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26.10.2018

Zeitumstellung

Anlass

Europa hat die Wahl: Soll für die Sommerzeit bald die letzte Stunde schlagen – oder wird es weiter den Wechsel zwischen Normal- und Sommerzeit geben? Hört endlich das Fragen auf: Werden die Uhren nun zurück- oder vorgestellt? Nach der Umfrage der EU im Sommer 2018 [1][2] hat der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker rasch verkündet, die Sommerzeit-Richtlinie aufheben zu wollen. Ende März 2019 würden die Uhren zum letzten Mal gemeinsam eine Stunde vorgestellt, danach stehe es den Nationen frei, welche Zeit gelten solle [3].
In Deutschland haben sich viele politisch Verantwortliche schnell für eine ganzjährige Sommerzeit ausgesprochen. Das bedeutet faktisch einen Wechsel der Zeitzone von der Mitteleuropäischen Zeit in die Osteuropäische Zeit.

Politisch ist derzeit offen, ob sich die Vorgaben tatsächlich so schnell abschaffen lassen. Doch das wäre auch eine Chance. Denn wissenschaftlich gibt es nur sehr wenige Antworten auf die Frage, welche Folgen ein permanenter Wechsel in eine andere Zeitzone für Deutschland hätte.

Dieses Fact Sheet enthält daher den Stand der Wissenschaft über den jährlichen Wechsel und, soweit möglich, auch Hinweise auf mögliche Folgen.

Sie können sich das Fact Sheet hier als pdf herunterladen. 

Übersicht

  • Normalzeit und Zeitzonen: Warum gibt es sie?
  • Sommerzeit: Was ist das? Wozu gibt es sie?
  • Sommerzeit: Gebrauch in anderen Ländern
  • Zeitumstellung: Wechsel in eine andere Zeitzone
  • Zeitumstellung: permanente gesundheitliche Folgen
  • Zeitumstellung: vorübergehende gesundheitliche Folgen
  • Zeitumstellung: Wie steht es mit dem Einsparen von Energie?
  • Zeitumstellung: Was sagt das Recht?
  • Literaturstellen, die zitiert wurden

Normalzeit und Zeitzonen: Warum gibt es sie?

Bis in die Neuere Geschichte bestimmte der Sonnenlauf die Zeit. Jeder Ort hatte seine eigene Zeit, die vom Sonnenhöchststand im Süden bestimmt wurde. Der zunehmende Reiseverkehr machte es nötig, das Chaos von Ortszeiten zu beseitigen. Die Zeiten sollten synchronisiert und in Zeitzonen zusammengefasst werden.

  • Erst als um 1750 das sogenannte »Längenproblem« gelöst wurde – mit Hilfe einer störungsfrei laufenden Uhr – entkoppelte man sich vom Sonnenlauf und band sich an eine von der Sonne unabhängigen Zeit: die Normalzeit.
  • Dazu teilten die Vertreter von 25 Nationen am 13. Oktober 1884 auf der Internationalen Meridian-Konferenz in Washington, D.C. die Weltkugel – ausgehend vom Greenwich-Nullmeridian – den 24 Stunden eines Tages entsprechend – in 24 Zeitzonen ein, jeweils in einer Breite von 15 Grad.
  • Die Normalzeit (auch Zonenzeit, Standardzeit oder auch—nicht amtlich im Gegensatz zur Sommerzeit: Winterzeit) ist die in einer jeweiligen Zeitzone gesetzlich vorgeschriebene, amtliche Zeit.
  • Erreicht die Sonne ihren Höchststand am Mittag an einem bestimmten Ort, ist es dort exakt 12:00 Uhr (wahre) Sonnenzeit, dann sollte die Normalzeit in der entsprechenden Zeitzone nicht mehr als eine Stunde (plus/minus) abweichen.
  • Das bedeutet, 12:00 Uhr Mittag wahre Sonnenzeit liegt im Lauf des Jahres
    am westlichen Rand der Zeitzone (Dortmund): zwischen 12:13 und 12:43 Uhr MEZ,
    in der Mitte der Zeitzone (Görlitz): zwischen 11:43 und 12:06 Uhr MEZ ,
    am fiktiven östlichen Rand der Zeitzone (Lublin): zwischen 11:13 und 11:43 Uhr MEZ .
  • In Deutschland waren die Vorreiter die deutschen Eisenbahnen. Sie führten die Mittlere Eisenbahn Zeit (M.E.Z.) für den 15. Längengrad ab dem 1. Juli 1891 ein.
  • 1893 legte das Deutsche Reich diese Zeit als Mitteleuropäische Zeit (MEZ) fest.

