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14.01.2022

Priorisierung der PCR-Testkapazitäten

Anlass

Deutschlands Labore stoßen aufgrund der Omikron-Infektionswelle an ihre PCR-Testkapazitäten. Während regional vereinzelt Labore bereits überlastet sind, wird dies basierend auf den aktuell verfügbaren Daten in der kommenden Woche vermutlich bundesweit der Fall sein. Insgesamt sind in Deutschland rund 2,5 Millionen PCR-Tests wöchentlich möglich. Die Zahl setzt sich aus den aufgerundeten Daten der Akkreditieren Labore in der Medizin (ALM) und weiterer genutzter Testkapazitäten zusammen. Die ALM führen mehr als 90 Prozent der Tests durch. Bei einer Testpositivrate von 25 Prozent könnte demnach hierzulande maximal eine Inzidenz von etwa 750 gemessen werden. Ein solcher Wert könnte bei dem derzeitigen Wachstum der Infektionszahlen bereits kommende Woche erreicht werden. Laut dem aktuellen ALM-Bericht von Dienstag liegt die Positivrate derzeit bei 23,4 Prozent. Sie stieg zuletzt stets an.

Das SMC hat Fachleute um eine Einschätzung gebeten, welche Strategie im Falle einer bundesweiten Überlastung der Labore die ratsamste ist und ob es mit Blick auf eine womöglich bald beginnende endemische Lage überhaupt notwendig ist, die Testkapazitäten weiter so hoch zu halten. Grundsätzlich ist eine Priorisierung bestimmter Personengruppen bei begrenzter Testkapazität in der nationalen Teststrategie geregelt.

Einen Überblick zur aktuellen Lage finden Sie wie gewohnt im SMC Corona Report.

Übersicht

     

  • PD Dr. Claudia Denkinger, Leiterin der Sektion Klinische Tropenmedizin mit Schwerpunkt Innere Medizin, Infektiologie und Tropenmedizin, Universitätsklinikum Heidelberg
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  • Prof. Dr. Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation, Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS), Bremen
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Statements

PD Dr. Claudia Denkinger

Leiterin der Sektion Klinische Tropenmedizin mit Schwerpunkt Innere Medizin, Infektiologie und Tropenmedizin, Universitätsklinikum Heidelberg

„Ich denke zu diesem Zeitpunkt in der Pandemie, muss die Testkapazität intelligent eingesetzt werden, das heißt es müssen die vulnerablen Gruppen weiterhin geschützt werden, um die Krankenhäuser nicht zu überlasten und schlimme Einzelschicksale zu vermeiden; und es müssen essenzielle Infrastrukturen geschützt werden, so dass zum Beispiel nicht auf einmal alle Polizisten einer Wache ausfallen. Für beide Anwendungen wäre immer die PCR der bessere Test, eventuell auch in Form von Pool-Testung in stabilen (sich nicht ändernden Gruppen), aber eben auch die Antigentests. Die Schnelltests funktionieren weiterhin gut.“

„Wir gehen allmählich in eine endemische Situation über. Omikron ist der Beweis dafür, dass wir keinen Infektionsschutz mit Impfung erreichen, sondern nur einen Schutz vor schwerer Erkrankung. Deshalb sollten wir unsere Teststrategien anpassen. Es kommt nicht mehr auf jeden Test an.“

Prof. Dr. Hajo Zeeb

Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation, Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS), Bremen

„Die Testkapazitäten insgesamt sind derzeit noch nicht vollständig ausgeschöpft, bei rund 2,3 Millionen möglichen Tests pro Woche und derzeit noch niedriger Zahl durchgeführter Tests. Allerdings gibt es lokal schon erhebliche Probleme, da die Labore ja nicht flächendeckend gleich verteilt sind. Die Nachverfolgung wird aktuell nicht mehr umfassend durchgeführt, da die Inzidenzzahlen dies oftmals nicht mehr zulassen. Für Isolations- und Quarantäneentscheidungen und -dauern ist es problematisch, wenn PCR-Bestätigungsergebnisse sehr spät kommen. Derzeit kommt es lokal schon zu Wartezeiten von mehreren Tagen, die für die Betroffenen natürlich belastend sind.“

„Die Zahl der Labore ist kurzfristig nicht erweiterbar, allenfalls der Umsatz in den Laboren. Bei Erreichen der Kapazitätsgrenze ist dann zu überlegen, dass für kritische Infrastrukturen einschließlich der Schulen Vorrang geschaffen wird.“

„Es ist angesichts der unspezifischen Symptome schwierig, ohne Testung über Isolation oder Quarantäne zu entscheiden. Insofern dürfte die wesentliche Stellschraube darin liegen, wofür PCR-Tests eingesetzt werden. Ich würde trotz der etwas geringeren Aussagekraft zwei Antigenschnelltests an aufeinanderfolgenden Tagen zum Beenden der Isolation/Quarantäne befürworten, so wie es auch in Großbritannien gemacht wird.“

„Auf längere Sicht – insbesondere, wenn wir in eine endemische Lage mit vergleichsweise geringen Häufigkeiten schwerer Erkrankungen kommen – wird sicher seltener getestet werden, insbesondere anlassloses Testen wird dann vermutlich nicht mehr erfolgen.“

Angaben zu möglichen Interessenkonflikten

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