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26.05.2021

Eigenschaften und Verbreitung der SARS-CoV-2-Variante B.1.617.2

Anlass

Die ursprünglich aus Indien stammende Variante B.1.617.2 des SARS-CoV-2-Virus breitet sich trotz niedriger Inzidenzen weiter in Großbritannien aus. Britische Forschende schätzen, dass sie sich 50 Prozent schneller verbreiten kann als die vorherrschende Variante B.1.1.7. Im Mai wurde sie daher auch von der Weltgesundheitsorganisation als „Variant of Concern“ (VOC) eingestuft, wie zuvor auch schon B.1.1.7.

Die Veränderungen im Erbgut des Spike-Proteins von B.1.617 im Vergleich zu anderen Varianten könnten ihr neben der erhöhten Übertragbarkeit auch ein partielles Entkommen vor der Immunantwort von Geimpften und Genesenen ermöglichen, einen sogenannten „immune escape“. Allerdings schafft es die Variante nicht, die Immunantwort völlig zu umgehen, weshalb auch die vorhandenen Impfstoffe immer noch hoch wirksam sind [II] [III] [IV] [V].

Internationale Forschende um Ravindra Gupta aus Cambridge fanden zudem heraus, dass die Mutation P681R mit einer erhöhten Fähigkeit zur Induktion von Zell-Zell-Fusionen und Synzytien-Bildung in Zellkultur assoziiert ist, die es der Variante erlauben könnte, stärker pathogen zu wirken, also schwerere COVID-19-Erkrankungen auszulösen [V]. Allerdings gibt es aus Gebieten mit hoher B.1.617.2-Verbreitung bisher keine eindeutigen Hinweise auf einen Unterschied in der Krankheitsschwere im Vergleich zu anderen Varianten wie B.1.1.7 [I].

B.1.617 ist bereits die vierte VOC, die sich im Laufe der letzten Monate entwickelt hat: In England wurde Ende vergangenen Jahres B.1.1.7 identifiziert, die aktuell die dominanteste Variante von SARS-CoV-2 weltweit ist, weil sie sich durch eine erhöhte Übertragbarkeit rasend schnell verbreitet hat. In Brasilien und Südafrika entstanden zwei weitere VOCs – B.1.351 und P.1 –, die sich durch eine „immune escape“-Mutation in diesen Regionen mit vielen COVID-19-Genesenen einen Vorteil verschaffen konnten.

Aufgrund der raschen Verbreitung von B.1.617.2 in Großbritannien beobachten britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Entwicklung ganz genau, charakterisieren die Variante im Labor und modellieren ihre weitere Verbreitung. Das SMC hat zwei von ihnen gebeten, ihre neuen Erkenntnisse in einem virtuellen Press Briefing zu berichten und Ihre Fragen zu beantworten. Außerdem möchten wir gerne einen Blick in die Zukunft werfen und besprechen, welche potenziellen Varianten anhand des derzeitigen Wissenstandes noch zu erwarten sind und wie diese mit dem Impffortschritt wechselwirken.

Experten auf dem Podium

     

  • Prof. Dr. Ravindra Gupta
    Professor für klinische Mikrobiologie, University of Cambridge, Vereinigtes Königreich
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  • Prof. Dr. Neil Ferguson
    Direktor des MRC Centre for Global Infectious Disease Analysis, Imperial College London, Vereinigtes Königreich
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Video-Mitschnitt & Transkript

Ein Transkript finden Sie hier.

Literaturstellen, die vom SMC verwendet wurden

[I] UK Government: SAGE 89 minutes: Coronavirus (COVID-19) response, 13 May 2021.

[II] Yadav PD et al. (2021): Neutralization of variant under investigation B.1.617 with sera of BBV152 vaccinees. bioRxiv. DOI: 10.1101/2021.04.23.441101.

[III] Tada T et al. (2021): The Spike Proteins of SARS-CoV-2 B.1.617 and B.1.618 Variants Identified in India Provide Partial Resistance to Vaccine-elicited and Therapeutic Monoclonal Antibodies. bioRxiv. DOI: 10.1101/2021.05.14.444076.

[IV] Bernal JL et al. (2021): Effectiveness of COVID-19 vaccines against the B.1.617.2 variant. PHE England.

[V] Ferreira I et al. (2021): SARS-CoV-2 B.1.617 emergence and sensitivity to vaccine-elicited antibodies. bioRxiv. DOI: 10.1101/2021.05.08.443253.