In Europa sind die wichtigsten Zeitzonen und ihre Normalzeiten:

  • Westeuropäische Zeit WEZ = UCT ± 0 (Greenwich Mean Time GMT, Weltzeit, Greenwich-Zeit, genauer die von der Erdrotation unabhängige, von Atomuhren erzeugte UTC: Coordinated Universal Time) für die westeuropäischen EU-Länder (Vereinigtes Königreich, Irland, Portugal)
  • Mitteleuropäische Zeit MEZ = UCT +1 (Central European Time CET)
    für fast alle EU-Länder (außer den west- oder osteuropäischen Ländern)
  • Osteuropäische Zeit OEZ = UTC +2 (East European Time EET)
    für die osteuropäischen EU-Länder (Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Rumänien, Zypern), aber auch Ukraine
  • UTC + 3 (Moskau-Zeit, Bagdad-Zeit, Arabische Standardzeit, Ostafrikanische Zeit)
    für die Länder Türkei, Russland (europäischer Teil) und die arabischen und ostafrikanischen Länder.

Die fiktiven, geraden Zeitzonengrenzen durch die Meridiane halten sich natürlich nicht an Staatsgrenzen. Daher sind die gesetzlichen Zeitzonen aus geografischen, historischen und politischen Gründen angepasst oder sogar erweitert worden:

  • Beispiel: die Mitteleuropäische Zeitzone. Sie ist weit nach Westen erweitert um die Benelux-Staaten, Frankreich und Spanien – sie gehören eigentlich und gehörten seit Einführung der Zeitzonen zur Westeuropäischen Zeit WEZ wie das Vereinigte Königreich.
    Die Niederlande waren in dieser Zeitzone wie Frankreich bis zur deutschen Besatzung 1940.
  • General Franco wollte den Anschluss an die faschistischen Staaten Deutschland und Italien und wechselte für Spanien ebenfalls 1940 die Zeitzone [4].
    In Spanien gab es (2013) Bestrebungen, zur alten Zeitzone zurückzukehren [5].
    Die Zeitzonen nach Westen zu erweitern hat drastische Folgen:
    Als Beispiel zwei Städte, die fast auf demselben Längengrad liegen, das galizische Vigo, die westlichste Stadt Spaniens – und Porto, Portugal.
    Im Lauf des Jahres ist Mittag (Sonnenzeit 12:00 Uhr) in
    Vigo   ( 8,7 W) zwischen  13:18 und 13:49 Uhr Normalzeit, dagegen in  
    Porto (  8,6 W) zwischen  12:17 und 12:48 Uhr Normalzeit.

Sommerzeit: Was ist das? Wozu gibt es sie?

Sommerzeit ist die um eine Stunde vorgestellte Normalzeit in den Sommermonaten und in gemäßigten Breiten. Sie wurde schon früh vorgeschlagen. In der Regel ging es dabei um die Einsparung von künstlichem Licht – vor der Einführung von elektrischem Licht ein erheblicher Kostenfaktor.

