da sich die Impfquote aktuell nicht stark verändert und die gemeldeten Zahlen laut 6. COVIMO-Bericht deutliche Verzerrungen aufweisen, erscheint die wöchentliche Analyse dieser Daten aktuell nicht sinnvoll. Wir werden in Zukunft nach Bedarf diese Daten in den Bericht aufnehmen.

Die Inzidenz stieg zuletzt nur noch um etwa zehn Prozent pro Woche, was eine deutliche Verlangsamung des Wachstums bedeutet. Zeitgleich wurde die Zahl der durchgeführten PCR-Tests in den vergangenen Wochen deutlich erhöht. Während in der 32. Kalenderwoche 564 630 Tests durchgeführt wurden, waren es in der 34. Kalenderwoche laut Wochenbericht des RKI 833 335. Die Positivenrate stieg zuletzt langsamer, liegt aber mit 8,35 Prozent weiterhin auf hohem Niveau.

Auch in der Altersklasse ab 60 Jahren geht das Wachstum der Inzidenz zurück, es liegt aber noch auf höherem Niveau als in der Gesamtbevölkerung. In den Altersklassen zwischen 20 und 29 Jahren sank die Inzidenz zuletzt sogar leicht.

Das Wachstum der Fälle auf den Intensivstationen verhält sich weiterhin sehr ähnlich zur Entwicklung der Inzidenz bei den über 60-Jährigen, auch wenn diese nur noch rund 46 Prozent der intensivplichtigen Fälle ausmachen. Anfang Mai waren es noch rund 66 Prozent.

Fallzahlen in Deutschland und den Bundesländern

Die Grafik zeigt die Inzidenzen einmal für alle Altersgruppen und einmal ab 60 Jahren. Die Fallzahlen steigen weiterhin.

2021-09-09_Inzidenzen_deutschland.png

Die Grafik zeigt für jeden Tag das prozentuale Wachstum der geglätteten Fallzahlen im Vergleich zur Vorwoche. Dabei werden einmal alle gemeldeten Fälle berücksichtigt und einmal nur Fälle mit einem Alter von mindestens 60 Jahren. Das wöchentliche Wachstum der Inzidenz ist in den vergangenen Wochen deutlich gesunken.

2021-09-09_wachstum_fallzahlen.png

Im Folgenden wird das Wachstum der Inzidenz vom 04.09.2021 im Vergleich zur Vorwoche betrachtet. In Nordrhein-Westfalen sinkt die Inzidenz. Mit Ausnahme von Hamburg steigt sie in allen anderen Bundesländern zum Teil deutlich.

2021-09-09_wachstum_bundeslaender.png

2021-09-09_fallzahlen_bundeslaender.png

Fallzahlen auf den Intensivstationen

Die Zahl der COVID-19-Fälle auf den Intensivstationen steigt weiter.

2021-09-09_ICU_fallzahlen.png

Einen besseren Eindruck von der aktuell beschleunigten Dynamik bekommt man – wie immer bei exponentiellem Wachstum –, wenn man auf das prozentuale Wachstum schaut. In der folgenden Grafik ist das prozentuale Wachstum der mit COVID-19-Fällen belegten Intensivbetten im Vergleich zur Vorwoche abgetragen. Zusätzlich ist auch das um eine Woche verschobene Wachstum der gemeldeten Fallzahlen der Altersgruppen ab 60 Jahren dargestellt. Da gemeldete Fälle in der Regel erst nach einigen Tagen intensivmedizinisch behandelt werden müssen – sofern sie diese Behandlung benötigen, sind durch diese Verschiebung die Wachstumsraten besser zu vergleichen.

Das Wachstum bei den mit COVID-19-Fällen belegten Betten auf den Intensivstationen hat sich verlangsamt.

2021-09-09_wachstum_ICU.png

Fallzahlen in den Altersgruppen

Die Grafik zeigt die Inzidenzen in den Altersgruppen nach Kalenderwoche.

Die Inzidenz in den Altersgruppen zwischen 20 und 29 Jahren is zuletzt leicht gesunken. Insbesondere bei den unter 14-Jährigen und bei Menschen ab 60 Jahren steigt die Inzidenz zum Teil noch deutlich.

2021-09-09_altersgruppen_abs.png

2021-09-09_altersgruppen_rel_vorwoche.png

Fälle nach Meldedatum

Da die Zahl der neu bestätigten Infektionsfälle (blaue Balken) im Wochenrhythmus schwankt, wird an dieser Stelle auch ein Mittelwert der jeweils vergangenen sieben Tage angegeben (blaue Linie). Da die vergangenen sieben Tage betrachtet werden, läuft dieser Wert den Meldezahlen immer etwas nach.

2021-09-09_fallzahlen_deutschland.png

Auffällige Kreise

Die Tatsache, dass die Kreise in Deutschland sehr unterschiedliche Einwohnerzahlen haben, macht die Vergleichbarkeit schwer. Relative Maßzahlen können bei kleinen Kreisen dazu führen, dass Zufallsschwankungen großen Einfluss haben, große Kreise haben bei gleicher relativer Anzahl viel mehr Fälle, sodass sie bei absoluten Maßzahlen eher auffallen.

