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04.12.2019

Die CO2-Emissionen steigen auch 2019 weiterhin an

Anlass

Die globalen CO2-Emissionen sind auch 2019 weiter angestiegen. Damit setzt sich dieser Trend im dritten Jahr in Folge fort. Auch wenn der Anstieg mit 0,5 Prozent geringer ausfällt als in den vorangegangenen beiden Jahren (2017: +1,2 Prozent, 2018: +2,1 Prozent), so stellen die bilanzierten 36,7 Gigatonnen CO2 dennoch einen neuen Emissions-Höchstwert dar.

In den Jahren 2015 und 2016 schien es, als könnte das Maximum der globalen CO2-Emissionen erreicht sein. Dies wäre ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, die Pariser Klimaschutzziele umzusetzen. Steigende Emissionen bedeuten dagegen immer weiteren Antrieb für den Treibhauseffekt. Deshalb ist nicht nur eine schnellst mögliche Trendumkehr der Emissionen notwendig, sondern bereits bis ins Jahr 2030 müssen substanzielle Einsparungen realisiert sein. Werden diese Ziele verpasst, so wird es immer unwahrscheinlicher, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu beschränken. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Die weltweiten CO2-Emissionen aus der Verbrennung von Kohle sind um 0,5 Prozent zurückgegangen.

Die Ergebnisse wurden im jährlich erscheinenden „Global Carbon Budget“ in einer konzertieren Veröffentlichungen von drei Publikationen vorgestellt (siehe Primärquelle).

 

Übersicht

     

  • Prof. Dr. Niklas Höhne, Leiter und Geschäftsführer, New Climate Institute und Professor für Klimaschutz, Wageningen Universität, Niederlande
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  • Dr. Jakob Wachsmuth, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Competence Center Energiepolitik und Energiemärkte, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Karlsruhe
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  • Prof. Dr. Anita Engels, Professorin für Soziologie, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg, stellvertretende Sprecherin des Exzellenzclusters „Klima, Klimawandel und Gesellschaft“ („Climate, Climatic Change, and Society – CLICCS“)
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  • Dr. Joeri Rogelj, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprogramm Energie, Internationales Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA), Laxenburg, Österreich
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  • Prof. Dr. Julia Pongratz,Inhaberin des Lehrstuhls für Physische Geographie und Landnutzungssysteme, Department für Geographie, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), München, Co-Autorin des Reports
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  • Dr. Hans Schipper, Leiter des Süddeutschen Klimabüros, Institut für Meteorologie und Klimaforschung, Institut für Meteorologie und Klimaforschung, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Eggenstein-Leopoldshafen
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  • Prof. Dr. Sabine Fuss, Leiterin der Arbeitsgruppe Nachhaltiges Ressourcenmanagement und globaler Wandel, Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change gGmbH (MCC), Berlin
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Statements

Prof. Dr. Niklas Höhne

Leiter und Geschäftsführer, New Climate Institute und Professor für Klimaschutz, Wageningen Universität, Niederlande

„Der Bericht ist ein weiteres Alarmsignal. Mit steigenden Emissionen wird der Klimawandel noch beschleunigt. Die Folgen des Klimawandels sind heute allen bewusst und wir wollen den Klimawandel stoppen. Wir tun aber das genaue Gegenteil und treten weiter auf das Gaspedal anstatt auf die Bremse. Erst wenn die Emissionen sinken, wird der Klimawandel verlangsamt. Wirklich gestoppt wird er dann aber noch nicht. Vollständig rückgängig gemacht wird der Klimawandel erst bei Netto-Null-Emissionen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Emissionen nicht weiter steigen.“

„Ein positives Zeichen ist, dass der Verbrauch von Kohle wieder gesunken ist. Der Gipfel scheint hier hinter uns zu liegen. Ein wichtiger Grund dafür sind die Erneuerbaren Energien, die sich weiter durchsetzen.“