  • Erst als um 1750 das sogenannte »Längenproblem« gelöst wurde – mit Hilfe einer störungsfrei laufenden Uhr – entkoppelte man sich vom Sonnenlauf und band sich an eine von der Sonne unabhängigen Zeit: die Normalzeit. Benjamin Franklin empfahl 1784 im Journal de Paris wegen der Verschwendung von künstlichem Licht ein der Tageshelligkeit angepasstes, früheres Auf- und Zubettgehen.
  • George Vernon Hudson, ein Insektenforscher, empfahl 1895 vor der Royal Society of New Zealand die Einführung einer Sommerzeit.
  • William Willett 1907, »der Vater der Sommerzeit«, wie er in England genannt wird, wollte Beleuchtungskosten sparen – mit Unterstützung Winston Churchills [6].
  • Eingeführt wurde die erste Sommerzeit auf der Welt jedoch im Ersten Weltkrieg:
    Der deutsche Kaiser verordnete 30. April 1916 für das Deutsche Reich eine Sommerzeit. Begründet wurde sie mit einer Energie-Einsparung. Frankreich und das Vereinigte Königreich, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich folgten.
  • Nach Kriegsende 1919 schaffte auch Deutschland die Sommerzeit wieder ab. Das Vereinigte Königreich und Frankreich behielten sie: Großbritannien ohne Unterbrechung zwischen den Weltkriegen, Frankreich schaffte sie nach Protesten von Landwirten 1922 ab.
  • Im Zweiten Weltkrieg führte Deutschland 1940 die Sommerzeit wieder ein, die besetzten und alliierten Länder folgten. 1945, nach Kriegsende, schafften die meisten Länder die Sommerzeit wieder ab. In Deutschland lief die Sommerzeit 1949 aus.  
  • Mit der Ölkrise 1973 diskutierten viele Länder in Europa eine Wiedereinführung der Sommerzeit. Frankreich führte sie 1976 ein. Auch in der BRD wurde eine Einführung der Sommerzeit 1977 diskutiert. Einen Einspareffekt versprach man sich davon allerdings nicht und lehnte eine Einführung nur aus diesem Grund ab. Jedoch machte der Bundestag klar, dass bei einer Einführung der Sommerzeit in der DDR der Westen folgen würde, um eine einheitliche Zeit in Deutschland zu erhalten. Das geschah 1980 [7, S. 26].
  • In der EU wurde 1998 die Sommerzeit im ganzen Gebiet einheitlich eingeführt. Die Hoheit über die Sommerzeit liegt seitdem bei der Europäischen Kommission. Begründet wurde die Vereinheitlichung vor allem mit wirtschaftlichen Vorteilen, gerade für das Transportgewerbe.

Sommerzeit: Gebrauch in anderen Ländern

Nicht nur die EU-Staaten befolgen eine Sommerzeit.

  • Europa: Auch die angrenzenden Staaten wie Norwegen und Schweiz halten sich an die Sommerzeit. Gründe waren stets, den Handel zu erleichtern und mögliche Energieeinsparungen.
  • USA: Alle Bundesstaaten außer Arizona und Hawaii halten sich an die Sommerzeit allerdings in einem anderen Zeitraum als die EU. Das US Department of Energy hat 2008 die gesamte Energieeinsparung durch die Sommerzeit im Jahre 2007 auf 0,03 Prozent des gesamten Stromverbrauches der USA beziffert [8].
  • Russland, China, Japan: In den Ländern Russland und China wird keine Sommerzeit mehr befolgt. 2011 schaffte Russland sie ab. Dies war Teil einer Kampagne zur Harmonisierung und Verringerung der Zeitzonen [9].
    China befolgte eine Sommerzeit zwischen 1986 und 1991. Sie wurde aber 1992 wegen mangelnder Akzeptanz abgeschafft. 2007 wurde sie jedoch wieder erwogen, um Strom zu sparen.
    Japan hat nie eine Sommerzeit befolgt, aber 2008 eine Einführung erwogen, um den “Action Plan for Achieving Low Carbon Society” der OECD (2010) einzuhalten [10].
  • Beginn und Ende der Sommerzeit
    In Europa (und nicht nur in der EU) beginnt die Sommerzeit (mitteleuropäische Sommerzeit) im Frühling am letzten Sonntag im März (einheitlich um 01:00 WEZ = 02:00 MEZ). Dann werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt (auf 02:00 Uhr WESZ = 03:00 MESZ). Im Herbst endet die Sommerzeit am letzten Sonntag im Oktober (einheitlich um 02:00 WESZ = 03:00 MESZ). Dann werden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt (auf 01:00 WEZ = 02:00 MEZ).
    In den USA, Kanada und Mexiko beginnt die Sommerzeit dagegen am zweiten Sonntag im März und endet am ersten Sonntag im November.
  • Übersicht Sommerzeit rund um den Globus – heute und gestern:
    DST Use Worldwide – Past and Present: [11]

