Trump-Regierung will wichtiges Klimaforschungsinstitut NCAR schließen
renommiertes Klimaforschungsinstitut in den USA soll geschlossen werden
freie Forschung gerät unter Trump-Administration unter immer stärkeren Druck
befragte Fachleute: Schließung des NCAR wäre katastrophal für die internationale Klimaforschung und Vorhersage von Extremereignissen
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat angekündigt, eines der weltweit wichtigsten Klimaforschungszentren zu schließen – das National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder, Colorado. Mitte vergangener Woche hatte zunächst die Zeitung USA Today darüber berichtet. Kurze Zeit später griff auch das Fachjournal Nature das Thema auf und nannte das Institut in einem Artikel „a global mothership of climate science“.
Das NCAR ist ein Forschungsinstitut, an dem die Atmosphärenforschung im Mittelpunkt steht. Es wurde 1960 gegründet und beschäftigt hunderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Diese erforschen alle Aspekte der Atmosphäre, von der Mikrophysik der Wolkenbildung und der Chemie der Luftverschmutzung bis hin zu großräumigen planetarischen Wellen und den Auswirkungen erhöhter Treibhausgasemissionen auf das Klima. Zudem werden dort Supercomputer genutzt, die einen wichtigen Beitrag für die Modellierung des Klimawandels beisteuern. Das Institut wird bisher hauptsächlich aus Bundesmitteln finanziert. Am Dienstag nun verkündete Russ Vought, Leiter des Haushaltsbüros des Weißen Hauses, auf X (ehemals Twitter), dass die Auflösung des NCAR eingeleitet werden soll. Seine Begründung: Das NCAR sei eine der größten Ursachen für Klima-Alarmismus in den USA. Er kündigte an, dass alle wichtigen Forschungsaktivitäten wie die Wetterforschung an eine andere Einrichtung oder an einen anderen Standort verlegt würden.
Leiter der Arbeitsgruppe Dynamik des Paläoklimas und des Fachbereichs Klimawissenschaften, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven, und Assoziierter Professor in der Arbeitsgruppe Paläoklimadynamik, Fachbereich Physik des Klimasystems, Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM), Universität Bremen
Bisherige Rolle des NCAR
„Das National Center for Atmospheric Research (NCAR) ist eine zentrale Säule der internationalen Klimaforschung. Die Arbeiten des Instituts reichen von der Entwicklung und Pflege global führender Klima- und Erdsystemmodelle über Beobachtungsprogramme und Datenassimilation bis hin zur Grundlagenforschung zu Atmosphären-, Ozean- und Klimaprozessen. Auch deutsche Institute – darunter das Alfred-Wegener-Institut (AWI) – arbeiten insbesondere in der Paläoklimaforschung seit vielen Jahren eng und produktiv mit dem NCAR zusammen. Diese Kooperationen umfassen gemeinsame Modellierungen, methodische Entwicklungen sowie den direkten wissenschaftlichen Austausch und sind integraler Bestandteil international vernetzter Klimaforschung.“
Folgen einer möglichen Schließung
„Ein massiver Rückbau oder gar eine Schließung des NCAR wäre eine Katastrophe für die Klimaforschung weltweit, da viele seiner Leistungen gemeinschaftlich genutzt werden und nicht kurzfristig durch andere Institute ersetzbar sind. Zahlreiche am NCAR entwickelte und gepflegte Datensätze, Reanalysen und Modellprodukte sind für die laufende Forschung an deutschen und europäischen Einrichtungen von unmittelbarer Bedeutung. Die entstehenden Lücken würden sich direkt auf die Qualität von Klimaprojektionen, Extremwetteranalysen und paläoklimatischen Interpretationen auswirken. Eine vollständige Abpufferung durch die internationale Community ist weder realistisch noch effizient, da Expertise, Infrastruktur und Langzeitdaten am NCAR in einzigartiger Weise gebündelt sind.“
Auswirkungen nach elf Monaten Trump-Regierung
„Seit dem Amtsantritt der Trump-Administration ist international eine zunehmende Verunsicherung in der Klimaforschung spürbar, insbesondere mit Blick auf langfristige Kooperationen, Datenzugänge und Nachwuchsperspektiven. Politische Eingriffe und finanzielle Unsicherheiten führen bereits zu Verzögerungen und einer Schwächung der offenen wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Besorgniserregend ist zudem, dass ähnliche Narrative und Maßnahmen auch in anderen Ländern aufgegriffen werden könnten, um Forschungsfreiheit und wissenschaftliche Institutionen unter politischen Druck zu setzen.“
