Energydrinks: Konsum bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland
Heranwachsende in Deutschland probieren heute im Schnitt öfter Energydrinks als vor sechs Jahren
Kombination aus Koffein und Zucker sowie weiteren Inhaltsstoffen macht die Getränke ungesund, andere Länder regulieren den Verkauf bereits strenger
Forschende erläutern die Schädlichkeit von Energydrinks und schlagen Regulierungsmaßnahmen vor
Laut einer Befragung von über 100.000 Kindern und Jugendlichen aus Deutschland hat der Konsum von Energydrinks unter Minderjährigen über die vergangenen sechs Jahre zugenommen. Dieser Anstieg betrifft vor allem seltenes, gelegentliches Trinken. Diese Ergebnisse gehören zu einer Auswertung des Präventionsradars und wurden als Kurzmitteilung im Fachjournal „Deutsches Ärzteblatt International“ veröffentlicht (siehe Primärquelle).
Energydrinks sind gesüßte Getränke, die mit Koffein und anderen Inhaltsstoffen wie Taurin, Glucuronolacton oder Aspartam versetzt sind. Einige Studien weisen auf schädliche Effekte der Getränke hin – gerade was Schlaf und kardiovaskuläre Schäden angeht . Untersuchungen sind jedoch im experimentellen Design aus ethischen Gründen kaum möglich – speziell bei Kindern und Jugendlichen.
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Ernährungsmediziner, Abteilung für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin, Klinikum der Universität München (LMU)
Methodik und Aussagekraft der Studie
„Die Studie überzeugt durch ihre hohe Aussagekraft: Über 100.000 berücksichtigte Kinder und Jugendliche machen die Ergebnisse absolut repräsentativ. Damit bestätigt sie genau das, worauf wir Kinder- und Jugendärzte seit Jahren hinweisen: eine steigende Verbreitung des Energydrink-Konsums unter Minderjährigen. Einzig Angaben zur durchschnittlich konsumierten Energydrink-Menge werden nicht adressiert.“
Einordnung der Ergebnisse
„Die aufgezeigten Daten sind alarmierend, insbesondere, dass mehr als sechs Prozent aller Jugendlichen täglich zu Energydrinks greifen. Ein solcher Konsum kann gravierende Folgen für das sich noch entwickelnde Herz-Kreislauf-System haben und unter anderem zu Bluthochdruck, Übergewicht sowie Störungen des Zuckerstoffwechsels führen. Dabei handelt es sich keineswegs um ein rein ‚deutsches‘ Problem. Auch unsere europäischen Nachbarn beobachten einen Anstieg des Energydrink-Konsums unter Minderjährigen. Doch während dort bereits gegengesteuert wird – zum Beispiel durch Verkaufsverbote oder Werbebeschränkungen –, hinken wir in Deutschland deutlich hinterher. Kardiovaskuläre Erkrankungen sind schon heute die Todesursache Nummer Eins in Europa und verursachen direkte sowie indirekte Gesundheitskosten in Milliardenhöhe. Es ist nun höchste Zeit, dass unsere Bundesregierung hier nachbessert, denn Prävention beginnt im Kindesalter und nicht erst nach dem ersten Herzinfarkt.“
Inhaltsstoffe
„Energydrinks enthalten hohe Koffein- und Zuckerkonzentrationen, die in großen Mengen schädlich für unser Herz-Kreislauf-System sind. Fallberichte zeigen, dass der akute Energydrink-Konsum, insbesondere in Kombination mit Sport, Alkohol oder bei Vorerkrankten, zu ernsthaften gesundheitlichen Zwischenfällen wie Herzrhythmusstörungen führen kann. Ein regelmäßiger und hoher Konsum kann langfristig die Entstehung von Bluthochdruck, Übergewicht und Zuckerstoffwechselstörungen befördern.“
Zusammenhänge mit anderen Faktoren
„Man sieht, dass der tägliche Energydrink-Konsum mit einem ungesunden Lebensstil assoziiert ist – unter anderem Nikotin- und Cannabiskonsum sowie erhöhte Bildschirmzeit. Dies ist in der medizinischen Literatur bereits beschrieben und unterstreicht erneut, dass wir insbesondere bei diesen Kindern und Jugendlichen präventiv handeln müssen. Möglicherweise potenzieren sich hier die negativen kardiovaskulären Effekte des Energydrink-Konsums und des zusätzlichen ungesunden Lebensstils.“
Professorin für Sozialepidemiologie und Gesundheitsberichterstattung, Fachbereich Gesundheitswissenschaften, Hochschule Fulda – University of Applied Sciences
Methodik und Aussagekraft der Studie