Zeitumstellung: Wechsel in eine andere Zeitzone

Mit der Einführung einer permanenten Sommerzeit verschiebt man faktisch die eigene Zeitzone um eine Zeitzone nach Osten. Damit weicht man vom ursprünglichen Ziel der Zeitzonen ab: eine einheitliche Zeit möglichst synchron zur lokalen Sonnenzeit. Bis 2015 stand eine Abschaffung der Sommerzeit in Europa oder gar ein Wechsel in eine andere Zeitzone nicht zur Debatte. Studien, die dieses Vorhaben untersuchen, sind daher kaum unternommen worden. Trotzdem haben in der Vergangenheit immer wieder einzelne Länder versucht, diesen Schritt zu gehen:

  • Vereinigtes Königreich: Mehrfach wurde in Großbritannien diskutiert, von der Normalzeit GMT / UTC abzuweichen und eine permanente Sommerzeit einzuführen, während des Krieges auch mit einer zusätzlichen Sommerzeit. Diese Zeit wurde als British Double Standard Time (BDST) bezeichnet. Ein groß angelegter Versuch begann 1968, wurde aber 1971 wieder abgebrochen. Ergebnisse zu Energieeinsparung, Gesundheit und Verkehr s.u. [7][12][13][14].
  • Russland: 2011 wurde in Russland die permanente Sommerzeit eingeführt, nach Protesten wurden die Uhren 2014 jedoch wieder auf Normalzeit zurückgestellt. Untersuchungen über mögliche Folgen sind leider nicht bekannt [15].
  • Türkei: Sie benutzte die Sommerzeit seit 1916 bis 2016, mit Beschluss der türkischen Regierung sollte sie jedoch ab da permanent die Sommerzeit verwenden. Im Oktober 2017 gab der türkische Ministerrat bekannt, er folge einem Richterspruch, der der Regierung verbiete, die Uhrzeit permanent vorzustellen; es solle wieder die Sommerzeit benutzt werden. Dem kam aber das türkische Kabinett zuvor und ordnete die permanente Sommerzeit an. Faktisch ist damit seit 2017 die Türkei eine Zeitzone weiter nach Osten gewandert [16][17].

Zeitumstellung: permanente gesundheitliche Folgen

Die Sommerzeit kann durchaus gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich bringen, die bis zur nächsten Zeitumstellung anhalten. Sie werden ausgelöst durch das Verschieben um eine Stunde im Zeitlauf der sozialen Kontakte gegenüber der lokalen Sonnenzeit. Insgesamt gibt es deutlich weniger Studien zu diesen Effekten auf die Gesundheit, da sie eine längere und deutlich aufwändigere Beobachtung erfordern. Auch Vorher-Nachher-Vergleiche oder Kontrollgruppen-Studien sind nur schwer möglich. Bisher wurden daher fast nur vorübergehende physiologische Effekte der Sommerzeit untersucht.
Ausnahme wären die Länder, die in der Vergangenheit schon einmal die Zeitzone gewechselt haben und wieder in sie zurückgekehrt sind, etwa Großbritannien und Russland. Jedoch liegen hierzu derzeit keine wissenschaftlichen Studien vor. [Vgl. 18 S. 22]

Allgemein

Vorübergehende und beständige Effekte der Sommerzeit wirken sich unterschiedlich auf die verschiedenen Rhythmus-Systeme im Menschen aus. Einige Rhythmen reagieren auf die Umstellung empfindlich und zeitigen dauernde Folgen. Andere bleiben unbeeinflusst und dem Lauf der Sonne angepasst. Unklar ist, wie sich diese Unterschiede auf die Gesundheit des Menschen insgesamt auswirken.