Assistenzprofessorin am Departement Umweltsystemwissenschaften, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ), Zürich, und außerordentliche Professorin und Leiterin der Gruppe für atmosphärische Prozesse, Université de Lausanne, Schweiz
Folgen einer möglichen Schließung
„Ein ‚defunding‘ der Klimaforschung in den USA hat nicht nur lokale Auswirkungen auf die Forschungslandschaft in den USA, sondern bewirkt auch große Veränderungen für den Rest der Welt. Diese Aussage bezieht sich nicht nur auf die angedrohte Schließung des NCAR, sondern auch auf alle anderen Organisationen wie das Geophysical Fluid Dynamics Laboratory (GFDL), das NASA Goddard Institute for Space Studies, und die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), welche bereits durch starke Kürzungen und Entlassungen in ihrer Arbeit bedroht sind.“
„Solche Kürzungen treffen nicht nur die Klimaforschung – das ausgesuchte Ziel der Trump-Regierung –, sondern auch die Wetterforschung, welche zum Beispiel Frühwarnsysteme für Naturgefahren entwickelt und solche Warnungen kommuniziert. Zudem hat die USA seit langer Zeit Forschungsdaten und dort entwickelte Wetter- und Klimamodelle zur Verfügung gestellt. Durch diese öffentlich zur Verfügung stehenden Daten haben viele Länder profitiert – gerade Entwicklungsländer, die sich keine oder nur begrenzte eigene Wetter- und Klimaforschung leisten können. Zum Beispiel, um sich vor Naturgefahren zu schützen. Auch kleinere Firmen in Europa, die sich die zum Teil sehr teuren in Europa generierten Datensätze nicht leisten können, haben von den NCAR-Daten profitiert.“
„Zudem haben viele hochrangige Forschende im Bereich der Klimawissenschaft in Europa zumindest einen Teil ihrer Karriere in Boulder verbracht, viele davon am NCAR. Die Zusammenarbeit mit Forschenden in Boulder, wo neben dem NCAR noch viele andere Forschungsbereiche in der Wetter- und Klimaforschung zuhause sind, welche durch die Budgetkürzungen ebenfalls stark betroffen sind, ist für europäische Forschende in der Wetter- und Klimaforschung an der Tagesordnung. Die am NCAR und am GFDL entwickelten Modelle und die produzierten Daten werden auch in Europa tagtäglich genutzt.“
Auswirkungen nach elf Monaten Trump-Regierung
„Was der aktuelle Trend in den USA bewirkt, ist noch nicht vollständig abzusehen. Aber mit Sicherheit schwächt die aktuelle US-Politik in diesem Bereich nicht nur die US-amerikanische Wetter- und Klimaforschung und die internationale Forschungszusammenarbeit, sondern auch weltweit die Innovation auf der Ebene von kleinen und mittleren Unternehmen, sowie die Fähigkeit von finanziell weniger gut ausgestatteten Ländern, sich vor Naturgefahren zu schützen.“
„Kürzungen von Forschungsgeldern und allgemein von Mitteln für die Funktionsfähigkeit von Universitäten sind aktuell auch in weiteren Ländern im Gange, wie zum Beispiel in der Schweiz, was es viel schwieriger macht, die Situation in den USA international abzufedern.“
Direktor des Instituts für Physik der Atmosphäre, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), Oberpfaffenhofen, und Professur für Physik der Atmosphäre, Fakultät für Physik, Ludwig-Maximilians-Universität München
Arbeitsbereich des NCAR
„Das US-amerikanische National Science Foundation (NSF) National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder, Colorado, ist ein weltweit führendes Atmosphärenforschungszentrum. Das NCAR erforscht die Grundlagen der Atmosphärenphysik und -chemie, inklusive Wetterdynamik und Klimasysteme. Das tut es von der Skala einzelner turbulenter Wirbel bis zur globalen Atmosphärendynamik, von der Grenzschicht der Atmosphäre zu Land und Ozeanflächen, bis hinauf in die Thermosphäre und Ionosphäre, dem Übergang zum Weltraum.“
Bisherige Rolle des NCAR
