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03.06.2020

Statistische Tests in zweiter Version von Drosten-Studie

Anlass

Das Team um Christian Drosten hat eine zweite Version der Preprint-Publikation zur Viruslast von SARS-CoV-2 bei Kindern und Erwachsenen auf den Server der Charité hochgeladen (siehe Primärquelle). In den vergangenen Tagen löste die erste Version dieser vorläufigen Studie eine Welle medialer Berichterstattung aus. Ein Teil der Berichte griff auch die fachliche Kritik einiger Statistiker auf, die Bedenken hinsichtlich der verwendeten Methoden des statistischen Testens geäußert hatten. Die Arbeitsgruppe um Christian Drosten überarbeitete daraufhin die Analyse. Zwei Statements von Statistikern ordnen die Aktualisierungen der Methodik in der neuen Fassung der Publikation ein.

Ein Fact Sheet des SMC zu den Hintergründen des statistischen Testens generell und in Bezug auf die Preprint-Publikationfinden Sie hier.

Übersicht

     

  • Jun.-Prof. Dr. Dominik Liebl, Juniorprofessor am Institut für Finanzökonomie und Statistik, Universität Bonn
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  • Prof. Dr. Kevin McConway, emeritierter Professor für angewandte Statistik, The Open University, Milton Keynes, Vereinigtes Königreich
    und Prof. Sir David Spiegelhalter, Vorsitzender des Winton Centre for Risk and Evidence Communication, University of Cambridge, Vereinigtes Königreich

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Statements

Jun.-Prof. Dr. Dominik Liebl

Juniorprofessor am Institut für Finanzökonomie und Statistik, Universität Bonn

„Der methodische Teil der statistischen Analyse in der neuen Version des Preprints Jones et al. (2020) wurde aus meiner Sicht deutlich verbessert. Neben der methodischen Verbesserung besteht der größte Unterschied zur ersten Version darin, dass nun zwei getrennte Analysen durchgeführt werden, eine je PCR-Test Typus LC480 und cobas. Die Grundaussage der ersten Version des Preprints bleibt im Wesentlichen bestehen. In den Daten für den cobas PCR-Test finden die Autoren statistisch signifikante Unterschiede in der Viruslast zwischen Kindern und Erwachsenen. In den Daten für den LC480 PCR-Test ist die Ergebnislage unklar, da keine statistisch signifikanten Unterschiede gefunden werden. Es gibt einige Einschränkungen, diese werden jedoch klar benannt. Zum Beispiel wäre die Berücksichtigung von weiteren Krankheitsdaten wünschenswert gewesen – diese relevanten Daten konnten jedoch (noch) nicht erhoben werden. Auch die neue Version des Preprints wird sicherlich weiterhin in der Wissenschaft diskutiert werden und dies ist auch gut so. Die Autoren haben mithilfe der Kritik aus der Wissenschaft ihren Preprint weiter verbessert. Das #TeamWissenschaft funktioniert also und dies ist vielleicht die einzige gute Nachricht in einer Geschichte, die keine hätte sein sollen.“

Prof. Dr. Kevin McConway

emeritierter Professor für angewandte Statistik, The Open University, Milton Keynes, Vereinigtes Königreich

Prof. Sir David Spiegelhalter

Vorsitzender des Winton Centre for Risk and Evidence Communication, University of Cambridge, Vereinigtes Königreich

„Wir freuen uns über die neue Version des Preprints zur Viruslast von Jones et al.. Diese Überarbeitung ist unserer Ansicht nach erheblich verbessert worden, und die Autoren haben sich mit den drei wichtigsten statistischen Problemen befasst, die wir in unserem Artikel zur ersten Version angesprochen haben [1]. Außerdem machen sie erstens klarer, dass es unvermeidliche Probleme mit den Daten gibt, die dadurch entstehen, dass sie aus in der klinischen Praxis durchgeführten Tests stammen und nicht zu Forschungszwecken gesammelt wurden. Zweitens erklären sie, warum es immer noch wichtig und nützlich ist, die Daten und Analysen zu präsentieren, da bessere Daten nicht verfügbar sind. Und drittens machen sie deutlicher, dass es sich um eine Preprint-Publikation handelt, dass die Forschung noch nicht von anderen Wissenschaftlern oder Klinikern ausgewertet wurde und dass sie noch nicht zur Anleitung der klinischen Praxis verwendet werden sollte.“ 

„Wir begrüßen diese stark verbesserte Revision, und obwohl wir den Autoren über die üblichen Kanäle zur Kommentierung von Vorabdrucken weitere Kommentare zukommen lassen können, beabsichtigen wir nicht, eine andere Aussage über die revidierte Fassung zu machen.“

„Ursprünglich enthielt unser Statement einige Bedenken bezüglich des letzten Satzes im Abstract, der nicht mit anderen Aussagen in dieser neuen Version des Preprints übereinstimmten. Nachdem die Autoren diese Version unseres Statements gelesen hatten, waren sie sich einig, dass der Satz nicht das ausdrückt, was sie ausdrücken wollten, und haben bereits eine kleine Änderung an dem Satz vorgenommen, damit er ihrer beabsichtigten Bedeutung entspricht und der scheinbare Widerspruch beseitigt wird (die hochgeladene Verison ist bereits geändert worden, Anm. d. Red.). Dies ist unserer Meinung nach ein gutes Beispiel dafür, wie Wissenschaft und Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern funktionieren sollten.“

Angaben zu möglichen Interessenkonflikten

Alle: Keine Angaben erhalten.

Primärquelle

Jones T et al. (2020): An analysis of SARS-CoV-2 viral load by patient age. Preprint-Publikation auf dem Server der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Literaturstellen, die von den Experten zitiert wurden

[1] McConway K et al. (25.05.2020): Is SARS-CoV-2 viral load lower in young children than adults? Jones et al provide evidence that it is (in spite of their claims to the contrary). Medium.