Effekte auf den Schlaf-Wach-Rhythmus und weitere zirkadiane Rhythmen:

  • Schlafzeit und Dämmerungsverlauf: Schlafzeiten passen sich in den Wintermonaten (also in der Normalzeit) an den saisonalen Verlauf der Morgendämmerung an im Vergleich zu Sommermonaten, wo diese Anpassung nicht stattfindet (Kantermann et al., 2007). Durch das plötzliche Umstellen auf die Sommerzeit wird die natürliche Anpassung an den Sonnenverlauf gestört und hat dadurch Einfluss auf den saisonalen biologischen Rhythmus und das zirkadiane System.
  • Dagegen spricht, dass die Schlafenszeit nicht während des ganzen Jahres an den Verlauf der Morgendämmerung angepasst ist. Das hätte beispielsweise sehr frühe Aufwachzeiten im Sommer in den nördlichen Ländern zu Folge [19].

Stresshormon Cortisol:

  • Die Ausschüttung des Hormons folgt dem Tages- (zirkadianen) Rhythmus. Er ist beim Aufwachen morgens am höchsten und nimmt kontinuierlich bis Mitternacht ab.
  • Das Ausschütten von Cortisol bleibt auch während der Sommermonate an den Sonnenverlauf und den Zeitpunkt des Sonnenaufgangs angepasst. Dieser Verlauf passt sich also nicht der Sommerzeit an, der Hormonspiegel ist entsprechend um eine Stunde gegen die Normalzeit verschoben.
  • Die Folge davon ist, dass sich die verschiedenen zirkadiane Systeme unterschiedlich anpassen und somit in unterschiedlichen Rhythmen verlaufen. Welche genauen Folgen eine »Desynchronisation« der Rhythmen auf den Menschen hat, ist bisher unklar. [20]

Auswirkungen auf Freizeitformen und -Verhalten

Vor allem Menschen mit stark vorgegebener Tagesroutine, beispielsweise durch feste Arbeitszeiten, können einen Nutzen aus dem frühen Aufstehen für ihre Freizeit am Nachmittag und Abend ziehen. Das kann Sport, Familie oder gesellschaftliches Leben betreffen und sich positiv auf die allgemeine Gesundheit und soziale Zufriedenheit auswirken. Effekte sind jedoch schwer bis gar nicht messbar. Wissenschaftler haben bis jetzt vor allem Art und Qualität der Freizeitaktivitäten untersucht, jedoch nicht den Einfluss auf Gesundheit oder Wohlbefinden.

  • Positiver Effekt auf Gesundheit und das Freizeitverhalten: Es wurde mehr Zeit (etwa 30 Minuten pro Tag) mit Freizeitaktivitäten und weniger Zeit (etwa 9 Minuten pro Tag) vor dem Fernsehen verbracht. Außerdem steigt die Zahl der Personen (um 3 Prozent), die überhaupt Zeit für Freizeit im Freien anwenden. Eine mögliche Erklärung ist, dass nachmittags durch die Zeitumstellung ein längerer, zusammenhängender Zeitabschnitt zur Freizeitgestaltung zur Verfügung steht als morgens. [21]
  • Körperliche Aktivität: Die Sommerzeit steigert die körperliche Aktivität bei Schulkindern nach einem Schultag [22]. Eine andere Studie zeigt dagegen, dass sich in der Sommerzeit weder Zeitdauer noch tatsächliche Ausübung der körperlichen Aktivitäten erhöhen [23]. Im Vergleich dazu zeigt eine Studie, dass die Sommerzeit keinen beziehungsweise einen leicht negativen Effekt auf die Aktivität der Menschen hat. Vor der Sommerzeit gaben mehr Menschen an Sport zu treiben als nach der Umstellung [24].
  • Gesundheitliche Folgeeffekte, die durch veränderte Freizeitaktivitäten entstehen können, sind unter anderem mehr Sport-, Freizeit- und Verkehrsunfälle (durch erhöhtes Verkehrsaufkommen). Außerdem könnte eine Erhöhung der UV-Exposition durch Verschiebung der Zeit des Höchststands der Sonne, mehr und größere Schäden für Haut und Augen zur Folge haben. Bisher wurden zu diesem Thema jedoch nur Studien in Australien durchgeführt. Bisherige Empfehlungen in der Mittagszeit die Sonne zu meiden müssten daher zeitlich angepasst werden [25][26][27].