„Das NCAR stellt Ressourcen, Infrastruktur und Expertise bereit, die einzelnen Institutionen nicht zugänglich wären. Darunter sind etwa computergestützte Modelle und umfangreiche Datensätze sowie hochleistungsfähige Supercomputer, Forschungsflugzeuge und Beobachtungsplattformen. Die interdisziplinären Forschungsprogramme des Instituts und die enge Zusammenarbeit mit Universitäten und internationalen Partnern ermöglichen grundlegende Fortschritte im Verständnis der Atmosphäre, ihrer Wechselwirkungen mit anderen Erdsystemkomponenten sowie den damit verbundenen Herausforderungen für Gesellschaft und Umwelt.“
„Ergebnisse der NCAR-Forschung stellen die Grundlage für viele Anwendungen dar. Diese reichen von der Warnung vor Extremwettergefahren, über Wetteraspekte der Flugsicherheit bis hin zu Warndiensten vor Weltraumwettergefahren, die unsere technischen Infrastrukturen wie das globale Navigationssatellitensystem (GNSS) oder Stromnetze verwundbar machen. NCAR war und ist der Kristallisationspunkt für viele internationale Aktivitäten in der Atmosphärenforschung und das weit über die Klimaforschung hinaus.“
„NCAR entwickelt das Community Earth System Model (CESM). Das ist ein weltweit führendes Erdsystemmodell, das die komplexen Wechselwirkungen der zentralen Komponenten des Erdsystems – Atmosphäre, Ozean, Kryosphäre, Landoberfläche und biogeochemische Kreisläufe – konsistent und physikalisch fundiert abbildet. CESM dient als zentrale Forschungsplattform zur Untersuchung der Reaktionen des Klimasystems auf natürliche und anthropogene Antriebe, zur Analyse zentraler Rückkopplungsprozesse sowie zur Bereitstellung robuster Klimaprojektionen über sub-saisonale bis multidekadische Zeitskalen. Durch seinen offenen, community-getriebenen Ansatz bildet CESM eine essenzielle Forschungsinfrastruktur für Universitäten und Forschungseinrichtungen weltweit. Außerdem fördert es methodische Innovationen – einschließlich der Integration von Künstlicher Intelligenz und Maschinellem Lernen. Und es spielt eine zentrale Rolle in der Ausbildung und Qualifizierung der nächsten Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Viele heute führende internationale Wissenschaftspersönlichkeiten haben zu einem Zeitpunkt ihrer Karriere entweder als Gastwissenschaftler am NCAR geforscht oder mit NCAR-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern kooperiert.“
Folgen einer möglichen Schließung
„Eine Schließung oder ein massiver Abbau des NCAR würde einen gravierenden und langfristigen Rückschritt für die internationale Atmosphären- und Erdsystemforschung darstellen. Dessen Folgen könnten weder kurzfristig kompensiert noch durch andere Einrichtungen aufgefangen werden. Deshalb muss er unbedingt verhindert werden. Derzeit existiert weltweit keine vergleichbare Institution, die über eine ähnliche Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, langfristig aufgebauter Modellierungs- und Beobachtungsinfrastruktur und Expertise, community-getragener Koordinationsfunktion und internationaler Vernetzung verfügt und damit die Rolle des NCAR übernehmen könnte.“
Auswirkungen nach elf Monaten Trump-Regierung
„Die internationale Klimaforschung arbeitet trotz aller politischen und geopolitischen Entwicklungen konsequent weiter an der Erforschung des Klimawandels und der notwendigen Mitigations- und Anpassungsoptionen. Der Klimawandel und daraus entstehende Gefahren für unsere Gesellschaft sind real und zunehmend spürbar. Ihnen muss basierend auf wissenschaftlichen Fakten entgegengewirkt werden, um unsere Sicherheit und unseren Wohlstand zu sichern. Globale Herausforderungen erfordern globale Zusammenarbeit. Diese muss langfristig sichergestellt werden.“
Dieses Statement entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Veronika Eyring, Institut für Physik der Atmosphäre (IPA), Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), Oberpfaffenhofen, und Leiterin der Abteilung Klimamodellierung, Institut für Umweltphysik (IUP), Universität Bremen sowie Prof. Dr. Ulrich Schumann, Institut für Physik der Atmosphäre, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), Oberpfaffenhofen, im Ruhestand.
