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15.02.2018

Stammzell-Impfung gegen Krebs in Mäusen erfolgreich

Anlass

Kann man mit Stammzellen gegen Tumore impfen? Diesen Ansatz haben Forscher erstmals mit einer bestimmten Art von Stammzellen erfolgreich in Mäusen getestet. Für die Impfung verwendeten die Forscher sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) – also Stammzellen, die durch künstliche Reprogrammierung entwickelter Körperzellen entstanden sind. In diesem Fall reiften die iPS-Zellen aus Fibroblasten der Mäuse heran – also aus den Zellen, die Bindegewebe bilden.

In Mausmodellen für unter anderem Brust- und Hautkrebs rief die Impfung mit den iPS-Zellen eine spezifische Immunantwort gegen die Tumore hervor. Diese könnte womöglich helfen, Rückfälle nach Tumoroperationen zu vermeiden. Die Forscher beobachteten bei den Versuchstieren bisher keine Autoimmunreaktionen als Nebenwirkungen. Die Ergebnisse wurden am 15.02.2018 im Fachjournal „Cell Stem Cell“ publiziert.

Statements

Prof. Dr. Hinrich Abken

Professor für Genetik und Immunologie, Uniklinik Köln,
und Leiter des Labors für Tumorgenetik und Immunologie, Klinik I für Innere Medizin, Uniklinik Köln, und Zentrum für Molekulare Medizin Köln (ZMMK) der Universität zu Köln:

„Die wissenschaftliche Ausgangslage ist folgende: Pluripotente Stammzellen – ob in vitro induziert oder nicht – haben wie auch embryonale Stammzellen viele Eigenschaften gemeinsam mit Tumorzellen, insbesondere Tumorstammzellen. Dieses war zum Teil auch schon früher bekannt. Die Gruppe hat daraus die Hypothese gebildet, dass es gemeinsame Antigene (Moleküle, an die spezifische Antikörper binden können; Anm. d. Red.) zwischen den Stammzellen und den Tumorzellen geben müsse, die man für eine Impfung nutzen könne. Schon vorher war bekannt, dass (bestrahlte) Tumorzellen als Impfungen gegen Tumore einsetzbar sind.“

„Das Innovative dieser Studie ist jedoch, dass autologe – das heißt körpereigene – Zellen genommen werden, die ex vivo in ein Stammzellstadium zurückdifferenziert wurden, nämlich in pluripotente Stammzellen (Die Differenzierung der Zellen wird dazu außerhalb des Organismus rückgängig gemacht; Anm. d. Red.). Diese sogenannten iPS-Zellen, die dann einige oder viele Tumor-Antigene exprimieren, werden als Impfung eingesetzt.“

„Dabei gehen die Autoren davon aus – was sicherlich umstritten sein wird –, dass die induzierten pluripotenten Stammzellen wirklich dasselbe Set oder einen großen Teil der Tumorantigene des jeweiligen Patienten ausprägen, und nicht irgendwelche Tumorantigene, die ein anderer Patient in seinem Tumor haben mag.“

„Die verwendeten Mausmodelle in der Veröffentlichung sind Standardmodelle und breit akzeptiert; der Nachweis einer induzierten zellulären Immunität gegen Tumore, die sich übertragen lässt, macht die Aussage ziemlich robust.“

„Offen bleibt, ob das wirklich so am Menschen einsetzbar sein wird. Maus und Mensch haben allerdings ähnliche Muster, was es sehr wahrscheinlich macht. Und offen bleibt auch, ob es auch gegen natürliche Tumore mit einer langen Entwicklungszeit – und nicht nur gegen induzierte Tumore aus Tumorzell-Linien – schützen wird.“

„Mein Fazit: Der Ansatz ist spannend, herausfordernd und sicherlich wert, wissenschaftlich weiter verfolgt zu werden. Es ist aber viel zu früh, um ihn als ‚Heilverfahren‘ bezeichnen zu können.“

Mögliche Interessenkonflikte

Prof. Dr. Hinrich Abken: wissenschaftliche Beratung von folgenden Firmen: Meltenyi Biotec; Aleta Biotherapeutics, Natick MA, USA; Humorigin, Taipei, Taiwan

Primärquelle

Kooreman NG et al. (2018): Autologous iPSC-Based Vaccines Elicit Anti-tumor Responses In Vivo. Cell Stem Cell; 22:2-13. DOI: 10.1016/j.stem.2018.01.016.