„Besorgniserregend ist aber die steigende Nutzung von Erdgas. Es ist ein Irrglaube, Erdgas wäre die Lösung. Auch Erdgas ist nicht mit den Klimazielen vereinbar. Die globalen CO2-Emissionen – also auch die aus der Verbrennung von Erdgas – müssen bis 2050 auf null sinken, wie es das Pariser Klimaschutzabkommen vorsieht. Aber es passiert das genaue Gegenteil: Immer neue Gasfelder werden erschlossen, insbesondere Fracking, was genauso emissionsintensiv sein kann wie Kohle. Häfen und Pipelines werden massiv ausgebaut. Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, müssen all diese Investitionen überdacht werden.“

Dr. Jakob Wachsmuth

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Competence Center Energiepolitik und Energiemärkte, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Karlsruhe

„Der erneute Anstieg der CO2--Emissionen im Jahr 2018 ist keine Überraschung, weil es noch immer überall auf der Welt an einem klaren Umschwenken weg von der Nutzung fossiler Rohstoffe mangelt. So ist absehbar gewesen, dass das Stagnieren der CO2--Emissionen zwischen 2014 und 2016 vor allem konjunkturbedingt war. Gleichzeitig hat der Weltklimarat dieses Jahr weitere alarmierende Erkenntnisse dazu vorgelegt, mit welchen Folgen des Klimawandels wir schon heute in allen Teilen der Welt konfrontiert sind. Es gilt daher, den Emissions-Peak in wenigen Jahren zu überwinden und auf einen Pfad zur Treibhausgas-Neutralität einzuschwenken, also ein Gleichgewicht von Treibhausgas-Emissionen und natürlichen CO2--Senken wie Wäldern zu erreichen.“

„Haupttreiber des aktuellen Emissions-Anstiegs ist die weiter anhaltende Nachfragesteigerung bei Öl. Dahinter steckt, dass es den Industrieländern bisher weder im Reise- noch im Güterverkehr gelungen ist, substanzielle Verbrauchsminderungen zu erzielen, während sich die Nachfrage in den Schwellenländern weiter dem hiesigen Niveau angleicht. Eine Trendwende ist also bei der Öl-Nachfrage bisher nicht absehbar. Hierfür wären neben der langsam an Fahrt aufnehmenden E-Mobilität umfangreiche Maßnahmen im Güterverkehr und nicht zuletzt eine Begrenzung des weiter stark zunehmenden Verkehrsauskommens unbedingt erforderlich.“

„Ein weiterer Treiber des Emissions-Anstiegs in der steigende Erdgasverbrauch. Der Einsatz von Gas als Ersatz für Kohle in der Strom- und Wärmerzeugung kann zwar in einer Übergangsphase sinnvoll sein. Mittelfristig muss jedoch zum Einhalten der globalen Kohlenstoff-Budgets in allen verbleibenden Gasanwendungen von fossilem auf erneuerbares Gas umgeschwenkt werden. Und in der Industrie und in Gebäuden gilt es wegen der langen Investitionszyklen, schon heute verfügbare Alternativen zum Einsatz von Gas voranzutreiben.“

„Bei der Verbrennung von Kohle mag der Höhepunkt bereits überschritten sein, weil der starke Ausbau erneuerbarer Energien in vielen Weltregionen Erfolge zeigt. Aber China und Indien haben klargemacht, dass sie die Kohle-Nutzung weiterhin als zentralen Teil ihrer Entwicklung sehen, während eine ganze Reihe von Schwellenländern weltweit vorhat, die Verbrennung von Kohle noch deutlich auszubauen. Um die Paris-Ziele in Reichweite zu halten, dürfen die geplanten Kohlekraftwerke weitestgehend nicht gebaut werden und sind ansonsten zumindest mit der Möglichkeit zur Abscheidung und Speicherung der CO2-Emissionen auszustatten.“

