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10.12.2020

CO2-Emissionen im Corona-Jahr – das Global Carbon Budget 2020

Anlass

Die CO2-Emissionen sind im Corona-Jahr 2020 um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Insgesamt wurden im aktuellen Jahr 34 Gigatonnen des Treibhausgases ausgestoßen, 2,4 Gigatonnen weniger als noch 2019. Die stärksten Rückgänge waren dabei in den USA (12 Prozent), in der EU (11 Prozent) und Indien (9 Prozent) zu beobachten. In China – dem Land mit den meisten Emissionen weltweit – gingen diese allerdings nur um 1,7 Prozent zurück. Zu diesem Ergebnis kommt das „Global Carbon Budget 2020“, das im Fachjournal „Earth System Science Data" veröffentlicht wurde (siehe Primärquelle).

Das Jahr 2020 war und ist geprägt von der Corona-Pandemie; diese dominiert seit Monaten viele Facetten des Lebens in vielen Ländern der Erde. Früh stellte sich dabei auch die Frage, welche Auswirkungen die Pandemie auf die globalen Treibhausgas-Emissionen haben würde. Eine über Monate gedrosselte Produktion, eine komplett veränderte Arbeits- und Urlaubsmobilität, Ausgangsbeschränkungen in vielen Ländern, ein erzwungenermaßen völlig verändertes Freizeitverhalten: Schnell zeichnete sich ab, dass dies zu massiv reduzierten Treibhausgas-Emissionen führen müsste. In den vergangenen Jahren wurde bei der Veröffentlichung des alljährlichen „Global Carbon Budget“ immer wieder vehement darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, den Gipfel der Treibhausgas-Emissionen so schnell wie möglich zu erreichen, wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichbar bleiben sollten. In den Jahren 2015 und 2016 schien es, als könnte das Maximum der globalen CO2-Emissionen erreicht sein. Doch danach zogen die Emissionen wieder an. Im Jahr 2019 wurde dann der höchste je gemessenen Wert bilanziert.

Aus Anlass der Publikation des „Global Carbon Budget 2020“ am 11.12.2020 veranstaltete das Science Media Center am 10.12.2020 ein virtuelles Press Briefing zum Thema. Im Press Briefing diskutierten zwei Expertinnen und ein Experte die Ergebnisse des Berichts und zum Beispiel diese weiteren Fragen:

Wie stark sind die Emissionen im Corona-Jahr tatsächlich zurückgegangen? Inwiefern lassen sich unter dem Corona-Effekt Entwicklungen entdecken, die zu einer nachhaltigen Emissions-Minderung führen könnten? Was ist nun zu tun, damit das Jahr 2020 der erste Schritt auf dem Weg hin zu einer Emissionshalbierung bis 2030 gewesen sein kann? Worauf muss besonders geachtet werden, damit die Emissionen nicht auf das alte Niveau steigen, wenn die Volkswirtschaften nach Corona wieder Fahrt aufnehmen? Welche Fehler könnten dabei gemacht werden und wie lassen sich diese vermeiden?

Diese Fragen – und Ihre! – beantworteten eine Expertin und Experten in einem 50-minütigen virtuellen Press Briefing.

Expertinnen und Experte auf dem Podium

     

  • Dr. Judith Hauck
    Stellvertretende Leiterin der Sektion Marine Biogeowissenschaften, Fachbereich Biowissenschaften, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven, Co-Autorin des Reports
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  • Prof. Dr. Niklas Höhne
    Leiter und Geschäftsführer, New Climate Institute, Köln und Professor für Klimaschutz, Wageningen Universität, Niederlande
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  • Prof. Dr. Julia Pongratz
    Inhaberin des Lehrstuhls für Physische Geographie und Landnutzungssysteme, Department für Geographie, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), München, Co-Autorin des Reports
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Abschluss-Statements aus dem Press Briefing

Das SMC hat die Expertin und die Experten am Ende des Press Briefings um kurze Zusammenfassungen gebeten, die wir Ihnen nachfolgend als Statements zur Verfügung stellen möchten.

Dr. Judith Hauck

Stellvertretende Leiterin der Sektion Marine Biogeowissenschaften, Fachbereich Biowissenschaften, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven, Co-Autorin des Reports

„Der wichtige Punkt ist, dass wir jetzt in diesem Jahr eine starke 2,4 Milliarden Tonnen CO2-Reduktion der Emissionen gesehen haben. Das ist die Größenordnung, die wir brauchen, um das 1,5-Grad-Ziel nicht zu übertreffen. Das brauchen wir aber natürlich aus anderen Gründen, als wir es dieses Jahr haben. Und trotzdem, das sollte man vielleicht nochmal betonen, steigt der atmosphärische CO2-Gehalt weiter an. Und dieses Jahr in der gleichen Größenordnung wie letztes Jahr. Die Emissionen müssen also wirklich nicht nur um einen einstelligen Prozentbetrag sinken, sondern sie müssen sehr nahe an Null gehen."

Prof. Dr. Niklas Höhne

Leiter und Geschäftsführer, New Climate Institute, Köln und Professor für Klimaschutz, Wageningen Universität, Niederlande

„So eine Krise wie die Corona-Krise ist immer ein Umbruch und eine Möglichkeit, Dinge anders zu machen. Ich würde hoffen, dass wir diese Möglichkeiten nutzen, jetzt Dinge signifikant anders zu machen. Wir haben die Möglichkeit, es wird sehr viel Geld ausgegeben für die Konjunkturpakete und wenn nur ein geringer Teil dieses Geldes in die richtige Richtung geht, dann wäre schon viel getan. Und insofern bin ich hoffnungsvoll, weil die guten Vorsätze jedenfalls stimmen. Länder wollen aus Kohle, Öl und Gas aussteigen. Den guten Vorsätzen müssen jetzt aber Taten folgen."

Prof. Dr. Julia Pongratz

Inhaberin des Lehrstuhls für Physische Geographie und Landnutzungssysteme, Department für Geographie, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), München, Co-Autorin des Reports

„Ich kann mich da nur anschließen: Wir haben genug gelitten unter der Corona-Pandemie. Wir sollten jetzt auch wirklich die Chancen nutzen, die sich daraus ergeben. Also das Schlechte ins Gute wenden."

Video-Mitschnitt & Transkript

Das aufgezeichnete Webinar finden Sie hier im Webinar-Programm selbst. Um es anzuschauen, müssen Sie eine E-Mail-Adresse eingeben.

Ein Transkript finden Sie hier.

Primärquelle

Friedlingstein P et al. (2020): Global Carbon Budget 2020. Earth Syst. Sci. Data, 12, 1–71. DOI: 10.5194/essd-12-1-2020.