Direktor des TROPOS und Leiter der Abteilung Fernerkundung atmosphärischer Prozesse, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS), Leipzig, und Professor für Physik der Atmosphäre an der Universität Leipzig
„Dass mit NCAR eine der weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Atmosphärenforschungseinrichtungen geschlossen werden soll, ist ein großer Schock für die exzellenten Forschenden am NCAR und die internationale Atmosphärenforschung. Man muss sich wundern, dass ein Land wie die USA, das so stark von natürlichen und durch den Klimawandel verstärkten Extremereignissen betroffen ist, sich dieser Grundlagenforschung entzieht.“
Folgen einer möglichen Schließung
„Mit NCAR verliert auch die international vernetzte Kampagnenarbeit zur Erforschung kritischer Bereiche wie den Polarregionen einen wichtigen Partner. Europa ist nun aufgefordert, Führung zu zeigen und die nationalen Partner-Institutionen der Atmosphärenforschung stärker zu fördern.“
Leiter der Abteilung Chemie der Atmosphäre, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS), Leipzig, und Professor für Atmosphärische Chemie an der Universität Leipzig
„Die Beschreibung im Artikel von Nature als ‚global mothership of atmospheric research’ trifft die Rolle des NCAR sehr gut. Das NCAR ist eine nationale Initiative in den USA mit großer weltweiter Ausstrahlung. Für den Bereich der Atmosphärenforschung und auch der Verbindung zur Klimaforschung war und ist das NCAR zentral. Viele wichtige Personen in der Geschichte der Atmosphärenchemie in Deutschland haben sehr starke Verbindungen zum NCAR, man denke hier nur an Dieter Ehhalt (vormals FZ Jülich) oder Guy Brasseur (DKRZ, MPI für Meteorologie in Hamburg). NCAR ist mit seinen Abteilungen in allen wichtigen Bereichen der Atmosphärenforschung, den Feldmessungen, den Laboruntersuchungen und der Modellierung auf allen Skalen eine wissenschaftlich wichtige und oft führende Einrichtung. Damit ist es für alle, die in den genannten Bereichen arbeiten, naturgemäß ein wichtiger Kooperationspartner. Eine Schließung müsste durch eine Steigerung der Aktivitäten an anderen Orten kompensiert werden und es wäre wohl strategisch angeraten, dass Europa sich hier engagiert.“
Auswirkungen nach elf Monaten Trump-Regierung
„Schon jetzt sind viele kooperierende Partner in den USA – wie die Universitäten Harvard und Columbia oder die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) – von den Maßnahmen betroffen und dadurch in Ihrer wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Im Bereich der Atmosphärenchemie führt dies zu einer Eingrenzung der Forschungskooperationen, die nicht ohne weiteres kompensiert werden kann. Auch in einigen europäischen Ländern könnten sich solche Tendenzen verstärken und letztlich die Atmosphären- und Klimaforschung schwächen, obwohl sie gerade jetzt dringend benötigt wird. Dies erkennt man an den aktuell bearbeiteten Themenkomplexen wie Waldbrände als Quelle von Luftverschmutzung, Mikroplastik und PFAS in Aerosolpartikeln, Holzverbrennung in der Wohnungsheizung als wichtige Luftverschmutzung und an den zu kleinen Fortschritten im Klimaschutz bis hin zur absehbaren Nichteinhaltung des Pariser Abkommens.“
Leiterin der Abteilung Modellierung atmosphärischer Prozesse, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS), Leipzig, und Professorin für Modellierung atmosphärischer Prozesse, Universität Leipzig