„Selbst wenn es gut möglich ist, dass der globale Emissions-Peak schon in den nächsten Jahren erreicht wird, bleibt völlig klar, dass die aktuellen Pläne der G20-Länder weit davon entfernt sind, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu beschränken und somit noch gravierendere Folgen des Klimawandels zu vermeiden. Bei der laufenden Klimakonferenz in Madrid sind daher alle aufgefordert, ihre Ambitionen beim Klimaschutz zu steigern und mit wirksamen Maßnahmen zu hinterlegen. Es wäre zu begrüßen, wenn Deutschland und die EU dabei eine Vorreiterrolle einnähmen.“

Prof. Dr. Anita Engels

Professorin für Soziologie, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg, stellvertretende Sprecherin des Exzellenzclusters „Klima, Klimawandel und Gesellschaft“ („Climate, Climatic Change, and Society – CLICCS“)

„Aus sozialwissenschaftlicher Sicht ist es nicht überraschend, dass die Emissionen weiterhin steigen. Wir sehen drei wichtige Prozesse: Entkopplung von Zielen und Umsetzung, Abkehr von Zielen und das Aufreiben im politischen Prozess.“

„Erstens ist es ein typisches Phänomen, dass Verursacher, die unter Druck geraten, erst einmal Klimaziele verabschieden, ohne die konkrete Umsetzung mit zu beschließen und Überprüfungsmöglichkeiten einzuräumen. Es hat sich eine Überbietungsdynamik im Hinblick auf Klimaziele eingestellt: Sogar Fluggesellschaften bieten nun klimaneutrale Produkte (Flüge) an. Die Umsetzung ist für den Fluggast aber nicht nachvollziehbar, da irgendwo auf der Welt Aktivitäten finanziert werden, deren Klimaschutzwirkung zumindest zweifelhaft ist.“

„Zweitens beginnen an vielen wichtigen Orten der Welt gerade Regierungen und andere machtvolle Akteure eine offene Abkehr von den Pariser Klimazielen. Die US-Regierung ist hier nur das prominenteste Beispiel. Es ist zu erwarten, dass diese Dynamik auf andere Regierungen und auch große Unternehmen übergreifen wird.“

„Drittens sehen wir derzeit am Beispiel der Verhandlungen zum Klimapaket der Bundesregierung, wie mühsam eine konkrete Umsetzung im politischen Prozess dann ist, wenn sie durch den demokratischen parlamentarischen Prozess des Interessensausgleichs gehen muss. Unsere Demokratie ist nicht darauf ausgerichtet, dass es ein ‚Oberproblem‘ gibt, das alle anderen aussticht. Viele andere Probleme werden im politischen Prozess als gleichermaßen legitim behandelt. Wenn der politische Prozess zu einem starken Klimaschutz führen soll, muss nach Möglichkeiten gesucht werden, wie sich möglichst viele andere legitime Interessen im demokratischen System mit Klimaschutz verbinden lassen.“

„Im Sinne des Klimaschutzes positive Dynamiken sind zum Beispiel die Divestment-Bewegung unter großen institutionellen Finanzmarktanlegern, aber auch die zahlreichen lokalen und dezentralen Aktivitäten von unterschiedlichsten Gruppen, die nach alternativen Formen der Mobilität, des Konsums und der Energieversorgung suchen. Es finden gerade sehr viele interessante lokale Experimente statt. Es wäre wichtig, diese Experimente systematisch zu stärken und ihnen geeignete Rahmenbedingungen zu verschaffen.“

„Auch in Deutschland stagniert letztlich der Emissionsausstoß, von einer deutlichen Senkung im Sinne der Pariser Klimaziele sind wir weit entfernt. Das kann langfristig nur gelingen, wenn weite Teile der Bevölkerung dafür wirklich aktiv gewonnen werden können und im Klimaschutz für sich konkrete Vorteile erkennen. Das gleiche gilt im Prinzip auch auf globaler Ebene. Diejenigen, die geopolitisch von der weiteren Nutzung von Öl, Kohle und Gas profitieren, werden nicht einfach aus Klimaschutzgründen auf ihre Gewinn- und Einflussmöglichkeiten verzichten.“