Psychologische Effekte

Licht und vor allem Tageslicht haben – unbestritten – eine große Wirkung auf die Psyche.

  • Dennoch wurden bisher im Zusammenhang mit der Zeitumstellung noch keine Studien dazu durchgeführt.
  • Vermutlich gibt es während der Sommerzeit weniger saisonal bedingte Depressionen, je früher die Menschen im Verhältnis zum Sonnenaufgang aufstehen [28].

Indirekte Effekte

  • Es wird ein allgemein positiver Effekt der Sommerzeit auf das Verkehrsaufkommen vermutet [29].
  • Man geht dabei davon aus, dass sich die bessere Schlafqualität auf eine erhöhte Konzentration der Verkehrsteilnehmer auswirkt.
  • Andere Studien zeigen allerdings widersprüchliche Ergebnisse im Bereich Verkehrssicherheit. Man vermutet mehr Verkehrsunfälle am Morgen durch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen während der Dämmerung und morgendlichen Dunkelheit. Abends werden weniger Verkehrsunfälle erwartet, abhängig von den verbesserten Lichtverhältnissen. Daher geht man im Allgemeinen von einem positiven Effekt der Sommerzeit auf die Verkehrssicherheit durch bessere Sichtverhältnisse aus [30][31].

Zeitumstellung: vorübergehende gesundheitliche Folgen

Die vorübergehenden Folgen der Zeitumstellung wurden deutlich häufiger untersucht als die langfristigen. Die Wissenschaftler untersuchten dabei den Einfluss der Zeitumstellung auf biologische Tagesrhythmen (zirkadiane Rhythmen), auf Herzinfarktrisiko, Leistungsvermögen, Befindlichkeiten und Verkehrsunfälle. Die Ergebnisse der Studien unterscheiden sich jedoch zum Teil sehr. Grund dafür sind zum Beispiel kurze Beobachtungszeiträume, kleine Stichproben, unterschiedliche Studiendesigns, verschiedene Rahmenbedingungen bis hin zum Breitengrad, der einen Einfluss auf die Tageslichtdauer hat.

Fest steht: Die Zeitumstellung hat einen kurzfristigen Einfluss auf den zirkadianen Rhythmus.

  • Zirkadiane Rhythmen beschreiben Körpervorgänge, die synchron zu tagesperiodischen Rhythmen verlaufen, wie beispielsweise der Tag-Nacht-Rhythmus, der Ruhe-Aktivitäts-Rhythmus, die hormonellen Abläufe im Körper und die Körpertemperatur.
  • Rhythmen werden aufgeprägt durch Faktoren aus der Umwelt, laufen jedoch auch bei Abwesenheit der Zeitgeber als innere Uhr weiter.
  • Licht ist dabei der wichtigste Zeitgeber. Licht synchronisiert zirkadiane Systeme auf tagesperiodische Rhythmen. Bei Fehlen der Zeitgeber laufen die Systeme in diesen Rhythmen weiter, jedoch weichen in ihrer Periodenlänge etwas vom 24 Stunden Rhythmus ab [32][33].
  • Die Zeitumstellung verschiebt die sozial auferlegte zeitliche Tagesstruktur um eine Stunde. Weil der zirkadiane Rhythmus weiter dem Sonnenlicht folgt, gerät er gegenüber dem sozialen Tagesablauf kurzfristig aus dem Tritt.
  • Die einzelnen zirkadianen Rhythmen reagieren unterschiedlich auf die Zeitumstellung. Bisher ist unklar, was die unterschiedliche Anpassung der Systeme für deren Zusammenspiel bedeutet.

Schlaf-Wach-Rhythmus

Rhythmen benötigen einige Tage um sich an die Zeitumstellung anzupassen [34][35]. Dabei wirken sich die Zeitumstellung im Frühjahr und im Herbst unterschiedlich auf den Menschen aus.