„NCAR entwickelt und betreibt seit Jahrzehnten führende Klima- und Wettermodelle, die bewusst als offene Gemeinschaftsmodelle aufgebaut wurden und weltweit genutzt werden, auch in Deutschland. Als Vorreiter und unverzichtbarer Pfeiler internationaler Klimaforschung trägt NCAR maßgeblich zur wissenschaftlichen Debatte bei. Die Modelle und wissenschaftlichen Beiträge des NCAR erhöhen die Robustheit, Vergleichbarkeit und Glaubwürdigkeit von Klimaprojektionen – auch für Deutschland und Europa.“
Managing Director and Director of the Department, The Atmosphere in the Earth System, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg
Bisherige Rolle des NCAR
„Das NCAR spielt eine entscheidende Rolle in der internationalen Forschung, vor allem durch seine Unterstützung der nationalen US-amerikanischen Forschungsgemeinschaft an Universitäten. Das NCAR ist kein eigenständiges Labor mit eigener Mission, sondern eine nationale Einrichtung, ein Zentrum im wahrsten Sinne des Wortes, das geschaffen wurde, um die Infrastruktur für eine mittlerweile sehr starke universitäre Forschungsgemeinschaft bereitzustellen. In diesem Sinne unterscheidet sich das NCAR von anderen Klimalaboren in den USA – zum Beispiel dem Geophysical Fluid Dynamics Laboratory (GFDL), das ebenfalls von der Schließung bedroht ist – oder weltweit. Über das NCAR bündeln Universitäten ihre Ressourcen, um Rechenleistung, Softwareentwicklung, Modellentwicklung, Archivierung historischer Daten, Standardisierung von Daten und Software bereit zu stellen, Entwicklung neuer Instrumente zu ermöglichen sowie Instrumente und Instrumentenplattformen, wie Flugzeuge, für die Nutzung durch die Gemeinschaft bereitzustellen. Als nationales Kompetenzzentrum dient das NCAR auch als Ausbildungsstätte für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus anderen Ländern, die als Besucher, Postdoktoranden oder junge Forschende dorthin kommen, um unabhängig zu werden und ihren Horizont zu erweitern.“
„Die Schließung des NCAR würde die Klima- und Wetterforschung in den Vereinigten Staaten dramatisch zurückwerfen. Aufgrund der vielen Kooperationen und seiner Rolle in der Ausbildung wäre dies weltweit zu spüren. Es ist schwer, sich eine andere einzelne Maßnahme vorzustellen, die einen größeren und negativeren Einfluss auf die Klima- und Atmosphärenforschung hätte. Ohne das NCAR wäre die Klima- und Atmosphärenforschung in den Vereinigten Staaten wie die Polarforschung in Deutschland ohne das Forschungsschiff ‚Polarstern‘ und ohne die Neumayer-Station in der Antarktis.“
Auswirkungen nach elf Monaten Trump-Regierung
„Die Maßnahmen der Trump-Regierung haben viele globale Initiativen zur Stärkung der Infrastruktur der Klimawissenschaft erheblich behindert. Diese Infrastruktur umfasst die Entwicklung einer spannenden und dringend benötigten neuen Generation von physikalischeren Klimamodellen, neuen Instrumententypen wie hochmodernen Wetterradaren, Satelliten und anderen globalen Mess- und Überwachungsprogrammen. Diese Infrastrukturen hatten gerade erst begonnen, Datenaufzeichnungen zu liefern, die lang genug waren, um Theorien zu testen oder uns auf unerwartete Veränderungen aufmerksam zu machen. Bemerkenswert sind hier die Messungen des Energiehaushalts der Erde aus dem Weltraum und der Zustand der Ozeane, gemessen durch autonome Systeme wie ARGO auf See (etwa 4000 autonome Messbojen, die seit Anfang der 2000er-Jahre in allen Weltmeeren treibend zwischen null und 2000 Metern Tiefe auf- und absteigen und dabei physikalische Messdaten erheben; Anm. d. Red.). Noch heimtückischer ist, dass die Maßnahmen der Regierung dazu geführt haben, dass sich Forschende selbst von bestimmter Forschung distanzieren, die die Regierung als unerwünscht erachtet. Dies hat der Idee der unabhängigen Forschung, der Gedankenfreiheit und letztlich der Zivilgesellschaft enormen Schaden zugefügt.“