Dr. Joeri Rogelj

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprogramm Energie, Internationales Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA), Laxenburg, Österreich

„Die CO2-Emissionen schwanken von Jahr zu Jahr, aber es ist der langfristige Trend, der wichtig ist. Die geringe Verlangsamung in diesem Jahr ist wirklich kein Grund, übertrieben begeistert zu sein. Wir haben bereits in der Vergangenheit ein paar Jahre gesehen, in denen die Emissionen sogar unverändert blieben. Wenn jedoch kein Strukturwandel dieser Verlangsamung zugrunde liegt, dann sagt uns die Wissenschaft, dass die Emissionen im Durchschnitt einfach weiter allmählich zunehmen werden und damit auch die Geschwindigkeit des Klimawandels.“

„Ohne strukturellen gesellschaftlichen und industriellen Wandel bleiben anhaltende Emissionsreduktionen aus. Für diesen Wandel wird eine Verschiebung der kurz- und langfristigen Investitionen in kohlenstoffarme Infrastrukturen benötigt und auch ein Plan zur Steigerung der Energieeffizienz in allen Sektoren, einschließlich der Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden und des Agrarsektors.“

„Die Emissionen aus der Verbrennung von Kohle sind mehr als ein halbes Jahrzehnt relativ stabil geblieben. Die Emissionen aus der Verbrennung von Öl und insbesondere von Gas sind jedoch schneller gestiegen als in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten. Solange die globalen CO2-Emissionen – aus allen Quellen zusammengenommen – nicht auf einem klaren Abwärtspfad gegen null gehen, ist klar, dass wir den Klimawandel nicht nur weiter verschlimmern, sondern wir ihn weiter beschleunigen.“

Prof. Dr. Julia Pongratz

Inhaberin des Lehrstuhls für Physische Geographie und Landnutzungssysteme, Department für Geographie, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), München, Co-Autorin des Reports

„Szenarien, die das 1,5-Grad-Ziel erreichen, sehen Netto-Null-Emissionen bereits Mitte des Jahrhunderts vor. Das erfordert eine drastische Reduktion der CO2-Emissionen. Die Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger werden aber mit wahrscheinlich fast 37 Milliarden Tonnen CO2 mehr als vier Prozent höher ausfallen als 2015, dem Jahr des Paris-Abkommens. Jedes weitere Jahr steigender Emissionen macht unsere Aufgabe noch schwieriger, die Folgen des Klimawandels beherrschbar zu halten.“

„Szenarien, die mit dem Paris-Abkommen vereinbar sind, fordern nicht nur eine drastische Reduktion der anthropogenen Treibhausgas-Emissionen. Sie fordern in der Mehrheit auch Schaffung substanzieller ‚negativer Emissionen‘ bereits in den nächsten Jahren, sicher aber in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Aufforstung ist ein prominentes Beispiel für solche Negativ-Emissions-Technologien. Gleichzeitig verlassen wir uns auf die riesige Dienstleistung, die uns Land und Ozean liefern, indem sie mehr als die Hälfte unserer Emissionen speichern. Ereignisse wie die wiederholten Dürresommer in Europa oder die Feuer in der Arktis und im Amazonas dieses Jahr zeigen uns aber, wie verletzlich diese natürlichen Senken sind. Frei von Risiko ist nur, Emissionen gar nicht erst zu erzeugen.“

„Politische Bemühungen waren durchaus erfolgreich darin, den Einsatz kohlenstoffarmer Technologien wie Solar- und Windenergie zu fördern. Das führt aber nicht immer dazu, dass der Verbrauch konventioneller Energie im gleichen Maße abnimmt, insbesondere nicht in Ländern mit steigendem Energiebedarf. Kohlenstoffarme Energiequellen zu fördern hilft. Wir müssen uns aber verstärkt auch um gezielte Strategien bemühen, fossile Energieträger auslaufen zu lassen.“