Die folgenden beiden Tabellen enthalten vier verschiedene Maßzahlen. Für den 6.9.2021 werden jeweils die für sieben Tage geglätteten Fallzahlen pro Tag und die Inzidenz angegeben. Darüber hinaus wird jeweils die Differenz der Maßzahl zu dem Wert vom 30.8.2021 angegeben, um eine Veränderung zur Vorwoche zu betrachten.

Die erste Tabelle zeigt die zehn Kreise mit den höchsten Differenzen der Fallzahlen zur Vorwoche, in der zweiten Tabelle werden die Kreise mit den höchsten Differenzen der Inzidenz zur Vorwoche angegeben. Während auf Grund der absoluten Maßzahl in der ersten Tabelle eher große Kreise enthalten sind, werden in der zweiten Tabelle tendenziell kleinere Kreise aufgezählt. Beide Tabellen geben keine Aussage darüber, ob hier steigende Fallzahlen im gesamten Kreis oder nur in einigen Einrichtungen vorliegen.

Landkreis Differenz Fälle pro Tag Fallzahlen pro Tag Differenz Inzidenz Inzidenz
SK Frankfurt am Main 56.3 174.9 51.6 160.3
Region Hannover 37.7 166.4 22.8 100.7
LK Main-Kinzig-Kreis 27.6 77.7 45.9 129.4
LK Rosenheim 24.4 59.4 65.4 159.2
LK Offenbach 23.9 75.4 46.9 148.4
LK Wetteraukreis 22.1 54.7 50.3 124.2
SK Kassel 22.1 52.1 76.7 180.6
SK Mannheim 21.0 67.0 47.3 151.0
SK Wiesbaden 20.4 57.7 51.4 145.1
LK Fulda 18.9 48.9 59.2 153.3
Landkreis Differenz Fälle pro Tag Fallzahlen pro Tag Differenz Inzidenz Inzidenz
SK Offenbach 18.6 47.0 99.8 252.5
SK Bremerhaven 15.3 36.7 94.1 226.1
LK Birkenfeld 10.9 18.3 93.9 158.1
SK Speyer 6.6 13.9 90.9 191.8
LK Ahrweiler 15.7 37.1 84.6 199.9
LK Waldeck-Frankenberg 17.1 28.1 76.8 126.0
SK Kassel 22.1 52.1 76.7 180.6
SK Ludwigshafen 18.6 53.7 75.5 218.3
SK Salzgitter 10.7 30.1 71.9 202.3
LK Rosenheim 24.4 59.4 65.4 159.2

Die Datenbasis

Diesem Report liegen die Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zu Grunde, die auf GitHub zur Verfügung gestellt werden. Da ein Teil der Daten erst Tage nach dem offiziellen Meldedatum vom RKI erfasst werden, können sich diese auch nachträglich ändern. Insbesondere die jüngsten Daten unterliegen in der Regel noch starken Veränderungen und werden in diesem Report deswegen grau hinterlegt. Der Datensatz ist nach den Landkreisen und kreisfreien Städten, Berlin zusätzlich in die Bezirke aufgeteilt. Die Zahl der nicht diagnostizierten Fälle ist unbekannt und daher nicht enthalten.

Weitere Datenquellen sind die SurvStat-Datenbank des RKI und das DIVI-Intensivregister. Bevölkerungsdaten stammen aus der Genesis-Datenbank des statistischen Bundesamts beziehungsweise des Landesamts Berlin-Brandenburg.

Der in diesem Bericht verwendete Begriff Inzidenz ist allgemein als die Häufigkeit der in einer Zeitspanne neu auftretenden Fälle einer Erkrankung innerhalb einer Population definiert. Hier sind damit immer die in den vergangenen sieben Tagen gemeldeten Fälle pro 100 000 Personen gemeint.

Corona Zeitreihen – die SMC Apps

Seit Beginn des Jahres 2020 und verstärkt in Zeiten der Corona-Pandemie verfolgt und bewertet die Redaktion und das SMC Lab täglich alle zugänglichen Daten und Meldezahlen zu COVID-19. Doch Zahlen, Fakten und Grafiken reichen für sich allein nicht aus, das komplexe Geschehen angemessen zu beschreiben und zu verstehen, was relevant ist.

Für informierte Diskussionen hatte das SMC Lab, seine Programmierer, Software-Experten und unser Statistiker bereits zu Jahresbeginn Tools zur Verfügung gestellt, damit die Redaktion interaktiv Daten zu COVID-19 verfolgen, diese visuell leicht erfassbar darzustellen und um wichtige Maßzahlen in Zeitreihen beobachten zu können - für Deutschland, die Bundesländer, die Kreise und kreisfreien Städte sowie International.

Diese Tools stellen wir nun schrittweise in interaktiven Apps zur Verfügung, damit Nutzerinnen und Nutzer dort Daten anschauen und downloaden können, die für Sie relevant sind.

Die Meldezahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Corona-Epidemie in Deutschland finden Sie unter diesem Link.

Die internationalen Meldezahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO finden Sie unter diesem Link.

Ihre Ansprechpartner in Redaktion und SMC Lab

Wenn Sie Fragen zu diesen Daten haben oder Auswertungen für weitere Länder erhalten wollen, das SMC Lab kann Auswertungen erzeugen.

Lars Koppers, Gastwissenschaftler am SMC Lab

Heinz Greuling, Leiter Innovation Digitale Medien

Marleen Halbach, Redaktionsleiterin

Telefon: +49 221 8888 25-0
E-Mail: