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21.01.2020

Wie sollen E-Zigaretten künftig reguliert werden?

Anlass

Elektronische Zigaretten galten in der Wissenschaft lange als eine risikoärmere Alternative des Nikotinkonsums und zugleich als Möglichkeit, um mit dem Rauchen aufzuhören. Bis zu 95 Prozent weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten sei das Vaping für Raucher, schätzten britische Wissenschaftler 2016 in einer Studie [1, 2]. In Großbritannien unterstützt das staatliche Gesundheitssystem eine nationale Rauchentwöhnungskampagne, die darauf abzielt, Zigarettenrauchern den Zugang und den Wechsel auf E-Zigaretten zu erleichtern. 50.000 bis 70.000 Raucher hätten es alleine in 2017 geschafft, vom Rauchen abzukommen [3].

In Großbritannien gelingt es bisher, dass E-Zigaretten hauptsächlich in der Rauchentwöhnung verwendet werden und trotzdem für Nichtraucher – und damit vor allem für Jugendliche – unattraktiv bleiben und nicht zum Einstieg in den Nikotinkonsum genutzt werden [4]. Das gelingt unter anderem durch ein rigoroses Werbeverbot und Nichtraucherkampagnen.

Ganz anders verhielt es sich bis vor kurzem mit dem Konsumverhalten in den USA. 2018 benutzte bereits jeder fünfte Jugendliche regelmäßig E-Zigaretten [5], da diese mit attraktiven Kampagnen auch über soziale Medien stark beworben wurden. Zusätzlich führten höhere Nikotinkonzentrationen in den Verdampferliquids zu einer rasch einsetzenden Abhängigkeit – während in Europa die Nikotindosis von E-Zigaretten niedriger ist und strenger reguliert wird [6].

Im Sommer 2019 brach dann in den USA eine Welle von teils tödlichen Lungenerkrankungen aus. Der Verdacht fiel zunächst auf den Gebrauch von E-Zigaretten. Obwohl die Ursache der Lungenerkrankungen letztendlich auf die Beimischung von Vitamin E-Acetat in den meist illegalen Verdampferliquids zurückzuführen war, die beim Dampfen von Tetrahydrocannabinol (THC) verwendet werden, wurde das zunächst eher positive Image der E-Zigarette auch in Europa stark beschädigt. Darüber hinaus mehrten sich die Veröffentlichungen von unabhängigen wissenschaftlichen Studien, die auch die langfristigen gesundheitlichen Risiken eines regelmäßigen E-Zigaretten-Konsums stärker in den Fokus rückten.

Zwar bleiben die möglichen Risiken für Langzeitfolgen durch das Rauchen von E-Zigaretten vorerst ungeklärt, weil es E-Zigaretten erst seit wenigen Jahren gibt, dennoch bleibt die entscheidende Public Health-Frage, ob die E-Zigarette als ein probates Mittel zur Rauchentwöhnung empfohlen werden sollte. Und ob zugleich verhindert werden kann, dass vermehrt Nie-Rauchende Jugendliche zu Nikotin-abhängigen E-Zigarettenrauchern werden – mit all den Langzeitrisiken, die das bedeuten kann.

Für den Umgang und die Regulation von E-Zigaretten verfolgt Deutschland bis jetzt keine klare Strategie. Sollten E-Zigaretten aufgrund ihrer möglichen langfristigen Gesundheitsrisiken grundsätzlich verboten werden? Oder sollte Deutschland dem erfolgreichen britischen Modell folgen? Bleiben E-Zigaretten eine gute Methode, um die Gesundheitsrisiken von Rauchern zu minimieren und bei der Rauchentwöhnung zu helfen? Wie kann Dual-Use von Zigarette und E-Zigarette verhindert werden? Welches Werbeverbot für E-Zigaretten bräuchte es? Wie sieht es mit der Forschungslandschaft zu Nutzen und Risiken von E-Zigaretten in Deutschland aus?

Diese Fragen – und Ihre! – beantworten die ExpertInnen auf dem Podium.

Experten auf dem Podium

     

  • PD Dr. Ute Mons
    Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention, anerkanntes WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
     
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  • Prof. Dr. Daniel Kotz
    Professor für Suchtforschung und klinische Epidemiologie, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Düsseldorf
     
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  • Dr. Thomas Hering
    Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, Berlin
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Livestream-Mitschnitt

Die Veranstaltung startet am 22.01.2020 um 15:00 Uhr.

Den YouTube-Kanal des SMC finden Sie hier.

Audio-Mitschnitt & Transkript 

Einen Audio-Mitschnitt zum Download im wav-Dateiformat finden Sie hier.

Ein Transkript können Sie hier herunterladen.

Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden

[1] Stephens WE (2017): Comparing the cancer potencies of emissions from vapourised nicotine products including e-cigarettes with those of tobacco smoke. Tob Control. DOI: 10.1136/tobaccocontrol-2017-053808.

[2] Science Media Center (2017): E-Zigaretten: Entwöhnungsmittel für Raucher oder neue Gefahrenquelle? Stand: 09.02.2017.

[3] Beard et al. (2019): Association of prevalence of electronic cigarette use with smoking cessation and cigarette consumption in England: a time–series analysis between 2007 and 2017. Addiction. DOI: 10.1111/add.14851.

[4] Action on Smoking and Health (2019): Use of e-cigarettes among young people in Great Britain.

[5] Fadus MC et al. (2019): The rise of e-cigarettes, pod mod devices,and JUUL among youth: Factors influencing use, health implications, and downstream effects. Drug Alcohol Depend.; 201: 85-93. DOI: 10.1016/j.drugalcdep.2019.04.011

[6] Europäische Parlament (2014): Richtlinie zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Herstellung, die Aufmachung und den Verkauf von Tabakerzeugnissen und verwandten Erzeugnissen. Amtsblatt der Europäischen Union; L 127/1.