Folgen einer möglichen Schließung
„Es wird unmöglich sein, die Auswirkungen der Politik der Trump-Regierung vollständig zu kompensieren, aber die internationale Gemeinschaft kann und muss einige wichtige Dinge tun, die ohnehin sinnvoll gewesen wären. Europa könnte auf laufende Initiativen wie Destination Earth (DestinE), Copernicus und dem Earth Explorer-Programm der Europäischen Weltraumorganisation ESA aufbauen, um Klimaprognosen und -bewertungen zu operationalisieren, Klimadaten zu sichern und sicherzustellen, dass wichtige langfristige Überwachungssysteme entwickelt und gepflegt werden.“
„Die Verlagerung der Bereitstellung von Klimainformationen aus dem Forschungsbereich in den operativen Bereich wird dazu beitragen, sie zu entpolitisieren. Da Klimadaten zu den komplexesten und aufwändigsten Datenformen gehören, wird die Schaffung einer digitalen Commons-Plattform, die zur Erhaltung dieser Daten beiträgt (siehe EVE-Inititave), um sie verfügbar und nutzbar zu machen, auch die digitale Kompetenz und Souveränität Europas stärken.“
„Darüber hinaus können und sollten Forschungsprogramme außerhalb der USA ihre Programme für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler verbessern, um die Rolle der USA als Ort auszugleichen, an den junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit langem gehen, um ihre intellektuelle Unabhängigkeit zu entwickeln. Dafür gibt es großartige Beispiele, wie beispielsweise die Global Minds Initiative der Alexander von Humboldt-Stiftung. Es kann und sollte noch mehr getan werden, wobei der Schwerpunkt auf den jüngsten Wissenschaftlerinnen Wissenschaftlern liegen sollte. Allzu oft konzentrieren wir uns auf die bekannten, etablierten Forschende. Doch der eigentliche Schaden entsteht den jungen Forschenden, die Jahre ihres Lebens der Ausbildung gewidmet haben, um einen Beitrag zum Verständnis des Klimas, der Medizin und anderer Bereiche zu leisten. Gerade jetzt, wo sie beginnen, ihre Fähigkeiten anzuwenden, werden ihnen die Türen verschlossen.“
Professor für Meteorologie, Leiter der Arbeitsgruppe Tropische Meteorologie, Institut für Meteorologie und Klimaforschung-Troposphärenforschung, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Bisherige Rolle des NCAR
„In meinem Arbeitsgebiet – der tropischen Meteorologie – stellt das NCAR zahlreiche, ständig aktualisierte Datensätze beziehungsweise Indizes von Wetterphänomenen in den Tropen zur Verfügung; das bekannteste ist sicherlich das El Niño-Phänomen. Weiterhin nutzen wir die sogenannten Re-Analysen des NCAR, um Wetterphänomene und Klimavariabilität zum Beispiel in den Tropen zu untersuchen. Viel bedeutsamer sind die wichtigen Meilensteine zum Verständnis der Meteorologie der Tropen, welche Forscherinnen und Forscher des NCAR beständig in den vergangenen Jahrzehnten erzielt haben. In diesem Feld ist das NCAR einer der weltweit wichtigsten Wissenshubs mit einer beindruckenden über 60-jährigen Geschichte, darunter auch in der für die USA relevanten Hurrikan-Forschung. Das NCAR spielt aber auch eine führende Rolle in vielen anderen Gebieten der Meteorologie wie Wolkenphysik, Wettervorhersage, bei Messinstrumenten und Feldkampagnen. Hier gibt es für meine Kolleginnen und Kollegen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ebenfalls schon ganz konkrete Einschränkungen.“