„Die Studie ist methodisch insgesamt sauber aufgebaut und basiert auf einer sehr großen Stichprobe von mehr als 100.000 Schüler*innen. Positiv ist, dass zwischen Lebenszeit-, Monats-, Wochen- und täglichem Konsum unterschieden wird. Eine wichtige Einschränkung ist jedoch, dass die tatsächlich konsumierte Menge nicht erfasst wird. Für eine gesundheitliche Bewertung wären zusätzlich Portionsgröße, Zahl der Dosen pro Anlass und die aufgenommene Koffeinmenge wichtig.“
Einordnung der Ergebnisse
„Die Ergebnisse zeigen, dass Energydrinks bei Kindern und Jugendlichen weit verbreitet sind und der Konsum in den vergangenen Jahren zugenommen hat. In der Befragung aus dem Schuljahr 2025/26 hatten 46,0 Prozent der 9- bis 12-Jährigen und 71,7 Prozent der 13- bis 15-Jährigen bereits Energydrinks konsumiert. Auch in anderen europäischen Ländern, etwa der Schweiz und im Vereinigten Königreich, werden relevante Konsumraten beobachtet. Direkte Vergleiche sind aber nur eingeschränkt möglich, weil Altersgruppen und Definitionen des Konsums unterschiedlich sind.“
Inhaltsstoffe
„Problematisch ist vor allem die Kombination aus Koffein, häufig viel Zucker und großen Portionsgrößen. Gegenüber klassischen Softdrinks kommt das Koffein als zusätzlicher Risikofaktor hinzu. Kaffee kann ähnlich viel Koffein enthalten, wird aber meist anders konsumiert. Besonders kritisch sind große Mengen in kurzer Zeit oder mehrere Dosen hintereinander. Gerade der Mischkonsum mit Alkohol ist gefährlich: Koffein kann die Müdigkeit durch Alkohol überdecken, ohne die tatsächliche Beeinträchtigung von Reaktion, Urteilsvermögen und Koordination zu verringern. Dadurch kann man sich nüchterner fühlen, als man tatsächlich ist, und eher mehr Alkohol trinken oder die Risiken unterschätzen.“
Zusammenhänge mit anderen Faktoren
„Der Energydrink-Konsum tritt häufig zusammen mit anderen gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen auf, besonders mit Nikotin-, Alkohol- und Cannabiskonsum. Wichtig ist aber: Solche Zusammenhänge bedeuten nicht, dass Energydrinks diese Verhaltensweisen verursachen. Auch Unterschiede nach Schulform sollten eher als Hinweis auf soziale Unterschiede im Konsum verstanden werden. Neben Nikotin, Alkohol und Cannabis zeigt sich Energydrink-Konsum in Studien auch im Zusammenhang mit Schlafmangel beziehungsweise schlechter Schlafqualität, längerer Bildschirmzeit, riskanterem Verhalten, ungünstiger Ernährung sowie schulischen und psychischen Belastungen.“
Regulierung von Energydrinks
„Neben Aufklärung und schulischer Prävention sind vor allem verhältnispräventive Maßnahmen relevant, also Regelungen, die das Umfeld und den Zugang beeinflussen. Dazu zählen Altersgrenzen beim Verkauf, Werbe- und Marketingbeschränkungen – insbesondere in sozialen Medien – sowie Verkaufsbeschränkungen in Schulen und Automaten. Auf EU-Ebene besteht zudem bereits eine Kennzeichnungspflicht für Getränke mit hohem Koffeingehalt. Mehrere EU-Länder, darunter Litauen, Lettland, Polen, Rumänien, Ungarn und Bulgarien, haben den Verkauf bestimmter Energydrinks an Minderjährige bereits eingeschränkt oder verboten. Entscheidend ist, die Wirkung solcher Maßnahmen wissenschaftlich zu evaluieren und zu prüfen – insbesondere, ob sie hohen und riskanten Konsum bei Kindern und Jugendlichen reduzieren.“
Fachgruppe Ernährungsrisiken und Biomarker, Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin
Methodik und Aussagekraft der Studie
„Mit dem DAK-Präventionsradar wird seit Jahren unter anderem auch der Konsum von Energydrinks bei Schüler*innen in verschiedenen Bundesländern in Deutschland erfasst. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie deuten auf eine steigende Konsumprävalenz seit 2020 bei den über 100.000 befragten Schüler*innen hin. Daten aus anderen europäischen Ländern sowie Analysen, die ein steigendes Marktwachstum für Energydrinks in Deutschland zeigen, stützen die Ergebnisse des Präventionsradars.“
„Die vorliegende Auswertung gibt Auskunft darüber, wie viele der befragten Schüler*innen von 2020 bis 2026 jemals in ihrem Leben (Lebenszeitprävalenz), monatlich, wöchentlich oder täglich Energydrinks konsumiert haben. Es fehlen aber Angaben zu den konsumierten Energydrink-Mengen, sodass sich darüber keine Aussagen treffen lassen.“