„Auch andere gegenläufige Trends existieren: In der EU ging beispielsweise die Elektrizitätsproduktion aus Kohle in der Tat bis Oktober gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent zurück. Das war teilweise darauf zurückzuführen, dass der CO2-Preis im Zertifikathandel stark gestiegen war. Aber der Verbrauch von Diesel und Kerosin stieg, ebenso wie der von Erdgas.“

„Erdgas zu verbrennen stößt etwa 40 Prozent weniger CO2 pro Energieeinheit aus als Kohle, aber es ist kein kohlenstoffarmer Brennstoff. CO2-Emissionen werden zwar vermutlich niedriger ausfallen, wenn Kohle durch Erdgas ersetzt wird. Dennoch ist Gas bestenfalls eine kurzfristige Lösung. Denn Emissionen müssen nicht nur fallen – sie müssen null erreichen, wenn wir eine weitere Erwärmung des Planeten verhindern wollen.“

Dr. Hans Schipper

Leiter des Süddeutschen Klimabüros, Institut für Meteorologie und Klimaforschung, Institut für Meteorologie und Klimaforschung, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Eggenstein-Leopoldshafen

„Die Höhe der CO2-Emissionen ist immer noch – hauptsächlich wegen der Verbrennung von fossilen Brennstoffen – sehr eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung und somit mit dem Energieverbrauch eines Landes verknüpft. Externe Einflüsse, wie zum Beispiel Wetterschwankungen, können diese Verknüpfung zwar lokal und kurzfristig schwächen, eine langfristige Entkopplung ist nicht zu erwarten. Eine weniger starke Zunahme der Emissionen im aktuellen Bericht mag auf dem ersten Blick durchaus positiv erscheinen, für die Einhaltung der Obergrenze von einem 1,5-Grad- oder 2-Grad-Anstieg müssten die Emissionen massiv zurückgehen. Erst wenn die Länder die Pariser Klimaziele ernst nehmen und sich darüber hinaus in den nächsten Jahren weitere, ehrgeizigere Ziele setzen, wäre es möglich, diese Ziele einzuhalten.“

„Aus technischer Sicht gab es durchaus eine realistische Chance, einen Emissions-Peak zu erreichen. Leider zeigen die neuesten Auswertungen der CO2-Emissionen, dass dieser Peak auch in den nächsten Jahren nicht unmittelbar bevorsteht. Jedes Jahr, in denen der Peak nicht erreicht ist, bedeutet, dass es von der Weltgemeinschaft erhöhte Anstrengungen bedarf, die CO2-Emissionen bis Mitte dieses Jahrhunderts auf weitgehend null zu reduzieren. Folglich werden die Auswirkungen des Klimawandels auf unserer Umwelt und Gesellschaft mit jedem Jahr zunehmen und uns letztendlich länger vor große Herausforderungen stellen.“

„Obwohl aktuell ein leichter Rückgang der Emissionen aus der Verbrennung von Kohle zu verzeichnen ist, muss in den nächsten Jahren eine massive Reduktion der gesamten CO2-Emissionen und damit vor allem der Verbrennung von fossilen Brennstoffen stattfinden. Zum einen ist dafür der Ausbau von erneuerbaren Energien wichtig sowie auch eine Reduktion des Energieverbrauchs. In beiden Bereichen finden zwar einige Entwicklungen statt, wenn diese allerdings in den nächsten Jahrzehnten nicht nachhaltig und effektiv umgesetzt werden, könnte das bisschen Hoffnung aus diesen Entwicklungen ebenso schnell wieder verschwinden.“