Folgen einer möglichen Schließung
„Die oben genannten Datensätze und Re-Analysen werden inzwischen grundsätzlich auch von anderen Zentren zur Verfügung gestellt – allerdings gelten die vom NCAR als besonders vertrauenswürdig. Die vergangene erfolgreiche Zusammenarbeit mit NCAR-Forscherinnen und -Forschern, auch von Kolleginnen und Kollegen an meinem Institut am KIT, würde bei einer Schließung abrupt enden. Das wäre für uns sicherlich ein bedauerlicher Rückschlag. Aber natürlich gilt das auch für andere Kolleginnen und Kollegen in Deutschland, Europa und weltweit. Ich sehe aber auch konkrete Folgen für die Vereinigten Staaten: Schlechte Wetterwarnungen würden die US-Wählerinnen und -Wähler sofort bemerken – daher soll das Feld der Wetterforschung am NCAR auch an andere US-Institutionen transferiert werden. Schlechte Klimaprojektionen, zum Beispiel mit Blick auf zukünftige Missernten, können erst rückblickend bewertet werden. Aber genau in dem Bereich der Anpassung an den vom Menschen gemachten Klimawandel in den USA wird die Schließung des führenden Zentrums Konsequenzen haben. Diese können in meinen Augen nicht vollständig – zum Beispiel durch die von den Bundesstaaten oder privat finanzierten US-Universitäten – aufgefangen werden.“
Auswirkungen nach elf Monaten Trump-Regierung
„Es gibt eine große Unruhe, oft auch eine Verunsicherung, in der internationalen Klimaforschung. Kooperationsprojekte mit US-Forscherinnen und -Forschern sind der Politik der neuen US-Administration bereits zum Opfer gefallen. Einige US-Satellitendaten und Informationen im Internet stehen nicht mehr zur Verfügung. Es gibt wegen der Schließung von Datenbanken Bemühungen, US-Klimadaten an Institutionen außerhalb der USA zu sichern und online zur Verfügung zu halten. US-Forscherinnen und -Forscher können nicht mehr im bisherigen Umfang an internationalen Messkampagnen teilnehmen. All das scheint auf den ersten Blick und isoliert gesehen eventuell verkraftbar. Aber die Auswirkungen auf das Verständnis des Klimawandels werden sich erst in wenigen Jahren zeigen. Dies kann dadurch verschärft werden, dass andere Länder ein Stück weit oder ganz dem Beispiel der USA folgen und versuchen, unliebsame Fakten zum Klimawandel durch Mittelkürzung für die Forschung erst gar nicht ans Licht kommen zu lassen. Ohne einzelne Länder zu nennen: Eine Tendenz dazu ist erkennbar. Eine solche Entwicklung wäre gefährlich und bedroht das Wohlergehen unserer Kinder.“
„Es gibt keine Interessenkonflikte.“
„Ich bin selbst in der Wetter- und Klimaforschung tätig und arbeite mit Kollegen der betroffenen Institutionen in den USA zusammen.“
„Was Interessenkonflikte angeht, so sehe ich bei mir keine jenseits der Tatsache, dass ich dort viele KollegInnen kenne und schätze.“
Prof. Dr. Veronika Eyring: „Ich bin Affiliate Scientist am NCAR, besuche das NCAR regelmäßig und kooperiere entsprechend eng mit KollegInnen in der Klimaforschung.“
Prof. Dr. Ulrich Schumann: „Ich war 1974 und 1975 als Gastwissenschaftler am NCAR und habe dort nach wie vor Kooperationspartner und Freunde.“
„Ich habe keinen Interessenskonflikt mit NCAR. “
„Es liegt kein Interessenkonflikt in Bezug auf das NCAR vor.“
„Was potenzielle Konflikte angeht, sind mir keine bekannt. Allerdings habe ich eine gewisse Verbindung zum NCAR. Ich war dort von 1996 bis 1998 als Postdoktorand im Rahmen des ‚Advanced Study Programme‘ tätig. Danach war ich noch etwa zehn Jahre lang als assoziierter Wissenschaftler tätig und gehörte um 2010 für einige Jahre einem ihrer Beiräte an.“
