Zum Hauptinhalt springen
07.09.2018

Open Access soll in Europa Pflicht für geförderte Wissenschaftler werden

Anlass

Von 11 nationalen Forschungsförderungsorganisationen und dem European Research Council unterstützte Forscher sollen ab 2020 ihre Ergebnisse unmittelbar Open Access veröffentlichen. Andernfalls werden ihnen nicht näher beschriebene Sanktionen drohen. Diesen Beschluss haben die Einrichtungen am 04.09.2018 veröffentlicht und eine gemeinsame Organisation gegründet, die „cOAlition S“ (Primärquelle). Zusätzlich beschlossen sie „10 Prinzipien“. Zu denen gehören unter anderem, dass die Wissenschaftler das Urheberrecht an ihren Veröffentlichungen ohne jede Einschränkung behalten und weiter – sollten keine Open Access Plattformen in erforderlicher Qualität existieren –, dass diese mit Unterstützung der Organisation gegründet werden sollen.

 

Übersicht

  • Prof. Dr. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz Gemeinschaft
  • Prof. Dr. Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK)
  • Prof. Dr. Hans-Christian Pape, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung

Statements

Prof. Dr. Matthias Kleiner

Präsident der Leibniz Gemeinschaft

„Die Leibniz-Gemeinschaft unterstützt den freien Zugang zu öffentlich gefördertem Wissen über Open Access seit Jahren mit großem Nachdruck, unter anderem mit einem Open-Access-Publikationsfonds und ihrem Online-Repositorium 'LeibnizOpen'. In ihrer Open-Access-Policy ermutigt die Leibniz-Gemeinschaft ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bestehenden Open-Access-Publikationsmöglichkeiten noch konsequenter zu nutzen.“

„Die Leibniz-Gemeinschaft ist allerdings eine Forschungsorganisation und kein Forschungsförderer, wie es fast alle Unterzeichner der cOAlition S sind, und vergibt nur in sehr geringem Umfang über ihr internes Leibniz-Wettbewerbsverfahren selbst Fördergelder. Deshalb gehört sie nicht zu den Unterzeichnern dieser Erklärung.“

„Bei der Förderung von Open Access muss berücksichtigt werden, dass wissenschaftspolitische Grundsatzentscheidungen nicht dazu führen dürfen, die Karrierechancen vor allem von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern zu beeinträchtigen, wenn sich die aktuelle Wirklichkeit im Forschungsalltag noch anders gestaltet. Trotz allem ist und bleibt es die Position der Leibniz-Gemeinschaft: Open Access soll und muss als offener Zugang zu qualitätsgesicherten wissenschaftlichen Publikationen zum Standard werden.“

Prof. Dr. Peter-André Alt

Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

„Das von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) geführte Allianz-Projekt DEAL steht mit großer internationaler Ausstrahlungswirkung für den Übergang zu einem neuen Publikationsmodell, dessen Kern das allgemeine Prinzip des Open Access bildet. Das unter ‚cOAlition S‘ formulierte Vorhaben stellt aus der Sicht der HRK einen wichtigen Baustein auf diesem Weg dar, weil es die Schlüsselrolle der Forschungsförderer betont und Open Access zugleich als Teil einer übergreifenden europäischen Wissenschaftskultur markiert. Die Ausgestaltung dieses anspruchsvollen Prozesses ist dabei von großer Bedeutung.“

Prof. Dr. Hans-Christian Pape

Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung

„Die Humboldt Stiftung unterstützt die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen im Open Access - ideell und finanziell. Es widerspricht aber unseren Grundsätzen, dem oder der Forschenden die Entscheidung über den im Einzelfall besten Weg abzunehmen und ihnen für den Fall einer Entscheidung gegen Open Access mit Sanktionen zu drohen.“

Angaben zu möglichen Interessenkonflikten

Alle: Keine angegeben.

Primärquelle

Science Europe, cOAlition S: Making Open Access a reality. A declaration of commitment by public research funders.

Weitere Recherchequellen

Die DFG hat eine Stellungnahme zu dieser Ankündigung auf ihrer Hompage veröffentlicht.

Informationen zu dem Allianz-Projekt DEAL finden Sie hier.