  • Es besteht Evidenz, dass sich der Schlaf-Wach-Rhythmus binnen einer Woche wieder anpasst, dass sich jedoch manche Menschen auch vier Wochen nach der Zeitumstellung nicht anpassen [36].
  • Vor allem im Frühjahr beeinträchtigt die Umstellung das zirkadiane System, wobei vor allem Schlaf-Wach-Rhythmus und Ruhe-Aktivitäts-Rhythmus beeinflusst werden. Dies hat negative Folgen für die Schlafqualität und Schlafdauer. Die Gesamtschlafzeit wird weniger und geht mit späteren Einschlafzeiten und früheren Aufwachzeiten einher. Außerdem verschiebt sich das Aktivitätsmuster und es kann zu einer höheren Tagesmüdigkeit kommen. Wissenschaftler fordern daher, bei Abschaffung der Zeitumstellung zur Normalzeit zurückzukehren [80].
  • Die Zeitumstellung im Herbst ruft insgesamt weniger Anpassungsschwierigkeiten hervor. Im Vergleich zur Zeitumstellung im Frühjahr passt sich beispielsweise die Schlafzeit binnen ein bis zwei Wochen an [37][38][39].
  • Erklärung für die unterschiedlichen Ergebnisse der Studien könnte eine Studie liefern, die die unterschiedlichen Auswirkungen auf Kurz- und Langschläfer untersucht hat. Für Kurzschläfer mit einem täglichen Schlafbedarf von weniger als 7½ Stunden erhöhte sich die Gesamtschlafdauer. Für Personen mit hohem Schlafbedarf verringerte sie sich. Kurzschläfer reagierten vor allem in den ersten fünf Tagen mit Einschlafproblemen und verschlechterter Schlafeffizienz, was sich wiederum auf die Gesamtschlafzeit auswirkt. Dies stützt Ergebnisse, dass sich der Schlaf-Wach-Rhythmus binnen einer Woche anpasst [36].
  • Chronobiologie und Chronotypen [40]: Zirkadiane Rhythmen sind individuell unterschiedlich und abhängig von genetischer Veranlagung, Alter und Geschlecht.
    Im Allgemeinen werden Chronotypen grob in zwei Extreme aufgeteilt:
    Der frühe Chronotyp (Frühaufsteher oder »Lerche«, rund 20 Prozent der Bevölkerung) steht früh auf, ist morgens aktiv und geht abends früh zu Bett.
    Der späte Chronotyp (Spätaufsteher oder »Eule«, etwa 20 Prozent der Bevölkerung) schläft morgens länger und wird spät abends aktiv.
    Zwischen beiden Extremen liegt der Misch- oder Normaltyp (rund 60 Prozent der Bevölkerung) [41].
  • Es gibt eine Reihe von Tests, um seinen Chronotyp einfach zu bestimmen [42].
  • Studienlage: Allgemein ist die Studienlage widersprüchlich und dünn. Die beiden extremen Typen reagieren unterschiedlich auf eine Zeitumstellung, abhängig vom Zeitpunkt. Vor allem jedoch scheint die Umstellung im Frühjahr Eulen, den späten Chronotypen, Probleme zu bereiten. Späte Chronotypen glichen ihre Schlafzeiten nur vorübergehend und ihr Aktivitätsmuster gar nicht an den neuen Rhythmus an [19].
  • Lebensalter: Der individuelle Chronotypus verändern sich im Laufe des Lebens, daher hat die Zeitumstellung unterschiedliche Einflüsse abhängig vom Alter. Kinder gehören zu den frühen Chronotypen, dies ändert sich jedoch im Laufe der Pubertät, in der sie den späten Chronotypen wechseln. Vor allem Jugendliche haben daher Probleme bei der Umstellung im Frühjahr. Das äußert sich in schlechterer Schlafeffizienz, längerer Gesamtschlafzeit und erhöhter Tagesmüdigkeit. Schüler und Studenten sind daher eine besonders betroffene Gruppe [39][43][44].
  • Im Bericht der EU-Kommission von 2007 wird gefragt, ob die Zeitumstellung den biologischen Rhythmus störe und möglicherweise langanhaltende, negative gesundheitliche Auswirkungen haben könnte. Fazit ist nach Abwägung aller Studien: Die Störungen seien nur in der Woche nach der Umstellung feststellbar und haben keine langanhaltend negativen Auswirkungen für die menschliche Gesundheit [45].

Auswirkungen auf weitere zirkadiane Rhythmen