Klimawirkung atmosphärischer Mikro- und Nanoplastikaerosole
Mikro- und Nanoplastik in der Luft könnte klimawirksam sein
in der Atmosphäre wirken sie als Aersole, die sowohl direkten als auch indirekten Einfluss auf den Strahlungshaushalt haben können
laut Experten sei es allerdings noch zu früh, um verlässliche Aussagen zur Klimawirkung zu machen
Kleinste Plastikpartikel in der Luft könnten in einem bislang unerkannten Umfang zur Klimaerwärmung beitragen. Insbesondere farbige Plastikpartikel absorbieren die Sonnenstrahlung und geben Wärme an die Atmosphäre ab. Den Ergebnissen einer Veröffentlichung nach, die am 05.05.2026 im Fachjournal „Nature Climate Change“ (siehe Primärquelle) erschienen ist, entspricht der Effekt durch atmosphärisches Mikro- und Nanoplastik etwa 16 Prozent der durch Ruß – dem am stärksten Licht absorbierenden Bestandteil der atmosphärischen Aerosole – verursachten Erhöhung des Strahlungsdrucks.
Forschende aus China und den Vereinigten Staaten untersuchten mittels Elektronenspektroskopie im Labor, wie sich Partikelgröße und Farbe des Plastiks auf die Absorption oder Streuung des Sonnenlichts auswirken. Sie konzentrierten sich dabei auf Mikro- und Nanoplastikpartikel. Zu Mikroplastik zählen Partikel mit einem Durchmesser zwischen einem Mikrometer und fünf Millimetern; Partikel die kleiner als ein Mikrometer sind, werden als Nanoplastik bezeichnet. Sie stellten dabei fest, dass farbige Plastikpartikel in bestimmten Wellenlängen des sichtbaren Lichtes deutlich mehr Licht absorbierten als farblose Teichen. Auch die Partikelgröße spielte den Forschenden nach eine Rolle. So absorbierten oder streuten kleinere Plastikpartikel insbesondere kurzwellige Strahlung.
Professor für Allgemeine Meterologie, Institut für Meterologie und Geophysik, Universität Wien, Österreich
Einordnung der Studie
„Die Studie ist ein guter Anfang, um den Strahlungsantrieb von Mikro- und Nanoplastikpartikeln zu quantifizieren. Es ist nicht überraschend, dass diese absorbierend wirken und damit in ihren optischen Eigenschaften mit Ruß vergleichbar sind. Dies kann prinzipiell Klimaauswirkungen haben. Wir haben in unserer Forschung auch schon untersucht, ob Mikro- und Nanoplastikpartikel auch die Eigenschaften von Eiswolken und damit das Klima beeinflussen könnten [1]. Insofern ist diese neue Studie sehr interessant.“
Limitationen der Studie
„Meine Hauptkritik an der aktuellen Studie ist, dass sie die Unsicherheiten der Abschätzung des Strahlungsantriebs wohl deutlich unterschätzt. Es gibt leider global nur sehr wenige Messdaten bezüglich der Konzentrationen von Mikro- und Nanoplastikpartikeln in der Atmosphäre, und die verschiedenen Mess- und Sammelmethoden führen oft zu unterschiedlichen Resultaten. In einer unserer Studien [2] haben wir viel größere Fehlerbalken bezüglich der Emissionen in die Atmosphäre, und bei der Quantifizierung des Strahlungsantriebs kommen zudem noch weitere Unsicherheiten hinsichtlich der optischen Eigenschaften hinzu.“
Klimawirkung von Mikro- und Nanoplastik
„Prinzipiell ist der in der aktuelle Studie publizierte Strahlungsantrieb relativ gering und im Vergleich zum Einfluss der Treibhausgase so gut wie vernachlässigbar. Allerdings ist natürlich jeder zusätzliche positive Strahlungsantrieb problematisch. Insbesondere wird erwartet, dass die Produktion von Plastik weiter ansteigt, das weiteres Plastik sich in der Umwelt ansammelt und damit in Zukunft auch deutlich mehr Mikro- und Nanoplastikpartikel in die Atmosphäre emittiert werden wird. Das heißt, selbst wenn der Strahlungsantrieb im Moment sehr klein ist, so ist zu erwarten, dass er in Zukunft auf jeden Fall größer werden wird.“
„Das alles spricht schon dafür, dass man die Klimaauswirkungen von Mikro- und Nanoplastikpartikel noch genauer studieren sollte. Allerdings ist es zu früh, um verlässliche Aussagen zur Klimawirksamkeit machen zu können. Die Resultate dieser Studie sind wissenschaftlich durchaus interessant, allerdings definitiv nicht verlässlich genug, um daraus beispielsweise klare Handlungsempfehlungen für die Politik abzuleiten. Natürlich sollte der Umgang mit Plastik stärker reguliert werden, allein schon wegen der Auswirkungen auf Ökosysteme und der jedenfalls vermuteten Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Der Klimaaspekt muss aber noch deutlich besser – und von unabhängigen Studien – untersucht werden, bevor man hier wirklich belastbare Aussagen treffen kann.“
Professor für Theoretische Meteorologie, Arbeitsgruppe Wolken und globales Klima, Institut für Meteorologie, Universität Leipzig
Klimawirkung von Mikro- und Nanoplastik