Einordnung der Ergebnisse
„Insbesondere der hohe Koffeingehalt von Energydrinks kann bei hohem Konsum für einige Personengruppen – insbesondere Kindern – mit einem gesundheitlichen Risiko verbunden sein. Da Kinder daher möglichst gänzlich auf den Konsum von Energydrinks verzichten sollten, ist die bei Schüler*innen beobachtete zunehmende Konsumprävalenz kritisch zu sehen.“
Inhaltsstoffe
„Aussagekräftige Daten zu erwünschten und unerwünschten Wirkungen liegen hauptsächlich für Koffein vor. Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift. In moderaten Mengen konsumiert, kann Koffein positive Wirkungen haben, zum Beispiel eine erhöhte Wachsam- und Konzentrationsfähigkeit. Bei sehr hohen Aufnahmemengen kann Koffein aber unerwünschte Wirkungen wie erhöhte Nervosität und Erregbarkeit, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche und Herzrasen haben.“
„Erhebungen – unter anderem des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) – haben gezeigt, dass Energydrinks von einem Teil der Jugendlichen in erheblichen Mengen konsumiert werden: bis zu vier Liter an einem Tag . In diesem Ausmaß können gesundheitlich bedenkliche Koffeinmengen aufgenommen werden.“
„Darüber hinaus enthalten Energydrinks, ebenso wie andere Softdrinks, oftmals viel Zucker, was bei hohem regelmäßigem Verzehr die Entstehung von Übergewicht oder Adipositas begünstigt.“
Zusammenhänge mit anderen Faktoren
„Die in der aktuellen Erhebung beobachteten Korrelationen zwischen dem täglichen Konsum von Energydrinks und dem Konsum weiterer psychotroper Substanzen wie Nikotin, Alkohol und Cannabis wird auch durch die Ergebnisse anderer Studien gestützt. Bei den betroffenen Personengruppen zeigt sich damit insgesamt vermutlich ein geringeres Risikobewusstsein gegenüber den möglichen adversen Wirkungen dieser Stoffe.“
„Ich habe keine Interessenkonflikte.“
„Ein Interessenkonflikt besteht nicht.“
„Es bestehen keine Interessenkonflikte.“
Primärquelle
Hansen J et al. (2026): Konsum von Energydrinks unter Heranwachsenden. Ergebnisse des Präventionsradars von 2020–2026. Kurzmitteilung. Deutsches Ärzteblatt International: DOI: 10.3238/arztebl.m2026.0129.
Literaturstellen, die von den Expert:innen zitiert wurden
[] Teijeiro A et al. (2025). Consumption of energy drinks among youth in Spain: trends and characteristics. European Journal of Pediatrics. DOI: 10.1007/s00431-025-06177-7.
[] Bundesinstitut für Risikobewertung (07.07.2026): Energydrinks: BfR aktualisiert Bewertung der gesundheitlichen Risiken für Kinder und Jugendliche bei akutem und chronischem Verzehr. Stellungnahme. DOI: 10.17590/20260707-104801-0.
Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden
[] Wissenschaftliche Dienste (13.11.2024 ): Zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Energydrinks Aktuelle Studienlage. Dokumentation. Deutscher Bundestag.
[] Bundesamt für Justiz und Verbraucherschutz: Verordnung über Fruchtsaft, Fruchtnektar und koffeinhaltige Erfrischungsgetränke. Stand: 25.11.2025.
[] EFSA Panel on Dietetic Products, Nutition and Allergies (2025): Scientific Opinion on the safety of caffeine. EFSA Journal. DOI: 10.2903/j.efsa.2015.4102.
[] Deutscher Bundestag: Altersgrenze für Energydrinks. Ausschüsse. Stand: 28.09.2026.
Dr. Felix Oberhoffer
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Ernährungsmediziner, Abteilung für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin, Klinikum der Universität München (LMU)
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich habe keine Interessenkonflikte.“
Prof. Dr. Katharina Rathmann
Professorin für Sozialepidemiologie und Gesundheitsberichterstattung, Fachbereich Gesundheitswissenschaften, Hochschule Fulda – University of Applied Sciences
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ein Interessenkonflikt besteht nicht.“
Dr. Anke Ehlers
Fachgruppe Ernährungsrisiken und Biomarker, Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Es bestehen keine Interessenkonflikte.“