Prof. Dr. Sabine Fuss

Leiterin der Arbeitsgruppe Nachhaltiges Ressourcenmanagement und globaler Wandel, Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change gGmbH (MCC), Berlin

„Der Zunahme der Emissionen – auch wenn der Zuwachs geringer ausfällt als im Vorjahr – ist nichts Positives abzugewinnen: Die Trends, die hierzu führen, werden sich wahrscheinlich 2020 fortsetzen und somit die Emissionen weiter ansteigen lassen. Insbesondere der Energieverbrauch wird wachsen, denn den neuesten Vorhersagen des Internationalen Währungsfonds zufolge wird die globale Wirtschaftskraft deutlich zunehmen. Dem gegenüber steht ein bei Weitem nicht dekarbonisiertes Energiesystem, was dazu führt, dass ein weiterer Anstieg beim Konsum mit zusätzlichen Emissionen einhergehen wird. Für die Paris-Ziele bedeutet dies, dass wir uns immer weiter von den Emissionspfaden entfernen, die den Temperaturanstieg noch unter 1,5 Grad Celsius halten würden.“

„Aufgrund der sich fortsetzenden Trends beim Energieverbrauch ist es nicht realistisch, hier den Emissions-Peak zu erwarten. Es gilt, sich auf die Treiber zu konzentrieren, um hier eine Umkehr zu ermöglichen. In einer anderen Studie des Global Carbon Projects vom Anfang des Jahres [1] wurden 18 Länder unter die Lupe genommen, die hier die Entkopplung geschafft haben. Alle diese Länder zeichnet aus eine Stabilisierung oder gar ein Rückgang beim Energieverbrauch gepaart mit einem Ausbau bei den Erneuerbaren.“

„Die Analyse, die mit der Veröffentlichung des Budgets einhergeht, zeigt sehr deutlich auf, dass derzeitige Rückgänge bei den Emissionen aus Kohle nicht ausreichen, um eine Wende bei den Emissions-Trends zu erzeugen: Der Verbrauch an Erdgas ist steigend und ersetzt die Kohle in den USA und der EU nur teilweise. In anderen Regionen, wie beispielsweise Indien, sehen wir weiterhin einen starken Anstieg beim Energieverbrauch aus Kohle.“

Angaben zu möglichen Interessenkonflikten

Dr. Jakob Wachsmuth: „Interessenskonflikte meinerseits sehe ich keine.“

Prof. Dr. Anita Engels: „Keine."

Dr. Joeri Rogelj: „Keine.“

Prof. Dr. Julia Pongratz: „Ich bin Co-Autorin, Teil des core teams (verantwortlich für die Landnutzungsemissionsabschätzungen).“

Prof. Dr. Sabine Fuss: „Ich denke nicht, dass ich einen Conflict of Interest habe, da ich an den Veröffentlichungen nicht beteiligt war, wollte aber trotzdem kurz anmerken, dass ich beim Global Carbon Project im Lenkungsausschuss bin."

Alle anderen: Keine Angaben erhalten.

Primärquelle

Jackson RB et al. (2019): Persistent fossil fuel growth threatens the Paris Agreement and planetary health. Environmental Research Letters. Vol12 (14). DOI: 10.1088/1748-3926/ab57b3.

Peters GP et al. (2019): Carbon dioxide emissions continue to grow amidst slowly emerging climate policies. Nature Climate Change. DOI:10.1038/s41558-019-0659-6.

Friedlingstein P et al. (2019): Global Carbon Budget 2019. Earth System Science Data. 11, 1783–1838. DOI:10.5194/essd-11-1783-2019.

Literaturstellen, die von den Experten zitiert wurden

[1] Le Quéré C et al. (2019): Drivers of declining CO2 emissions in 18 developed economies. Nature Climate Change 9, 213-217. DOI:10.1038/s41558-019-0419-7.

Weitere Recherchequellen

Webseite des Global Carbon Project

Webseite des MCC Berlin: The Carbon clock is ticking.