Wie könnte ein Kompromiss zum Redispatch-Vorbehalt im EEG die Tür für ein neues Energiesystem aufstoßen?
deutsche Stromnetze und -märkte sind nicht für Energieeinspeisung aus erneuerbaren Quellen ausgelegt
für die Nutzung erneuerbarer Energien nötiger Netzausbau, Netzsteuerung oder Marktregeln erfordern immer wieder komplexe Anpassungen gesetzlicher Regelungen
Diskussion um EEG-Novelle und Netzpaket könnte Chance für erste Reglungen zur Entwicklung neuer Energiemärkte bieten
Die Bundesregierung kommt bei der Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG-Novelle) und des Netzpakets offenbar nur mühsam voran. Zentraler Konflikt ist der Redispatch-Vorbehalt. Vereinfacht gesagt könnten dadurch bei Netzengpässen im Verteilnetz Investoren in Wind- oder Solarenergie nur dann einen Anschluss erhalten, wenn sie auf Entschädigungen bei Abregelungen verzichten. Das kann mindestens vorübergehend zu einem Einbruch des Ausbaus von PV- und Windenergie führen [I] [II]. Tatsächlich würde der Redispatch-Vorbehalt das eigentliche Problem der Energiewende nicht lösen: Weder Netz- noch Markt-Regeln sind für eine Energieversorgung ausgelegt, die zentral von Wind- und Solarenergie bestimmt wird.
Bislang hatte Energieministerin Katherina Reiche (CDU) auf dem Redispatch-Vorbehalt bestanden. Nun scheint sie aber Kompromissbereitschaft angedeutet zu haben. Zur Zeit wird offenbar über zwei Konzepte diskutiert: einen Vorschlag der Energieversorgungsunternehmen EnBW und EWE zur Ausgestaltung flexibler Netzanschlussverträge [III] und ein Konzept des Beratungsbüros BET Consulting zum Systemdienlichen Umbau des gesamten Energiesystems [IV]. BET ist eines der beiden Institute, die 2025 im Auftrag von Katherina Reiche den Monitoringbericht Energiewende verfasst haben [V]. Das Konzept baut auf diesem Bericht auf und taucht bei Diskussionen in Berlin immer wieder auf – etwa auf der energiepolitischen Tagung der SPD- Bundestagsfraktion oder dem BDEW-Kongress.
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„Es bestehen keine Interessenkonflikte.“
„Ich sehe keinen Interessenkonflikt.“
„Im Rahmen des wissenschaftlichen Begleitprojekts zur Plattform Klimaneutrales Stromsystem der vorigen Bundesregierung hat mein Unternehmen Consentec in der Arbeitsgruppe Lokale Signale mitgewirkt, aktuell bearbeiten wir dazu ein Forschungsvorhaben im Auftrag des BMWE. An der Entwicklung des Vorschlags für einen Redispatch-Vorbehalt war ich nicht beteiligt. Zu den möglichen Anwendungsregionen des Redispatch-Vorbehalts hat mein Unternehmen für Agora Energiewende eine analytische Studie vorgelegt. Ich kann mich trotzdem zu dem Thema frei äußern.“
Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden
[I] Science Media Center (2026): EEG, Netzpaket und der geplante Redispatch-Vorbehalt: Wie könnten Netz- und Erneuerbaren-Ausbau besser verzahnt werden? Statements. Stand: 08.06.2026.
[II] Science Media Center (2026): Netzpaket soll Anschlussbedingungen für erneuerbare Energien ändern. Statements. Stand: 11.02.2026.
[III] EnBW und EWE (2026): Flexible Netzanschlussverträge für EE-Einspeiser (Neuanschlüsse). Alternativvorschlag zum Redispatch-Vorbehalt.
[IV] BET Consulting (2026): Systemdienliches Strommarktdesign zur Reduktion von Systemkosten und Erreichung der Klimaziele. Diskussionsbeitrag zur Weiterentwicklung des Strommarktdesigns.
[V] Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln und BET Consulting (2025): Energiewende. Effizient. Machen. Monitoringbericht im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
Prof. Dr. Thorsten Müller
Wissenschaftlicher Leiter, Stiftung Umweltenergierecht, Würzburg und Leuphana Universität Lüneburg
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Es bestehen keine Interessenkonflikte.“
Prof. Dr. Anke Weidlich
Professorin für Technologien der Energieverteilung am Institut für Nachhaltige Technische Systeme INATECH, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich sehe keinen Interessenkonflikt.“
Dr. Christoph Maurer
Geschäftsführer, Consentec GmbH, Aachen, und Lehrbeauftragter am Department Elektrotechnik-Elektronik-Informationstechnik (EEI), Lehrstuhl für Elektrische Energiesysteme, Friedrich Alexander Universität, Erlangen
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Im Rahmen des wissenschaftlichen Begleitprojekts zur Plattform Klimaneutrales Stromsystem der vorigen Bundesregierung hat mein Unternehmen Consentec in der Arbeitsgruppe Lokale Signale mitgewirkt, aktuell bearbeiten wir dazu ein Forschungsvorhaben im Auftrag des BMWE. An der Entwicklung des Vorschlags für einen Redispatch-Vorbehalt war ich nicht beteiligt. Zu den möglichen Anwendungsregionen des Redispatch-Vorbehalts hat mein Unternehmen für Agora Energiewende eine analytische Studie vorgelegt. Ich kann mich trotzdem zu dem Thema frei äußern.“