„Da Mikroplastikpartikel auch Aerosole sind, liegt der Gedanke nahe, dass sie ähnlich wie Schwefelsäuretröpfchen oder Feinstaub eine Klimawirkung haben könnten. Entsprechend gibt es bereits eine Reihe von Studien, die dies untersuchen. Dabei gibt es zwei Hauptfragestellungen. Einerseits die Frage, welche der beiden möglichen Wirkungen auf die Wechselwirkung mit Sonnenlicht sie haben: Schwefelsäuretröpfchen beispielsweise bilden Dunst und kühlen die Erde, indem sie Sonnenlicht ins All reflektieren. Ruß ist schwarz und absorbiert Sonnenlicht, wirkt also erwärmend. Diese neue Studie hat vor allem hierin Fortschritte erzielt. Sie hat nämlich festgestellt, dass Mikro- und Nanoplastikpartikel stark absorbieren.“
Limitationen der Studie
„Die zweite Frage ist, wie groß die Konzentrationen sind. Immerhin sind die Emissionen recht konzentriert, und die Partikel – jedenfalls die Mikroplastikpartikel – sind für Aerosole ziemlich groß, fallen also recht schnell wieder aus der Atmosphäre aus. Schätzungen der Verteilung sind sehr unsicher und auch in der neuen Studie bleibt einigermaßen fraglich, ob die geographische Verteilung – und übrigens auch die vertikale Verteilung – sehr realistisch sind.“
Einordnung der Studie
„Insgesamt ist die Studie ein wichtiger Beitrag zur Diskussion um eine mögliche Klimawirkung von Mikroplastik. Es ist plausibel, dass diese Partikel erwärmend wirken. Der Umfang, der in dieser Studie angegeben wird, ist mit 40 Milliwatt pro Quadratmeter zwar klein im Vergleich beispielsweise zu den Treibhausgasen wie CO2, aber immerhin in einer ähnlichen Größenordnung wie die aktuelle Wirkung etwa durch die Kondensstreifen des Flugverkehrs. Somit scheinen auch kostenintensive Gegenmaßnahmen gegen die Ausbreitung von Mikroplastik nicht nur wegen der unmittelbaren Auswirkungen auf Gesundheit und Ökosysteme, sondern auch aufgrund ihrer schädlichen Klimawirkung gerechtfertigt.“
„Ich kenne die Studie gut, da ich einer der Gutachter war. Für mich erwächst daraus kein Interessenkonflikt.“
„Ich habe keine Interessenkonflikte.“
Aerosole in der Atmosphäre haben sowohl direkten als auch indirekten Einfluss auf den Strahlungshaushalt der Erde und damit auf das Klima. Zum einen reflektieren sie die Sonneneinstrahlung teilweise zurück ins All – dies hat eine abkühlende Wirkung. Einige Aerosole dagegen absorbieren die kosmische Strahlung, wodurch sich Teile der Atmosphäre erwärmen, bodennahe Schichten wiederum abkühlen. Zum anderen entfalten sie ihre indirekte Wirkung über ihren Einfluss auf die Wolkenbildung und die Niederschläge. Aerosole dienen dabei als Kondensations- und Kristallisationskeime für Tröpfchen und Eiskristalle, die Wolken formen. Sind mehr Aerosole in der Atmosphäre, können sich mehr Wassertröpfchen bilden. Insgesamt maskieren die Aerosole etwa ein Drittel des durch die anthropogenen Treibhausgas-Emissionen verursachten Strahlungsantriebs. Eine Minderung der Aerosole durch weniger Verbrennung fossiler Energieträger und durch eine Verbesserung der Luftqualität im Allgemeinen würde somit die globale Erwärmung beschleunigen. Generell ist das Wissen über die klimatische Rolle der Aerosole – vor allem über die Aerosol-Wolken-Wechselwirkungen – noch mit zahlreichen Fragezeichen behaftet. Dies führt zu erheblichen Unsicherheiten bei Klimaprojektionen.
Primärquelle
Liu Y et al. (2026): Atmospheric warming contributions from airborne microplastics and nanoplastics. Nature Climate Change. DOI: 10.1038/s41558-026-02620-1.
Dazu auch: Binda G (2026): Small plastics with large warming potential. Nature Climate Change. News & views. DOI:10.1038/s41558-026-02616-x.
Literaturstellen, die von den Expert:innen zitiert wurden
[1] Tatsii D et al. (2025): Do microplastics contribute to the total number concentration of ice nucleating particles? Journal of Geophysical Research: Atmospheres. DOI: 10.1029/2024JD042827.
[2] Evangelou I et al. (2026): Atmospheric microplastic emissions from land and ocean. Nature. DOI: 10.1038/s41586-025-09998-6.
Dazu auch: Science Media Center (2026): Atmosphärisches Mikroplastik weltweit. Statements. Stand: 21.01.2026.
Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden
[I] IPCC (2021): Climate Change 2021: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. S. 941 ff.
Prof. Dr. Andreas Stohl
Professor für Allgemeine Meterologie, Institut für Meterologie und Geophysik, Universität Wien, Österreich
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich kenne die Studie gut, da ich einer der Gutachter war. Für mich erwächst daraus kein Interessenkonflikt.“
Prof. Dr. Johannes Quaas
Professor für Theoretische Meteorologie, Arbeitsgruppe Wolken und globales Klima, Institut für Meteorologie, Universität Leipzig
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich habe keine Interessenkonflikte.“