„Ich erkläre hiermit, dass keine Interessenkonflikte bestehen.“
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Prof. Dr. Gerrit Lohmann
Leiter der Arbeitsgruppe Dynamik des Paläoklimas und des Fachbereichs Klimawissenschaften, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven, und Assoziierter Professor in der Arbeitsgruppe Paläoklimadynamik, Fachbereich Physik des Klimasystems, Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM), Universität Bremen
Information on possible conflicts of interest
„Es gibt keine Interessenkonflikte.“
Prof. Dr. Daniela Domeisen
Assistenzprofessorin am Departement Umweltsystemwissenschaften, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ), Zürich, und außerordentliche Professorin und Leiterin der Gruppe für atmosphärische Prozesse, Université de Lausanne, Schweiz
Information on possible conflicts of interest
„Ich bin selbst in der Wetter- und Klimaforschung tätig und arbeite mit Kollegen der betroffenen Institutionen in den USA zusammen.“
Prof. Dr. Markus Rapp
Direktor des Instituts für Physik der Atmosphäre, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), Oberpfaffenhofen, und Professur für Physik der Atmosphäre, Fakultät für Physik, Ludwig-Maximilians-Universität München
Information on possible conflicts of interest
„Was Interessenkonflikte angeht, so sehe ich bei mir keine jenseits der Tatsache, dass ich dort viele KollegInnen kenne und schätze.“
Prof. Dr. Veronika Eyring: „Ich bin Affiliate Scientist am NCAR, besuche das NCAR regelmäßig und kooperiere entsprechend eng mit KollegInnen in der Klimaforschung.“
Prof. Dr. Ulrich Schumann: „Ich war 1974 und 1975 als Gastwissenschaftler am NCAR und habe dort nach wie vor Kooperationspartner und Freunde.“
Prof. Dr. Andreas Macke
Direktor des TROPOS und Leiter der Abteilung Fernerkundung atmosphärischer Prozesse, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS), Leipzig, und Professor für Physik der Atmosphäre an der Universität Leipzig
Information on possible conflicts of interest
„Ich habe keinen Interessenskonflikt mit NCAR. “
Prof. Dr. Hartmut Herrmann
Leiter der Abteilung Chemie der Atmosphäre, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS), Leipzig, und Professor für Atmosphärische Chemie an der Universität Leipzig
Information on possible conflicts of interest
„Es liegt kein Interessenkonflikt in Bezug auf das NCAR vor.“
Prof. Dr. Ina Tegen
Leiterin der Abteilung Modellierung atmosphärischer Prozesse, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS), Leipzig, und Professorin für Modellierung atmosphärischer Prozesse, Universität Leipzig
Prof. Dr. Bjorn Stevens
Managing Director and Director of the Department, The Atmosphere in the Earth System, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg
Information on possible conflicts of interest
„Was potenzielle Konflikte angeht, sind mir keine bekannt. Allerdings habe ich eine gewisse Verbindung zum NCAR. Ich war dort von 1996 bis 1998 als Postdoktorand im Rahmen des ‚Advanced Study Programme‘ tätig. Danach war ich noch etwa zehn Jahre lang als assoziierter Wissenschaftler tätig und gehörte um 2010 für einige Jahre einem ihrer Beiräte an.“
Prof. Dr. Andreas Fink
Professor für Meteorologie, Leiter der Arbeitsgruppe Tropische Meteorologie, Institut für Meteorologie und Klimaforschung-Troposphärenforschung, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Information on possible conflicts of interest
„Ich erkläre hiermit, dass keine Interessenkonflikte bestehen.“